Unachtsamkeit kann fatale Folgen haben
Ist Schweissen gefährlich?
In der Praxis zeigt sich, dass Schweissarbeiten den erfahrenen Profis überlassen werden sollten. Ohne das nötige Fachwissen kann es für Mensch und Umwelt gefährlich werden.
Schweissen darf grundsätzlich jedermann. Genau darin liegt gemäss Roman Rüttimann der Hund begraben. Der Inhaber und Geschäftsführer der Ernst Weber AG, Metallbau in Wetzikon ist davon überzeugt: «Fehlende Erfahrung, mangelndes Know-how und Unachtsamkeit sind ausschlaggebend für eine erhöhte Brandgefahr im Zusammenhang mit Schweissarbeiten.»
Gerade in kleineren Firmen, bei denen Schweissen nicht zum Kerngeschäft gehöre, sei die Gefahr ungleich höher. «Wenn in einer Hinterhofwerkstatt nur gelegentlich geschweisst wird, fehlt oft das nötige Hintergrundwissen», erklärt er.
Je grösser die Firma sei, desto umfangreicher seien die Sicherheitsauflagen. In einer professionellen Metallbaufirma wie der Ernst Weber AG mit rund 60 Mitarbeitenden ist ein Sicherheitsbeauftragter für die Überwachung der Schweissarbeiten zuständig. In der Werkstatt genauso wie auf den Baustellen.
Alle Fahrzeuge und die gesamte Produktionsstätte sind mit Feuerlöschgeräten und -decken ausgerüstet. Rüttimann sagt es ganz direkt: «Unsere Mitarbeiter halten sich an die von der Suva vorgegebenen Sicherheitsmassnahmen. Kommt es zu einem Brand, hat man sich nicht an die Regeln gehalten – ganz einfach.»
Suva: Brandschutz beim Schweissen
– Schweisserlaubnis einholen
– Brennbare Materialien aus dem Gefahrenbereich entfernen
– Nicht entfernbare Materialien abdecken
– Decken- und Wanddurchführungen abdichten
– Wärmeleitende Teile kühlen
– Löschgeräte bereitstellen
– Brandgefährdete Arbeitsstellen überwachen
Seit der Corona-Pandemie liege Schweissen als «Do-it-yourself-Projekt» im Trend. «Viele Privatpersonen haben schon bei uns angefragt, ob wir ihnen einige Tricks zeigen könnten», sagt Roman Rüttimann. Das sei zwar besser, als wenn sich jemand im Grossverteiler ein Gerät kaufe und zu Hause im stillen Kämmerlein «herumpröbeln» würde. Er rät aber ganz klar, dieses metallverarbeitende Vorgehen den Profis zu überlassen.
«Bei der Ernst Weber AG legen bereits die Lernenden eine Schweissprüfung ab.» Das Schweissgerät bedienen dürften sie erst nach interner Schulung und unter Anleitung. «Ausserdem findet jährlich eine Prüfung aller Geräte statt», erklärt Rüttimann.
Sicherheit zahlt sich am Ende aus
All diese teils aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen würden die Brandgefahr auf ein Minimum reduzieren. «Sicherheit ist immer mit Kostenfolgen verbunden», resümiert er, «wird an Sicherheitsmassnahmen gespart, ist das sicher der falsche Ansatz.»
Gemäss Roman Rüttimann gibt es Dutzende Schweissverfahren. «Für Laien ist es schwierig abzuschätzen, welches Verfahren für welchen Zweck ideal ist.» Ausserdem gehe von diesem Handwerk eine hohe Personengefahr aus: «Die erheblichen Strommengen, der Funkenflug sowie Verbrennungsgefahren sollten nicht unterschätzt werden.»
Eine ausreichende Belüftung sei lebenswichtig, wenn in geschlossenen Räumen mit Schweissgeräten hantiert werde. «Verrichten wir Schweissarbeiten in geschlossenen Räumen oder gar in einem Tank, wird zusätzliches Fachwissen benötigt.» Solche Situationen könnten wegen Explosionsgefahr und Kohlendioxidvergiftung schnell tödlich enden. «Ohne entsprechende Vorkehrungen wie Belüftung und Einsatz von Beatmungsgeräten sind solche Schweissarbeiten nicht ausführbar», erzählt der Fachmann.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass vom Schweissen nicht grundsätzlich eine hohe Brandgefahr ausgeht. Es verhält sich vielmehr so wie in vielen anderen Tätigkeiten auch: Es kommt darauf an, wer das Gerät bedient und wie viel Fachwissen für den sicheren Umgang damit vorhanden ist.