Ist in der Region bald ausgeböllert?
Feuerwerksverkauf zu Silvester
Knallteufel bringen Freude, aber auch Leid. Eine Initiative zur Einschränkung von lautem Feuerwerk ist lanciert. Wirkt sich diese auf den aktuellen Verkauf aus?
Wenn es ums Thema Feuerwerk geht, dann scheiden sich an Silvester die Geister. Die einen erfreuen sich an lauten Knallteufeln oder rauschenden Vulkanen im eigenen Garten, die anderen lassen sich gerne von gross organisierten Pyro-Shows über einem See verzaubern. Dritte empfinden Feuerwerk als störende Lärmemission, vor allem für Tiere, Kleinkinder oder für sensiblere Menschen.
Feuerwerk könnte eingeschränkt werden
Unklar ist, wie lange die Schweizerinnen und Schweizer Knallkörper noch geniessen dürfen – oder ertragen müssen. Denn am 3. November wurde die Volksinitiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk» eingereicht. Sie ist mit 137’000 Unterschriften formell zustande gekommen.
Wenn sie durchkommt, könnte es sein, dass in zwei Jahren in Gärten ausgeböllert ist: Feuerwerkskörper, die Lärm erzeugen, würden verboten werden. Private Konsumentinnen und Konsumenten dürften dann zum Beispiel keine Knallteufel mehr kaufen.
Mehrheit will Feuerwerksverbot
Mehr als drei Viertel der Schweizer Bevölkerung unterstützen die im Herbst eingereichte Initiative zur Einschränkung von Feuerwerk für Privatpersonen. Dies geht aus einer am Freitag vom Nachrichtenportal «Watson» veröffentlichten und in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage hervor.
Gemäss der Umfrage würden sich 76 Prozent für ein Verbot aussprechen. Nur 24 Prozent sind dagegen. Am deutlichsten sei die Zustimmung bei der grünen Wählerschaft. 92 Prozent seien für Einschränkungen bei Privaten. Bei den Bürgerlichen hat das Anliegen weniger Rückhalt. In den Reihen der FDP erhält es nur von 62 Prozent Zuspruch. (sda/lel)
Einige Tage vor Silvester sieht die Realität (noch) etwas anders aus. Im Jumbo in Hinwil steht wie jedes Jahr ein Spezialzelt mit einer grossen Auswahl an Knallkörpern in allen Grössen und Lautstärken. Um 11 Uhr sind vier Familien vor Ort, welche die Auswahl bestaunen.
Der Handel mit den Böllern sei dieses Jahr gut angelaufen, sagt Liliana Mastrovito, die sich im Zelt um die Beratung kümmert. In der Regel machten die Leute zwischen 40 und 150 Franken für Feuerwerk locker.


«Im Winter läuft es sogar besser als am 1. August», sagt sie. Es hätten bis jetzt jeden Tag sicher 150 Menschen den Weg ins Feuerwerkszelt gefunden. «Meistens sind es die Väter, die sich mit den Kindern um Knallkörper kümmern», sagt die Verkaufsberaterin.
Den ganzen Tag etwas anzünden
Markus Schätti ist mit seinem Sohn Pascal Nösberger unterwegs. Er hat für 40 Franken eine Familienpackung mit unterschiedlichem Feuerwerk in der Tüte. «Knallteufel für tagsüber, und wenn es dunkel wird, zünde ich dann die Pyro-Wirbel an», sagt der Elfjährige. Er mag es, wenn es kracht, aber auch, wenn es leuchtet. Sein Vater sagt, er würde für sich selber natürlich kein Feuerwerk mehr kaufen. Er verstehe die Bedenken der Hundehalter und Katzenfreundinnen. Dennoch frage er sich, ob man tatsächlich alles verbieten müsse.
Mastrovito erzählt, dass am Tag zuvor eine Tierliebhaberin vorbeigekommen sei und versucht habe, ihren Standpunkt darzulegen, dass die Tiere furchtbar unter dem Lärm litten. «Ich konnte ihr natürlich nicht viel sagen, ich mache hier einfach meinen Job», sagt sie.
Andere Kunstformen für Grossanlässe
Die Verkäuferin hat im letzten Sommer am Züri Fäscht eine alternative Lichtshow gesehen. Da haben 300 Drohnen über dem Zürichsee eine virtuelle Geschichte erzählt. «Diese Form könnte in Zukunft eine schöne Alternative bieten.» Vergleichen könne man sie aber nicht wirklich mit einem öffentlichen Feuerwerk. Zudem hätten nicht alle Familien die Möglichkeit, an ein grosses Fest zu fahren. «Die Jungen mögen es einfach, wenn es knallt», sagt sie.
Anders bei der Familie Bont, die nun im Feuerwerkszelt herumstöbert. Die Familienmitglieder haben Wunderkerzen und Vulkane in der Hand. Die zwölfjährige Tochter braucht keine lauten Knalleffekte.



Der Vater lächelt und sagt, eigentlich sei es sowieso eine Geldverschwendung. «Da könnte ich auch direkt ein Zehnernötli anzünden und in die Luft steigen lassen.» Dennoch habe auch er als Kind Freude am Pyro-Material gehabt. Das wolle er seinen Kindern jetzt nicht vorenthalten.
Ob der Verkauf nun besser läuft, weil unter Feuerwerksfreunden wegen der Volksinitiative nun eine Art Torschlusspanik herrscht? Das kann so nicht bestätigt werden. Renate Keller, die Geschäftsführerin von Feuerwerk und Pyrotechnik in Rikon, sagt: «Den meisten Kundinnen und Kunden ist es noch gar nicht bewusst, dass es in zwei oder drei Jahren zur Abstimmung kommt.»

Der Silvesterverkauf sei dieses Jahr im Tösstal gut gestartet. Keller kann aber noch keine Bilanz ziehen, ob im Jahr 2023 der Umsatz wegen der Initiative gestiegen ist. Sie und ihr Team hoffen jedoch, dass sie bei der Abstimmung abgelehnt wird. «Die Annahme der Volksinitiative könnte das Aus des Konsumentenfeuerwerks bedeuten.» Viele privat verwendeten Produkte würden dann nicht mehr erhältlich sein. Auch Grossfeuerwerke könnten voraussichtlich nur noch mit einer Sonderbewilligung stattfinden.
Grössere Shows in der Nähe
Am Pfäffikersee wird dieses Jahr zum ersten Mal ein leiseres Spektakel zu sehen sein: Im Vergleich zu einem gewöhnlichen Feuerwerk verursacht die neue Alternative weniger Lärm, Rauch und Abfall. Es wird zwar weniger laut und weniger hoch, dennoch wird eine echte Pyro-Show geboten.
Wer es dennoch klassischer mag und sich am goldenen Glimmer berauschen möchte, der kann für den Jahreswechsel auch nach Zürich zum Silvesterzauber fahren.
