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Wald erhält ein Klinik-Pentagon

Nachdem die Frist für Einsprachen ungenutzt abgelaufen ist, werden die Klinik-Verantwortlichen nächste Woche das Baugesuch einreichen.

Die neue Reha-Klinik auf dem Faltigberg ob Wald erhält die Form eines geschwungenen Fünfecks.

Visualisierung: PD

Wald erhält ein Klinik-Pentagon

Baueingabe für Reha-Neubau

Im nächsten Sommer sollen auf dem Faltigberg oberhalb von Wald die Bagger auffahren. Ein fünfeckiger Bau wird die einstige Höhenklinik ersetzen.

Nach der jahrelangen Ungewissheit, ob und wie der Klinikbetrieb auf dem Faltigberg ob Wald weitergeht, ist es in den letzten Monaten nun plötzlich sehr schnell gegangen: Aufnahme der Klinik in die neue Spitalliste, Fusion der Zürcher Reha-Zentren mit den Kliniken Valens, Vorantrieb des Neubauprojekts und nun am Mittwoch ein bewilligter Gestaltungsplan ohne Einsprachen.

Wichtige Arbeitsplätze

«Die einen Schritte waren für uns schwieriger, die anderen weniger. Heute aber haben wir ein ganz gutes Zeichen», sagte Walds Gemeindepräsident Ernst Kocher (SVP) an einer Informationsveranstaltung.

Vier Männer hinter dem Modell der neuen Reha-Klinik Wald.
An der Info-Veranstaltung sprachen (von links) Markus Gautschi, Klinikdirektor Wald, Andreas Mühlemann, Vizepräsident Stiftungsrat Kliniken Valens, Ernst Kocher, Gemeindepräsident Wald, sowie Till Hornung, CEO Gruppe Kliniken Valens.

Gemäss einer Umfrage sei der Erhalt von Arbeitsplätzen der Bevölkerung ein wichtiges Anliegen. «Die Reha-Klinik ist unser wichtigster Arbeitgeber», meinte Kocher vor den gut 100 Zuhörern. Indem nun diese wichtige Hürde genommen sei, blieben auch die 400 Arbeitsplätze erhalten.

Baustart im August 2024

Nachdem die Frist für Einsprachen gegen den Gestaltungsplan ungenutzt abgelaufen ist, werden die Klinikverantwortlichen nächste Woche das Baugesuch bei der Gemeinde einreichen und die Bauprofile aufstellen lassen.

Der Baustart ist laut Andreas Mühlemann, dem Vizepräsidenten des Stiftungsrats der neuen Gruppe Kliniken Valens, auf August 2024 terminiert. Wenn alles planmässig verläuft, wird der Neubau Ende 2026 bezogen werden.

Auch Mühlemann erinnerte an die «mühsame strategische Ausrichtung» der Zürcher Reha-Zentren. Rehabilitationsangebote müssten zwar meist in Zentrumsnähe gebaut werden. Ebenso wichtig seien aber auch weiterhin dezentrale Standorte.

Ein «Leuchtturmprojekt»

Dies unterstrich Till Hornung, CEO der neuen Valens-Gruppe. Solche dezentralen Standorte würden mit ihrer Umgebung punkten. «Hier in Wald gehört die schöne Landschaft zum Konzept. Das ist ein Leuchtturmprojekt, denn so schöne Standorte sind eine Seltenheit.» Und Hornung ist überzeugt, dass die neue Klinik Patienten von weit her anziehen wird.

Wie die neue Klinik genau heissen wird, ist laut Mühlemann noch offen. Der Name dürfte aber irgendwo auf der Linie von Sanatorium, Heilstätte, Höhenklinik oder wie jetzt Reha-Zentrum liegen.

Ist der Name auch noch offen, so ist doch klar, was jetzt gebaut wird. Dabei wurde gerade in der Zeit seit der Fusion der Zürcher Reha-Zentren mit den Kliniken Valens im August noch einiges geändert. So ist die Bettenzahl von 120 auf 152 erhöht worden. Zudem werden die Therapieflächen vergrössert.

Auf einer Kuppe westlich der heutigen Klinik wird der knapp 25 Meter hohe fünfeckige Neubau entstehen. «Wir wollten kein strenges, regelmässiges Fünfeck wie das US-Pentagon», meinte Architekt Lukas Zumsteg. Das Pentagon auf dem Faltigberg verfüge über geschwungene, ungleich lange Seiten.

«Ein Fünfeck hat den Vorteil, dass vier Seiten auf gute Lagen ausgerichtet werden. Die fünfte wird möglichst schmal gehalten», erklärte Zumsteg. Diese Gestaltung bringe auch den Vorteil von kurzen Wegen. Korridore wird es kaum geben.

120 Zimmer

In einem zweigeschossigen «Piano Nobile» ist das Therapie- und Diagnostikzentrum – ein Therapiebad wird es nicht mehr geben – angeordnet. Dieses ist mit der zentralen Halle samt Restaurant im Erdgeschoss verbunden. Über den Nobile-Geschossen liegen die vier Bettengeschosse mit 120 Zimmern. Jedes wird über einen eigenen Balkon verfügen. «Das haben wir vom Konzept der ehemaligen Lungenklinik kopiert, wo die frische Luft ein wichtiger Bestandteil ist», hielt der Architekt fest.

Die Zimmer gruppieren sich um einen offenen Lichthof und zwei Treppenhäuser. Sie liegen alle an den vier Schenkeln mit Aussicht. Beim fünften Schenkel liegen die stationsinternen Räume fürs Personal. Die ganze Technik sowie der Warenumschlag sind in zwei Untergeschossen platziert.  

Umgebung soll Parkcharakter erhalten

«Für die Therapie ist auch die Landschaft ein wesentlicher Faktor», betonte Zumsteg. Rundwege werden in die Gegend eingebunden und ans Wandernetz angeschlossen. Auch das Aussenrestaurant wird optisch in die Umgebung eingebettet. Dazu soll die naturnahe Umgebungsgestaltung den Parkcharakter des Orts betonen. Gepflanzt werden Tannen und Feldahorn.

Kosten von fast 80 Millionen Franken

Wie Stiftungsrätin Cornelia Deragisch festhielt, verbleibt das ganze Areal in der Landwirtschaftszone. Mit dem Gestaltungsplan komme das Gebiet aber einer Bauzone gleich. Sie rechnete auch vor, was die Neugestaltung auf dem Faltigberg kostet. Für das Fünfeck werden 74 Millionen Franken veranschlagt. Für den Abbruch des heutigen Klinikgebäudes, der nach Fertigstellung des Neubaus erfolgen wird, sind 3,5 Millionen Franken veranschlagt. Hinzu kommen noch Aufwendungen für medizinische Geräte und das Mobiliar.

Kritik von Anwohnern

Vom Publikum wurde das Vorhaben gut aufgenommen. Kritische Stimmen kamen von einigen Anwohnern, die die schmale Zufahrt, vor allem aber den Neubau ins Visier nahmen. «Das da oben wird tatsächlich ein Leuchtturmprojekt, denn es wird uns nachts anleuchten», meinte einer und monierte, dass sich ein solcher «riesiger Klotz» nicht rücksichtsvoll ins Gelände einbette.

Dem hielt Mühlemann entgegen, dass eine Klinik in dieser Grösse tatsächlich nicht einfach ein Chalet sei, sondern ein gewisses Volumen habe. «Entscheidend ist aber, dass der Fussabdruck der neuen Klinik kleiner als derjenige der heutigen sein wird.» Die Alternative zu diesem Neubau wäre eine Nulllösung, aber das sei schlicht keine Option.

Deragisch doppelte hier nach und unterstrich, dass viel Sorgfalt für die Positionierung des Neubaus aufgewendet worden sei. «Verschwinden wird ein solcher Bau aber optisch nie.» Der Bau verfüge über eine gute Architektur, was vom Publikum mit Applaus quittiert wurde.

«Schwesternsilo» schützenswert?

Verwunderung gab es im Publikum darüber, weshalb das ehemalige «Schwesternsilo» mitten im Wald bestehen bleiben soll. Das Gebäude sei baufällig und nicht mehr bewohnbar. Dazu meinte Klinikdirektor Markus Gautschi, dass der Kanton dieses Gebäude allenfalls als schützenswert einstufe. Sie benötigten diesen Trakt nicht mehr. «Wir möchten den auch am liebsten abreissen», schob Mühlemann nach.    

Die neue Gruppe Kliniken Valens

Seit einigen Monaten sind die Zürcher Reha-Zentren und die Kliniken Valens in einer Gruppe zusammengefasst. Diese verfügt über zwölf Standorte in den Kantonen Zürich, St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Graubünden. Dort werden acht Fachbereiche abgedeckt. Jährlich erhalten dort rund 10'000 Patienten eine ganzheitliche Rehabilitation.   

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