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Greifensee kündigt Mietern – wegen eines provisorischen Horts

Wenn in der Adventszeit plötzlich eine Kündigung vorliegt und der Grund ein vorübergehender ist.

Den Mietern des vorderen Hausteils wurde von der Gemeinde Greifensee gekündigt.

Foto: Eleanor Rutman

Greifensee kündigt Mietern – wegen eines provisorischen Horts

Rausschmiss wegen Sanierung

Die Gemeinde Greifensee suchte nach geeigneten Räumen, um die Kinder der Tagesstruktur vorübergehend zu beherbergen. Nun müssen langjährige Mieter ausziehen.

Wer in einer Wohnung einer Gemeindeliegenschaft lebt, muss offenbar damit rechnen, die Räumlichkeiten auch wieder verlassen zu müssen. So ist es dem Mieter André Steiner in Seegräben ergangen.

Ein ähnliches Schicksal erleben nun die Mieterinnen und Mieter der Liegenschaft Altes Städtlischulhaus mitten in der schmucken Altstadt von Greifensee. Sie haben in den letzten Tagen einen unschönen Adventsbrief der Gemeinde erhalten: eine Kündigung.

Die Mieterinnen und Mieter im Städtli 4 müssten demnach schon per Ende März 2024 ausziehen. Das betrifft ein Paar, das im oberen Stockwerk wohnt, und eine Logopädin, die im Erdgeschoss eine Praxis für Kinder im Vorschulalter betreibt.

Der Grund für die Kündigung in Greifensee ist nicht wie in Seegräben der Bedarf an Wohnungen für Geflüchtete, sondern derjenige an Raum für Schulkinder, die eine Tagesstruktur benötigen.

Da das Schulhaus Breiti saniert wird, suchte die Gemeinde neue Lösungen, wo sie die Kinder ausserhalb der Unterrichtszeiten betreuen kann. Denn für die Zeit des Umbaus soll der Hort vorübergehend ausgelagert werden. Die Sanierung der Klassenzimmer wird in Etappen durchgeführt, der normale Unterricht kann also weiterhin im Schulhaus stattfinden.

Das Schulhaus Breiti im Nebel.
Beim Schulhaus Breiti haben die Sanierungsarbeiten schon begonnen.

«Die Kinder der Tagesstruktur müssen provisorisch für einen Zeitraum von zwei Jahren woanders untergebracht werden können», sagt Gemeindeschreiber Philippe Sturzenegger. Es handle sich geschätzt um 100 Kinder.

Lisbeth Winkler-Dietrich wohnt in der Altstadt im Haus nebenan. Der Praxisraum der Logopädin im Alten Städtlischulhaus ist – wie es der Name schon sagt – tatsächlich eines der ältesten Schulzimmer gewesen, danach diente der Raum im Erdgeschoss auch einmal als Kindergarten.

Dieser ist jedoch geschlossen worden mit der Begründung, die Dorfstrasse sei zu gefährlich. Viele Sprösslinge müssten diese überqueren, um in den Kindergarten zu gelangen.

Winkler-Dietrich will ein Wort für die Mieterinnen und Mieter einlegen: «Ich verstehe nicht, warum die Gemeinde Greifensee langjährigen Mietern wegen eines Provisoriums kündigt.» Das Paar wohnt schon seit 27 Jahren in dem Haus.

Die Logopädin mit dem Praxisraum im Erdgeschoss möchte dazu momentan keine Angaben machen. Armin Lanz, der Mieter der oberen Wohnräume, sagt, sie hätten Einsprache erhoben und auch eine Fristerstreckung beantragt. «Wir schauen, dass wir erst mit der Gemeinde sprechen – und eine andere Lösung finden können.»

Auch der Gemeindeschreiber ist noch zurückhaltend: «Über die Vertragsinhalte und Modalitäten können wir keine Auskunft geben, hierzu werden aktuell Gespräche mit den Betroffenen gesucht und einvernehmliche Lösungen angestrebt.»

Wenig Spielraum

Sämtliche anderen gemeindeeigenen Räumlichkeiten seien geprüft und auch private und öffentliche Eigentümerinnen und Eigentümer angefragt worden, kann man im Bericht des Gemeinderats nachlesen.

Nur der Pavillon Müllerwis kann während der Umbauphase zusätzlich als Hortprovisorium genutzt werden. Dieser diente bis vor Kurzem auch schon als Provisorium für den Kindergarten Müllerwis. Ein anderer Teil des Hortbetriebs kann im ehemaligen Pfiffikus im Werkhofgebäude an der Tumigerstrasse untergebracht werden.

Jedoch reichen diese beiden Standorte laut Gemeinde für die geschätzt 100 Hortkinder noch nicht aus. Deswegen die Kündigungen.

Warum nutzt die Gemeinde für die Zeit der Sanierung kein Containerprovisorium? «Diese einzig mögliche Alternative hätte unverhältnismässig hohe Kosten verursacht und der Gemeindeversammlung vorgelegt werden müssen», steht im Bericht des Gemeinderats.

Was kostet eigentlich ein Provisorium?

Man könnte so ein Containerprovisorium auch mieten. Wer im Internet surft, stösst zum Beispiel bei der Firma Riedo Mobilbau auf solche Lösungen. Geht man von den durch die Kibesuisse vorgeschlagenen 5 Quadratmetern pro Schulkind aus, wären für 100 Sprösslinge 500 Quadratmeter nötig. Im Fall von Greifensee betrüge das 170 Quadratmeter, wenn die zwei anderen Standorte auch genutzt würden.

170 Quadratmeter würden somit 12 Container bedingen. Dort nachgefragt, wie tief man dafür in die Tasche greifen müsste, kommt man auf folgende Zahlen: Diese zu mieten, kostet laut Riedo Mobilbau über den Daumen gepeilt 36’000 Franken jährlich – für zwei Jahre 72’000 Franken. Damit wären der Transport der Container sowie die Treppen, der Zusatz von sanitären Einrichtungen und Anpassungen für Behinderte, wie breitere Türen und Rampen, noch nicht bezahlt.

Greifensee rechnet mit höherem Budget und mit 100 Schulkindern

Die Gemeinde Greifensee hat laut Gemeindeschreiber Philippe Sturzenegger eine Richtofferte von einem erfahrenen Anbieter eingeholt, welche Kosten von rund 500'000 Franken veranschlagt. Diese Offerte geht jedoch von einem Standort für das ganze Hortprovisorium aus – also für alle 100 Kinder und für zwei Jahre.

Dazu kämen Installationskosten für Wasser, Abwasser und Elektrik, die zusätzliche 100'000 Franken bedingen würden. Noch nicht enthalten in dieser Rechnung seien die Kosten für den Abbau der Container und den Rückbau der Infrastruktur.

Demgegenüber stünde der Mietertragsausfall bei der gemeindeeigenen Liegenschaft Altes Städtlischulhaus und beim Pavillon Müllerwis für zwei Jahre in Höhe von zirka 143’000 Franken.

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