Oberland soll direkte Züge in die Höhe erhalten
Versuchsbetrieb gefordert
Eine alte Forderung neu verpackt: Die Vereinigung Pro Oberland regt Direktverbindungen zum Flughafen Zürich und nach Chur für den Sprung in die Berge an. Mindestens versuchsweise.
Der rührige Ustermer Verkehrsplaner Paul Stopper lässt nicht locker: Zwischen Chur und dem Flughafen Zürich soll eine direkte Bahnlinie geschaffen werden, in die auch das Oberland eingebunden wäre.
Über die von ihm gelenkte Vereinigung Pro Oberland moniert er, dass mit dem jüngsten Fahrplanwechsel vom 10. Dezember das Zürcher Oberland, «was den nationalen Verkehr betrifft, einmal mehr vergessen gegangen ist».
Fahren statt warten
Und er hat auch gleich einen Vorschlag, wie das geändert werden könnte: mit einer umsteigefreien Bahnverbindung Zürich HB–Oerlikon–Flughafen Zürich–Effretikon–Pfäffikon ZH–Wetzikon–Rüti–Rapperswil/Pfäffikon SZ–Ziegelbrücke–Landquart–Chur. «Mit einer solchen Streckenführung können das Oberland und das Linthgebiet in ein durchgehendes und attraktives Bahnangebot eingebunden werden», hält Stopper fest.
Und er hat auch schon den Zug dafür: Heute wende in Bassersdorf stündlich die IR-36-Komposition Basel–Flughafen Zürich, weil sie dies im Flughafenbahnhof nicht könne. «Die Wendezeit von jeweils 52 Minuten soll durch Weiterfahrt in Fahrtzeit umgewandelt werden», fordert er.
Doppelspur solls möglich machen
Auf den Fahrplanwechsel 2023/2024 hin ist nach jahrzehntelanger Verzögerung die Doppelspur Schmerikon–Uznach in Betrieb genommen worden. Diese Kapazitätserweiterung bringe eine spürbare Verbesserung für den Regionalverkehr und für die Verbindung Rapperswil–St. Gallen (Voralpen-Express), hält der Verkehrsplaner fest. Er ist überzeugt, dass diese neue Doppelspur nun eben auch für die umsteigefreie Verbindung Flughafen–Chur benützt werden sollte.
Das Marktpotenzial für Interregio-Verbindungen Zürich–Chur via das Zürcher Oberland schätzt Stopper als «enorm» ein. Werde dieses Potenzial nicht durch die Bahn abgeholt, werde weiterhin aufs Auto gesetzt, wodurch die Strassen verstopft würden.
«Ein nicht unbeträchtlicher Teil des Strassenverkehrs im Zürcher Oberland rührt daher, dass der überregionale Bahnverkehr schlicht und einfach unbrauchbar ist. Der Umweg über Zürich HB ist auch ziemlich mühsam und wieder mit zahlreichen Umstiegen verbunden. Für in die Ferien reisende Familien mit Gepäck und Kindern ist das schlicht eine Zumutung», findet der Ustermer.
Direktzüge bereits ab Mitte 2024?
Pro Oberland ruft nun die Bahnverantwortlichen und die Politik dazu auf, sich für einen Versuchsbetrieb von täglich einigen umsteigefreien Verbindungen auf dieser Strecke zwischen Zürich HB und Chur via Oberland einzusetzen. Dies könnte bereits auf Sommer 2024 erfolgen, ist Stopper überzeugt, zumal das nötige Zugmaterial und das Personal zur Verfügung stünden.
Der alte Wunsch
An dieser Stelle verweist Stopper mit seiner Vereinigung Pro Oberland auf seine jahrzehntealte Forderung nach dem Neubau einer Bahnschlaufe zwischen Rüti und Schmerikon. Mit dieser «relativ kurzen und finanzierbaren Verbindung» könne die umsteigefreie Verbindung ohne Spitzkehre in Rapperswil angeboten werden. Daraus resultiere auch eine markante Fahrtzeitverkürzung von heute 20 auf vielleicht noch 5 oder 6 Minuten.
Mit einem solchen Lückenschluss zwischen Rüti und Schmerikon entstehe eine Ausweichroute. «Die Verbindungsschlaufe ist für die SBB somit auch betrieblich im Hinblick auf die Redundanz des Bahnnetzes im ganzen Raum Zürich ausserordentlich wichtig», findet Stopper.
Ob er diesmal mit seiner Forderung gehört wird, muss allerdings angesichts der diversen vergeblichen Anläufe bezweifelt werden.
