«Ritterschlag» für Fotograf aus Dürnten
Neue Briefmarken vom Pfäffikersee
Ab 2024 sind Briefmarken mit Naturmustern dauerhaft erhältlich. Einer der Fotografen ist Martin Stünzi aus Dürnten. Mit einem solchen Auftrag hätte er nicht gerechnet.
«Das ist wie ein Ritterschlag für mich», sagt Martin Stünzi stolz. Seit 50 Jahren ist er Fotograf und sucht seine Sujets in der europäischen Natur. Seine Makrofotografien, also detaillierte Nahaufnahmen, haben der Schweizerischen Post so gefallen, dass sie ihn um eine Zusammenarbeit für eine neue Briefmarkenserie bat.
Im Frühjahr habe sich die Post wie aus heiterem Himmel bei ihm gemeldet und bereits Motive auf seiner Künstlerseite ausgesucht. Stünzi war überrascht.
Er unterbreitete der Post 150 Fotografien zur Auswahl. Der 75-jährige Künstler hatte diese bereits in seinem Archiv, das etwa 120’000 bearbeitete Fotografien von ihm umfasst – bearbeitet heisst, dass allenfalls der Kontrast und die Sättigung angepasst wurden.
In einer Voruntersuchung wurden sie von der Post auf Kontrast und Farben getestet. Dann entschied sich die Post für sechs Fotografien, die ab Ende November als Dauerbriefmarken unter dem Thema «Naturmuster» erhältlich sind.






Ein biologisches Verständnis für die Kunst
Alle Sujets sind Makrofotografien von Motiven, die in der Natur zu finden sind. Diese nimmt er bei natürlichen Lichtverhältnissen mit viel Geduld auf. Spinnennetze, Baumrinden oder Pflanzenöl. Pflanzenöl?
«Das ist ein biologisches Phänomen, das ich am Pfäffikersee fotografiert habe», erklärt der Fotograf. Die Wasserminze ist eine Feuchtgebietspflanze, und deren Zellen enthalten ätherische Öle. Wenn man solche Pflanzen im Herbst mäht, was regelmässig passiert, dann läuft das Öl aus. Die kleinen Ölteppiche auf dem Wasser schimmern dann in bunten Farben, bevor sie von Bakterien abgebaut werden.



Nicht nur eine Kunstausbildung hat Stünzi absolviert, sondern auch ein Biologiestudium und war danach lange Zeit als Sekundarschullehrer tätig. «Ich habe dadurch ein Verständnis für biologische Zusammenhänge und Hintergründe», sagt er.
Der Wunsch nach der eigenen Briefmarke
«Ich wollte früher bereits eine Briefmarke gestalten», erinnert sich Stünzi. Er stammt aus einer grafischen Familie. Sein Vater betrieb eine Klischeeanstalt. Klischees sind Zink- oder Metallplatten, die für den Buch- oder Bilderdruck verwendet wurden.
Daraus entstand auch der Wunsch, sich grafisch auf einer Briefmarke zu verewigen. Dass dies mit seiner Fotografie geschehen würde, hätte er nicht erwartet.
