Janosch Bär lässt in Pfäffikon die Silvesterfunken sprühen
Der Mann der Silvestershow
Als Kind fürchtete er sich vor Feuerwerken. Dafür ist er heute ein Experte in der Branche. Für Silvester hat sich der junge Pyrotechniker etwas Besonderes ausgedacht.
«Als Kind wollte ich Dirigent werden», entsinnt sich Janosch Bär. «Das habe ich mir eigentlich erfüllt.» Bär ist heute Pyrotechniker. An Silvester ist er dann der Feuerwerker, der beim Pfäffikersee mit einem bunten Spektakel das neue Jahr einläutet. Oder eben seine Choreografie aus sprühenden Funken dirigiert.
Nicht nur Dirigent wollte der 28-Jährige als Kind werden, sondern auch Clown. Oder grundsätzlich Entertainer, erzählt er. Eines ist offensichtlich: Janosch Bär ist ein Mann, der die Show liebt. Er spielt im Theater, singt und zündet Pyroshows.
Vom Angsthasen zum Experten
«Früher fürchtete ich mich vor Feuerwerken», gesteht Bär. Doch so wie es viele mit ihrer Angst machten, habe er gelernt, damit umzugehen. Nicht nur das, er entwickelte eine Faszination dafür. Sein Hobby wurde zu seiner Leidenschaft – und irgendwann dann auch zu seiner Berufung.
Als Pyrotechniker bespielt er mit seinem eigenen Geschäft A Kind of Fire kleine und grosse Bühnen, drinnen wie auch draussen. Ob im Zirkus, auf Hochzeiten, zum 1. August, an Konzerten oder Open Airs: Janosch Bär ist für jeden Anlass zu haben.
Mit seiner Expertise wird er nun auch das Silvesterfest am Pfäffikersee einläuten, denn das Feuerwerk, wie man es bisher kannte, wurde nicht mehr genehmigt.
Beim Gebiet am Pfäffikersee handelt es sich um ein Naturschutzgebiet – ein Reservat, wo Wildtiere leben. Um diese nicht zu stören oder gar zu vertreiben, wurde der Abstand des Feuerwerks auf 30 Meter vom Ufer entfernt beschränkt.
Eine Herausforderung, meint Janosch Bär. Doch er hat sich etwas einfallen lassen. Dafür kombinierte er seine Erfahrungen aus seinen Bühnenshows.
Das Wichtigste sind Emotionen
Sterne, die in den Himmel schiessen, bunte Flammen und Goldregen – das sind nur einige Elemente, welche die Feuerwerkspalette beinhaltet. Ein weiteres Element: Musik. Sie gibt den Takt der Choreografie an.
«Die Dramaturgie der Lieder ist wichtig», sagt der Pfäffiker. «Es braucht Höhen und Tiefen. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn ein Song konstant bleibt.» Denn so bleibe auch das Feuerwerk unspektakulär und würde das wichtigste Element auslöschen: Emotionen.
Der junge Pyrotechniker musste den Präsidenten des OK vom Silvester am Pfäffikersee erst überzeugen, dass er die musikalische Wahl zu fällen weiss. Denn eigentlich ist die Liederauswahl Chefsache. «Er musste mir in dieser Sache einfach vertrauen», sagt Bär und schmunzelt verlegen.
Genau auf den Takt
Damit die Elemente aber überhaupt den Rhythmus der Musik untermalen können, müssen die Feuerwerkskörper präzise einsetzbar sein. Bär arbeitet mit elektrischen Elementen, die extrem genau gezündet werden können. Statt mit einer Zündschnur, wie man es sonst von Feuerwerkskörpern kennt, arbeitet er mit einer elektrischen Zündung – also einem Kabel.
Für jeden Effekt gibt es ein eigenes Element, das gezündet werden muss. Und jedes dieser Elemente wird am Empfänger, dem Zündkasten, angeschlossen. An Silvester werden gesamthaft 30 Empfänger auf zwei Flössen verteilt, welche die Effekte zusammentragen.
«Ich betrachte die ganze Show, als wäre es ein Gemälde. Es gibt Grundierungen wie etwa farbige Flammen und Highlights, die sich aus den ‹Singleshots›, also den Feuerwerkskörpern, zusammensetzen», bringt Bär zum Ausdruck.
Dafür muss er seine Palette gut kennen. Bär testet alle möglichen Feuerwerkskörper, reist in der Welt umher, inspiriert sich an anderen Shows oder bestaunt die Teilnehmenden an Wettbewerben – ja, es gibt Feuerwerkswettbewerbe.
Seine Ideen bringt er dann aufs Papier. Aber nicht etwa mit dem Pinsel, sondern mit dem Laptop in eine gewöhnliche Excel-Tabelle.
In 140 Zeilen macht er eine Einschätzung, welches Element wann gezündet werden muss. Wie bei einem Kunstwerk ist dies ein langer Prozess. «Ich muss inspiriert sein, um es aufzuschreiben», erklärt er, «schliesslich will ich ja auch eine Geschichte erzählen und dem Publikum Gefühle entlocken.»
Mit dem «Show-Creator» programmiert er die Choreografie bis ins letzte Detail. Auf einem Zeitstrahl, der sich an der Musik orientiert, ist die Zündung jedes einzelnen Effekts markiert. Bär spielt einen kurzen Abschnitt ab. Sein Enthusiasmus ist ansteckend, und bereits das Programm prophezeit ein Spektakel, auch wenn man als Laie nicht viel mit den Begriffen anfangen kann.
Die rechte Hand des Linkshänders
Das ganze Konzept trägt Bärs Handschrift. Sein Kunstwerk kann er aber nicht allein umsetzen. Vor Ort baut er das Feuerwerk mit einem Team von fünf Personen auf. Unterstützt wird er von Benjamin Vogel, der die Ideen umsetzt – mit Winkelvorrichtungen und Bauten für die Feuerwerke.
Die beiden hatten über die vergangenen zwei Jahre hinweg beim Feuerwerk auf dem Hasenstrick zusammengearbeitet, und nun gelang es Bär, ihn als wertvolles Teammitglied zu gewinnen. «Während ich der Kreative bin, ist er der Handwerker und meine rechte Hand bei diesem Projekt», sagt Bär, der Linkshänder ist.
Eine einmalige Sache?
Dieses Jahr wird das Feuerwerk besonders. Es wird nicht nur neu angegangen, sondern ist eine Premiere. «Anders als bei Aufführungen sehe ich meine Choreografie nur ein einziges Mal, denn proben kann ich sie nicht», betont der Pyrotechniker. Aber kann es sein, dass es bei einer einmaligen Sache bleibt?
Vor Kurzem ist die nationale Initiative zum Feuerwerksverbot eingereicht worden. Das stimmt Bär traurig. «Die Initiative spricht zwar von einer Einschränkung, doch liest man den Initiativtext genau, dann weiss man, dass es um ein Verbot geht.»
Der Pyrotechniker kann einige Argumente nachvollziehen. Feuerwerke sollen beispielsweise nicht in der Natur gezündet werden. Was wolle man überhaupt im Wald damit?
Doch in der Stadt, findet Bär, sollte es möglich sein. Denn dort gebe es viel grössere Störquellen als gelegentliche Feuerwerke. «Sie gehören zu unserer Kultur und sind ein Ausdruck des Feierns. Schafft man sie ab, geht ein Stück Identität verloren.»