Ein Meer von Geschichten am Schreibstar-Galaabend
Schreibstar-Wettbewerb Jubiläum
Dieses Jahr drehte sich beim Schreibstar-Wettbewerb alles ums Thema Wasser. Flüssig erzählte Geschichten und sprudelnde Kreativität erfüllten den Galaabend, der schon zum zehnten Mal stattfand.

Allgegenwärtig in unseren Körpern und auf dem Planeten. Manchmal gefährlich, immer überlebenswichtig. Es kann uns das Fürchten lehren oder auch unsere schönsten Erinnerungen aufrufen. Wasser – es bewegt die gesamte Welt. So auch den Schreibstar-Wettbewerb 2023.
Von über 300 eingesandten Geschichten standen acht Finalistinnen und Finalisten im Rennen für die Platzierung auf dem Siegerpodest. In der Kategorie «Newcomer» traten drei Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 16 Jahren gegeneinander an. Bei der Kategorie der restlichen Autorinnen und Autoren wurde zwischen fünf Geschichten abgestimmt.
Heimat oder Science Fiction
Der Galaabend im Chesselhuus in Pfäffikon versprach schick zu werden: hier ein Fünfjähriger mit Fliege und Jacket, dort eine Seniorin mit glitzernden Accessoires. Der Wettbewerb fand schon zum zehnten Mal statt – ein guter Grund, sich herauszuputzen.

Bevor es mit den Geschichten losging, stimme das Publikum noch für das Thema des nächsten Wettbewerbs ab. Heimat oder Science Fiction?
Des Abends Moderator Giacinto in Albon erklärte amüsiert: «Heute dürfen Sie das Handy auf dem Tisch haben, denn Sie müssen mit der ‹SMS-App› abstimmen. Kennen Sie dieses überhaupt noch?» Das Publikum lachte und entschied sich: Heimat.
Junge Stimmen zu Cumuluswolken, Regen und Flüssen
Wenn Sprecher Marco Caduff zu den Geschichten ansetzte, dann wurde es im Saal ruhig. Das Publikum an den langen Tischen schaute gespannt auf die Bühne, wo im Hintergrund ein Waal vorbeischwamm. Caduffs sonore Stimme las vor: «Ich heisse Aqua 23 und bin ein Wassertropfen.»
Die Geschichte «Auf grosser Wasserreise» von Maurin Maser aus Uster illustrierte die Reise eines Wassertropfens, von der Cumuluswolke bis zum Meer. Mittendrin und faden gerade erzählt, wie Michael Kaspar als Jurymitglied kommentierte, überzeugt die abenteuerliche Narration des 14-jährigen Autors.
Niemand traut sich über den Tod zu reden.
Eva-Marie Müller, Jury-Mitglied
Caduff fuhr mit der nächsten Geschichte fort. Wo kommt eigentlich der Regen her? Luana Britt aus Volketswil schrieb davon in «Regens Heimat». Die Idee dafür kam der 12-Jährigen leicht: Sie liebe den Regen und könne gar nicht verstehen, wenn Menschen sich über Regenwetter aufregen würden.
«Wo die Flüsse enden, beginnt das Meer. Wie schön also, ist nur das Ende?», liest Caduff aus der letzten Geschichte der Kategorie: «Wo die Flüsse enden» von der 16-jährigen Samira Washington. Jury-Mitglied Eva-Marie Müller war begeistert: «Es gibt kaum jemand, der wagt, über das zu reden, was uns allen bevorsteht: den Tod. Samira schafft es, wunderbare Momente aufzufangen, die dem Ende des Lebens den Schrecken nehmen.» Mit ihrer mutigen Geschichte gewann Samira den Preis von 500 Franken und ist «Newcomer» 2023.

Über Ängste und unsichere Gewässer
Bei den Älteren wurde es etwas schwerer. Sie erzählten von Ängsten, vor der Furcht des Wassers oder deren Bedeutungen. Der Grat zwischen Freiheit und Gefangenschaft war schmal, wie in Caroline Seeger-Herter «Unsicheren Gewässer», die Wasser nicht nur bildlich, sondern auch literarisch gekonnt einsetzte.
Auch Helin Hatun setzte mit «Schiffsfahrt» ihre eigene Assoziation mit dem Zürichsee in eine neue Bedeutung: Das Limmatschiff wurde plötzlich zu einem furchterregenden Gefährt.
«Es ist wunderbar, meine eigene Geschichte so gut vorgelesen zu hören», meinte Hatun beeindruckt. Das Gleiche hatte auch Michael Bruni gesagt. Er hatte eine fabelhaft ehrliche Geschichte über Notlügen zum Nachwuchs geschrieben: «Die Suche nach dem Meeresgott». Auch dort konfrontierte die Macht des Wassers und beängstigte einen kleinen Jungen.

Caduffs Stimme machte die Geschichten einzigartig. Das fanden die Autorinnen, die Autoren und man sah es auch den Gästen an.
Poetisch und mit viel Witz
Aber es gab auch lustige Geschichten wie etwa «Flussbiegungen», die das Publikum bewegte – es lauschte gespannt und lachte heiter. Die Geschichte von Martin Bertschinger versetzte den Saal in die Vergangenheit. In die Zeit, als man noch die Schulbank drückte. Poetisch und mit viel Witz.
Dagmar Loser webte in ihrer Geschichte «Albert» das Wasser in die Jahreszeiten im Emmental ein. Das Publikum war nicht nur amüsiert, sondern auch gerührt – das Happy End erwärmte die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer, wie auch das der Jury.
Mit ihrer Geschichte, die sich nach ihrem Empfinden auch als Weihnachtsgeschichte verstehen könnte, hinterliess die Autorin einen bleibenden Eindruck. Überglücklich empfing sie das Preisgeld von 1500 Franken und ging somit als Siegerin der Kategorie ein.

Wenn die Kreativität los sprudelt
Fabelhaft, was sich alles aus einem Wort bilden kann. Die Geschichten waren witzig, rührend, geschickt eingefädelt und sprudelten nur so von Kreativität. Doch wie leben eigentlich «Nicht-Schreibende» ihre aus?
Die 50 besten Geschichten des diesjährigen Wettbewerbs sind im Buch «Schreibstar 2023» abgedruckt. Dieses können sie im ZO-Shop für 29 Franken erwerben. Im nächsten Jahr dreht es sich beim «Schreibstar 2024» rund um das Thema Heimat. Die Preise der Finalistinnen und Finalisten, so wie der Gewinnerinnen und Gewinner wurden von der Bank Avera gesponsert.
