Das sind die besten Beizen in der Region
Neue Ausgabe von «Waltis Beizenführer»
Die Gastro-Kritiker von «Waltis Beizenführer» verteilen in diesem Jahr viel Lob für die getesteten Oberländer Restaurants. Teilweise sehen sie aber noch Ausbaupotenzial.
Er ist der etwas andere Gastro-Ratgeber. Als «eigenwillig» und «sympathisch» bezeichnen ihn seine Macher. «Erlebnisreiche Beizenbesuche mit bodenständigem Handwerk ohne Chichi» werden den Leserinnen und Lesern von «Waltis Beizenführer» versprochen.
Seit 1989 gibt es das Nachschlagewerk bereits. Herausgegeben wird es von einem nicht gewinnorientierten Verein um Balz Hösly und Sonja Wollkopf Walt. Im Fokus der Redaktion stehe bei der Bewertung der Beizen das gastronomische Gesamterlebnis: die Atmosphäre, die Küche, der Service und das Herzblut der Wirtsleute.
291 Beizen haben die «Genuss-Schreiberinnen und -Schreiber» in diesem Jahr besucht – die meisten davon im Kanton Zürich – und sie wieder pünktlich zum Jahresende in einem Büchlein vorgestellt. Dies ohne Honorar und stets unabhängig, wie es heisst. Acht der besuchten Beizen stehen im Zürcher Oberland. Die Kritiker verteilen viel Lob – aber nicht nur.
Die Neuen
Gleich zwei Restaurants aus der Region haben es in diesem Jahr neu in den Gastro-Führer geschafft. Vielen Ustermern dürfte das «Zambale» noch ein Begriff sein. Erst Anfang Jahr ist es aus dem urbanen Zentrum direkt beim Bahnhof in die Höhe auf die Forch gezogen.
Seither bietet Wirt Tenba Sagangtsang seine tibetischen Spezialitäten in der ehemaligen «Krone» an. Wie lange, ist noch offen. Denn das Haus soll umgebaut werden. Als «sehr schmackhaft» bezeichnen die Testesserinnen und Testesser die Küche im «Zambale». Vor allem angetan haben es ihnen die typischen Momos. Hervorgehoben werden zudem die fairen Preise.

Nicht allzu weit entfernt von der Forch findet man den zweiten regionalen Neueinsteiger. Die «Stallstube», etwas ausserhalb von Maur gelegen, wirke ein wenig improvisiert und versprühe einen gewissen Kuhstall-Chic. Allerdings sei das Restaurant viel mehr als eine «Besenbeiz», als die es seine Betreiber sähen.
Lob gibt es insbesondere für die «lockere und zwanglose Atmosphäre» – und für das Essen. Denn in der «Stallstube» wird nicht nur mit regionalen, sondern auch häufig mit lokalen Zutaten gekocht. Das Gemüse, die Eier und das Rindfleisch stammen vom eigenen nachhaltig betriebenen Hof.
Die Favoriten
Besonders begeistert waren «Waltis» Testesserinnen und Testesser in diesem Jahr vom «Bären» in Grüningen und von der zum Gasthof Sternen gehörenden «Badstube» in Wangen bei Dübendorf. Die beiden Restaurants gehören zu den sogenannten Lieblingsbeizen: Hier stimme «sozusagen alles».
Der «Bären», mitten im Grüninger Stedtli gelegen, überzeugte mit seiner Fisch- und Wildkarte. Kein Wunder, ist doch Wirt Christian Mutschler ein leidenschaftlicher Jäger und Fischer. Auch ausserhalb der Saison kämen hier Wildliebhaber auf ihre Kosten.
«Besonders» sei das Ambiente drinnen, heisst es im Eintrag über den zweiten Favoriten, die Wangemer «Badstube». Entsprechend sei der Gourmetteil des «Sternen» auch für besondere Anlässe geeignet. Serviert werden dort «feine, mediterran angehauchte Gerichte».
Der «Sternen» sei generell eine «ausgezeichnete Beiz». Als Zusatz erhält das Lokal eine Auszeichnung mit dem Prädikat «Aktenkoffer». Dieses steht für eine Atmosphäre für vertrauliche Gespräche bei moderatem Lärmpegel – für «Busy People» oder für ein «Tête-à-Tête».
Sowohl der «Bären» als auch die «Badstube» sind nicht nur den Kritikern von «Waltis Beizenführer» aufgefallen. Sie sind in diesem Jahr mit jeweils 15 Punkten im Gault-Millau-Führer aufgeführt. Die «Badstube» wurde zudem mit einem Stern des «Guide Michelin» ausgezeichnet. Das Restaurant Bären wiederum erhielt bereits im März 2022 die Auszeichnung mit einem «Goldenen Fisch».
Die Klassiker
Was sich die Neueinsteiger erst verdienen müssen, haben diese Beizen bereits erreicht. Sie zeichnen sich mit ihrer Beständigkeit aus. «Langjährig gut und erfolgreich geführte Betriebe» der Zürcher Gastro-Szene sind im Beizenführer besonders hervorgehoben.
Ganz klassisch gibt es in Dübendorf in der «Waldmannsburg» und in Maur im Restaurant Wassberg auch eine gutbürgerliche Schweizer Küche. Beide Restaurants punkteten zudem mit ihrer Weinkarte. Im «Wassberg» finde man Weine aus der Schweiz und Europa mit «interessanten Jahrgängen», in der «Waldmannsburg» von «jungen und innovativen Winzerinnen und Winzern». Zur Gesamtatmosphäre trage hier auch die edle Aufmachung bei.

Ebenfalls klassisch – aber italienisch – ist das Angebot im Restaurant Neue Forch, der dritten Beiz mit dem Label «Qualitätsbeiz seit eh und je». «Wunderbar» ist das Fazit von «Waltis» Experten nach dem Besuch – «wunderbare Antipasti, wunderbares Fleisch, wunderbare Fischgerichte». Das Highlight sei jedoch die Pasta. Und auch hier – wie es sich für ein gutes italienisches Restaurant gehört – die Weinkarte.
Das Ausbaufähige
Grosse Veränderungen stehen im Restaurant Hochwacht auf dem Pfannenstiel an. Das Ausflugsrestaurant soll umfassend saniert werden. Etwas frischer Wind würde auch der Küche guttun – zumindest, wenn man dem Beizenführer trauen kann. Auch wenn das Essen geschmacklich gut gewesen sei, wird der Besuch insgesamt als «durchwachsen» beurteilt. Gestresstes Personal, eine gewisse Lieblosigkeit und die Sauberkeit der Terrasse werden moniert.

Ganz abgeschrieben haben die Kritiker die «Hochwacht» aber noch nicht. Sie wollen dem Restaurant nochmals eine Chance geben. Ob dies noch vor dem Umbau geschieht? Unklar. Der Baustart ist derzeit frühestens auf Januar 2025 angesetzt.
Das Beobachtete
Im Blick für eine nächste Ausgabe haben die Macher von «Waltis Beizenführer» das Restaurant First. Für einen Abstecher in das Gourmetlokal ausserhalb von Ottikon bei Kemptthal hat es in diesem Jahr nicht gereicht. «Wir freuen uns auf einen Besuch hier, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen», heisst es.
Das «First» gehört ebenfalls zu den mit Gault-Millau-Punkten ausgezeichneten Restaurants in der Region. 14 sind es seit letztem Jahr. Und es geniesst weitherum einen guten Ruf. Auch Prinz Albert von Monaco hat hier schon ein Kalbsnierstück mit Kartoffelstock genossen.
