Nach Eklat um Pfarrerwahl schmeisst die Kirchenpflege den Bettel hin
Katholische Kirche Hombrechtikon
Seit Längerem gab es in der St.-Niklaus-Pfarrei in Hombrechtikon Differenzen zwischen Pfarrer und Kirchenpflege. Nun müssen Aufsichtsbehörden eingreifen.
Hinter den Kulissen schwelte der Konflikt in der Katholischen Pfarrei St. Niklaus in Hombrechtikon schon seit Monaten. Das wurde an der Kirchgemeindeversammlung vom 7. Dezember deutlich. Grund für den Zwist sind die «unterschiedlichen Auffassungen», die Pfarrer Narcisse Elenga und die Kirchenpflege in Bezug auf die Leitung der Pfarrei vertreten.
Diese Differenzen hätten die Zusammenarbeit seit geraumer Zeit erschwert, erklärte die Kirchenpflegepräsidentin den knapp 170 Anwesenden an jenem Abend. Knapp zwei Wochen später gab sie ihr Amt aufgrund der hohen Belastung ab. Auch alle anderen Mitglieder der Kirchenpflege haben ihren Rücktritt in der Zwischenzeit verkündet.
Zum Start des neuen Jahrs steht die Katholische Kirchgemeinde Hombrechtikon-Grüningen-Wolfhausen somit ohne Leitung da und ist nicht mehr handlungsfähig, wie das Onlineportal Goldküste24 zuerst berichtete. Von Gesetzes wegen wird nun die Aufsichtskommission des Synodalrats eingreifen müssen.
Keine Wahlempfehlung
An die Öffentlichkeit getragen wurde der Konflikt deshalb, weil die Kirchenpflege für die anstehende Wiederwahl des Pfarrers keine Wahlempfehlung ausgesprochen hatte. Das bedeutet, dass eine Bestätigungswahl an der Urne nötig wurde. Die Kirchenpflege begründete den Entschluss gemäss dem Protokoll der letzten Versammlung damit, dass aufgrund der «Differenzen bezüglich Führung und Zusammenarbeit» keine uneingeschränkte Empfehlung möglich sei.
Nach dem Ausbleiben der Wahlempfehlung kam es zu mehreren Gesprächen zwischen dem Generalvikariat, dem Rechtsdienst des Synodalrats und den beiden betroffenen Parteien. Thomas Boutellier, Informationsbeauftragter des Zürcher Generalvikariats, betont, dass stets das Finden einer gemeinsamen Lösung im Fokus gestanden sei. «Die seelsorgerische oder liturgische Tätigkeit des Pfarrers wurde nie infrage gestellt.»
Ende nach 23 Jahren
Mitte November teilte Pfarrer Elenga der Kirchenpflege dann jedoch mit, dass er nach 23 Jahren nicht mehr zur Wiederwahl antreten wolle. Die Pfarrei würde er somit per Ablauf seiner Amtsdauer im nächsten Sommer verlassen. Die Neuigkeit über den Wegzug des Pfarrers machte bereits im Vorfeld der Kirchgemeindeversammlung im Dorf die Runde: «Lasst uns zusammenkommen und unsere Unterstützung für Pfarrer Elenga ausdrücken», war etwa in den sozialen Medien zu lesen.

Obwohl zahlreiche Personen dem Aufruf folgten – im Vergleich zur letztjährigen Budgetversammlung der Pfarrei waren rund fünfmal so viele Stimmberechtigte anwesend –, waren die Würfel bereits gefallen. Pfarrer Elengas Entscheidung sei inzwischen definitiv, bestätigt Boutellier. Für eine Anfrage der Redaktion war Elenga nicht erreichbar.
Neuaufbau mit Unterstützung
Um als handlungsfähig zu gelten, müsste die Kirchenpflege mindestens drei Mitglieder umfassen. Da dies nicht der Fall ist, wird die Kirche zu Beginn des neuen Jahrs von einer externen Person verwaltet werden. «Wir haben dafür bereits jemanden gefunden, der viel Erfahrung mitbringt», sagt Boutellier und gibt sich zuversichtlich, dass der Neustart der St.-Niklaus-Pfarrei damit gelingen wird.
Die Person wird die Aufgaben der Kirchenpflege übernehmen müssen und gleichzeitig deren Neuwahl vorbereiten. Parallel dazu werde auch die Neubesetzung der Pfarreileitung in Angriff genommen.
