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Gesellschaft

Ein Walder lässt in Todesfall ermitteln

Am See lauert der Tod. Und vom Zürcher Oberland aus macht sich ein Journalist auf die Tätersuche. Der Walder Martin Widmer präsentiert seinen zweiten Krimi.

Zu Beginn ist alles undeutlich, doch dann sorgt Martin Widmer in seinem jüngsten Krimi für klare Sicht: «Finsternis am Vierwaldstättersee» ist das jüngste Werk des Walder Autors.

Foto: Christian Brändli

Ein Walder lässt in Todesfall ermitteln

Neuer Krimi von Martin Widmer

Eine Kriminalpolizistin und ein Journalist klären ein Verbrechen auf. Arrangiert hat das ein Walder mit einer Vorliebe für feines Essen.

Für seinen Krimi-Erstling benötigte er sechs Jahre. Den zweiten hat er in zweieinhalb Jahren zu Papier gebracht. Wobei es auch hier mehrere Anläufe brauchte. Erst die dritte Fassung von «Finsternis am Vierwaldstättersee» hat Martin Widmer schliesslich gepasst.

Wie es sich für einen Krimi gehört, lässt der Walder Autor auch in seinem jüngsten Werk wieder sterben. Im Göscheneralpsee wird die Leiche eines vermissten Managers gefunden, der an einem umstrittenen Projekt für ein Luxusbaumhotel am Urnersee beteiligt war.

Eintauchen in Abgründe

Und wie beim Werk «Der Vermisste vom Vierwaldstättersee» müssen wieder die Kriminalpolizistin Rahel Reinhart und der Journalist Konrad Mattmann ran, um Licht ins Dunkel zu bringen. Doch diesmal leuchtet Widmer auch charakterliche Schwärze aus. «Ich wollte dem Opfer mehr Eigenleben geben.»

Der neuer Krimi von Martin Widmer aus Wald.
Licht und Schatten enthält das neuste Werk von Martin Widmer: «Finsternis am Vierwaldstättersee».

Herausgekommen ist eine toxische Persönlichkeit. «Er vergiftet das ganze Klima», lässt Widmer eine Figur im Roman erklären. «Ein Cocktail von Eigenschaften: charmant und überheblich, für Frauen nicht unattraktiv, aber gefährlich.» Und solche narzisstischen, machtbewussten Leute fänden sich häufig in Chefetagen.

Fehlende Empathie könne durchaus karrierefördernd sein, meint dazu Widmer. Das sei der Stoff, der ihn interessiere. Wenn er das bei Lesungen erkläre, gehe jeweils ein Raunen durchs Publikum.

Vom «Gyrenbad» zur Wolfsgrueb

Wie in seinem ersten Krimi begibt sich Widmer wieder auf eine kleine Tour de Suisse, wobei das Zürcher Oberland eine Konstante bildet. Er beschreibt die Orte des Geschehens jeweils genau. Erneut dabei sind Sternenberg, der historische Gasthof Gyrenbad ob Turbenthal, wo der Journalist absteigt, und die Wolfsgrueb ob Wald – «einfach, weil ich diesen Flurnamen so faszinierend finde», wie der 66-jährige Krimiautor anmerkt.

Diesmal macht Widmer in seinem Buch aber auch einen Abstecher nach Schweden, wo sein Protagonist lebt und wo sich das Treehotel Harads befindet. Dieses echte Luxusbaumhotel ist Vorbild für das im Roman beschriebene Projekt, das am Vierwaldstättersee entstehen soll.

Ein solches Baumhotel hätte in der Schweiz zwar kaum Realisierungschancen, weshalb Widmer es auch gewählt hat. Doch er hat sich inspirieren lassen von einem anderen Luxusprojekt, der am Urnersee geplanten «Marina» des Investors Samih Sawiris.

Recherche vor Ort

Alle Orte, die in seinem Buch vorkommen, hat Widmer persönlich besucht. Der studierte Historiker und Skandinavistiker hat drei Jahre in Schweden gewohnt und verbringt den Sommer noch heute jeweils im schwedischen Schärengarten. Irgendwann war er auch mal in jenem Treehotel – «und ich wusste, dass ich das mal irgendwo verbraten wollte».

Reiterstandbild von General Alexander Suworow auf dem Gotthard.
Für Krimiautor Martin Widmer war sofort klar, dass die Schlussszene seines neusten Buchs vor dem Reiterstandbild von General Alexander Suworow auf dem Gotthard spielen musste.

Für seinen zweiten Krimi besuchte er auch Andermatt, das sich insbesondere aufgrund des Wirkens Sawiris in den letzten Jahren stark gewandelt hat. Und erstmals fuhr er auch über den Gotthard. «Beim Anblick des Reiterstandbilds von Alexander Suworow wusste ich gleich, dass die Schlussszene meines Buchs dort oben stattfinden muss», erklärt Widmer.

Anleihen bei der eigenen Person

So genau er die Schauplätze in seinem Buch beschreibt, so fest betont er, dass die Handlungen und Personen in seinem Krimi frei erfunden sind. «Ich konstruiere meine Figuren aus verschiedenen Biografien.» Eine davon ist auch seine eigene. Der Hauptprotagonist ist Skandinavien-Korrespondent für «eine grosse Zürcher Zeitung». «Das wäre ich selbst gerne geworden», meint Widmer.

Und noch eine zweite Leidenschaft Widmers spiegelt sich in der Romanfigur Mattmann: seine Vorliebe für gutes Essen. Im Buch sind so viele – von Widmer selbst konsumierte – Menüs beschrieben, dass sie die Grundlage für ein Kochbuch hergäben.        

Noch bei einer zweiten Figur wich er vom Grundsatz ab, keine realen Personen zu benennen: dem Dammwärter Mattli auf der Göscheneralp. Er habe für diesen zunächst einen anderen Namen gewählt. Doch als er das dem Leiter des Kraftwerks gesagt habe, habe dieser gemeint, dass das nicht gehe. Sonst wäre die Figur völlig unglaubwürdig, denn dort oben hätten bisher alle Dammwärter Mattli geheissen. «So ist das die einzige authentische Figur im Krimi», schmunzelt Widmer.

Glaubwürdig muss es sein

Um seinen Figuren und deren Handlungen Glaubwürdigkeit zu verleihen, hat Widmer vor Ort jeweils von Fachpersonen Rat eingeholt. Besonders wichtig war die Begleitung durch den Forensiker und Rechtsmediziner Volker Dittmann.  

«Dieser Wechsel zwischen Wirklichkeit und Fiktion ist für mich spannend», erklärt Widmer, der lange als Co-Verleger bei einem Verlag für Kultur und Geschichte tätig war. «Als Historiker musste ich mehr auf Fussnoten schauen, als Krimiautor muss ich eher meine Phantasie zurückbinden.» Sein Ziel sei, das niemand sein Buch weglege, weil man zweifle, ob das überhaupt möglich sei.

Der Serientäter

Dies passiert dem Leser auch nicht. Bis zum Schluss hält Widmer den Spannungsbogen hoch. Für ihn selbst bot die Publikation seines ersten Krimis Spannung. «Ich wusste nicht, ob das Buch Erfolg hat und gekauft wird. Doch es lief erstaunlich gut.» So machte er sich ans zweite Werk.

Und wächst sich das Ganze zu einer Trilogie aus? Es sei noch nicht entschieden, wo er weitermache. Mit einem Sachbuch oder einem weiteren Krimi. Allerdings: «Ich schreibe gerne. Und das kann ich bei der Fiktion mehr ausleben.» So dürfte es nicht allzu lange gehen, bis der dritte Roman aus seiner Feder vorliegen wird. Wie sagt der Forensiker, der ihn berät: «Jeder gute Krimiautor ist ein Serientäter.»

Lesung in Greifensee

Mit seinem neuen Buch macht Martin Widmer auch im Oberland an verschiedenen Orten halt. Der nächste Stopp für eine Lesung ist am 24. Januar im «Gleis 1» am Bahnhof Nänikon-Greifensee. Ab 19.30 Uhr wird er dort zusammen mit dem Duo Klangheimlich auftreten. Nicht nur der Name des Duos, sondern auch dessen Stil passt zum Krimi. Die beiden Musiker Markus Landolt und Claude Hutter wohnen wie Widmer in der Region.

Der Kriminalroman «Finsternis am Vierwaldstättersee» von Martin Widmer ist im Emons Verlag erschienen und unter ISBN 978-3-7408-1867-8 erhältlich.

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