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Die Gefahr lauert im Funkenflug

Durch Schweissarbeiten können Brände ausgelöst werden. Liegt das am Handwerk selbst, oder am Anwender?

Fliegende Funken können zur Gefahr werden, wenn man sich nicht an die geltenden Sicherheitsmassnahmen hält.

Foto: Karin Sigg

Die Gefahr lauert im Funkenflug

Ist Schweissen gefährlich?

Stehen Gebäude in Flammen, hört man immer mal wieder, dass Schweissarbeiten die Ursache eines Feuers waren. Ein Experte gibt Auskunft über mögliche Gefahren eines uralten Handwerks.

Im Juli 2023 stand eine Autowerkstatt an der Wetziker Motorenstrasse in Flammen. Der anfängliche Verdacht, dass der Brand bei Schweissarbeiten an einem Fahrzeug ausgebrochen sein dürfte, hat sich im Rahmen der weiteren Brandermittlungen der Kantonspolizei Zürich nun bestätigt.

Auch bei einem Mottbrand in einem Nebengebäude der Eishalle Wetzikon im Mai 2019 wurde die Ursache im Juli 2020 offiziell von der Kantonspolizei Zürich bestätigt: «Funkenwurf, der bei Schweissarbeiten verursacht worden war.» Der verantwortliche Metallbauer wurde wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

Kenneth Jones von der Kapo Zürich erzählt von einem anderen Fall, bei dem es erst einige Tage nach Schweissarbeiten zu einem Brand gekommen ist. Wie gefährlich ist diese über 3000 Jahre alte Methode zur dauerhaften Verbindung zwischen Metallen und anderen Materialien?

Kein anerkannter Beruf

In der Schweiz ist Schweisser kein eidgenössisch anerkannter Beruf. «Erwerbstätige in der Metallbranche können eine Weiterbildung zum Schweissfachmann ablegen», erklärt Peter Grämiger, «dabei geht es vorwiegend um das Qualitätsmanagement und die Sicherung rund ums Schweissen.»

Er leitet seit 23 Jahren Schmiede- und Schweisskurse für den Verband Schweizer Bildhauer und Steinmetze (VSBS) und beim Bildungszentrum der regionalen Fachverbände (LMB). Bei ihm erlernen Land- und Baumaschinenmechaniker das fachgerechte Schweissen genauso wie Mitarbeitende aus der Automobil-, Motorrad- und Velobranche.

«Grössere Metallbaufirmen verfügen über einen Sicherheitsbeauftragten, der für die Einhaltung der notwendigen Sicherheitsvorkehrungen rund um Schweissarbeiten verantwortlich ist», sagt Grämiger. Sie würden sich dabei nach den Richtlinien der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (EKAS) richten. Nach diesen Richtlinien geht auch die Brandermittlung vor, wie Kenneth Jones bestätigt.

Funken in Kombination mit brennbarem Material

«Die Gefahr des sogenannten Funkenflugs sollte nicht unterschätzt werden», weiss er aus langjähriger Erfahrung, «passen die Umstände, kann es schnell zu einem Brand kommen.»

Die beim Schweissen entstandenen Funken selbst würden zwar nicht lange heiss bleiben, «in Verbindung mit brennbarem Material jedoch können diese motten und auch noch nach Tagen zu einem Glimmbrand führen».

Am Beispiel einer Autowerkstatt zählt Peter Grämiger die möglichen Gefahrenquellen auf: «Eine Öl-Lache am Boden genauso wie Sägemehl, das zum Aufsaugen des Öls ausgestreut wurde, oder ein in Verdünner getunkter Lappen, der unachtsam liegen gelassen wurde.»

Allerdings können auch beim Schleifen, beispielsweise mit dem Winkelschleifer, sogenannte Schweissperlen entstehen. «Bei dieser Methode fliegen die Funken noch fünf- bis zehnmal weiter», so Grämiger. Ein flüssiger Metalltropfen könne gar über mehrere Stockwerke nach unten gelangen, sodass man seine «Wanderung» nicht einmal bemerken würde.

Man sieht Schleifkunst an Edelsteinen und Edelmetallen.
Auch beim Schleifen können heisse Funken herumfliegen und bei Unachtsamkeit einen Brand verursachen.

Nährböden für fliegende Funken gibt es auch in anderen Alltagsszenarien, angefangen bei herumliegendem Staub auf der Baustelle bis zum Stein, der am Messer der Weizen-Ballenpresse auf dem Feld Funken wirft. «Auf diese Weise sind schon häufig Ballenpressen verbrannt», erklärt Peter Grämiger.

Tipps aus der Praxis

Wie bei den meisten Unfällen auch sieht Peter Grämiger Unachtsamkeit als Hauptursache für Brände, die durch Schweissarbeiten verursacht wurden. Deshalb empfiehlt er folgende Praxistipps.

Nur in geschützter Umgebung arbeiten, das heisst: Alle brennbaren Materialien müssen weggeräumt werden (auch Staub). Wenn dies nicht möglich ist, unter anderem auf einer Baustelle:

– Den Ort und die Umgebung wahrnehmen, mögliche Gefahrenquellen erkennen und Sicherheitsvorkehrungen treffen, zum Beispiel spezielle Schweissdecken ausbreiten.

– Das eigene Bewusstsein schärfen: «Wo können die Funken, auch unbemerkt, hingelangen?

– Besondere Vorsicht ist kurz vor dem Wochenende oder dem Feierabend geboten, wenn niemand vor Ort ist, der einen Mottbrand frühzeitig bemerken könnte.

«Wer sich regelmässig mit Schweissarbeiten beschäftigt, ist sich der Risiken und der Verantwortung bewusst», ist sich Grämiger sicher, «ein Restrisiko besteht jedoch immer.»

Brand in Autowerkstatt in Wetzikon Anfang Juli 2023

Beim eingangs erwähnten Brand in der Autowerkstatt an der Wetziker Motorenstrasse ist laut Kantonspolizei Zürich das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft See/Oberland pendent.

Im Zuge der polizeilichen Ermittlungen nach dem Brand wurde vor Ort im gleichen Gebäude eine Indoor-Hanfanlage entdeckt. Der Besitzer der Hanfpflanzen konnte ermittelt werden. Gegen ihn hat die Staatsanwaltschaft See/Oberland eine Strafuntersuchung eröffnet. Der Besitzer der Hanfpflanzen steht in keinem Zusammenhang zur Autowerkstatt.

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