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Einen Morgen lang im Einsatz mit den Helden des Winters

Unermüdlich im Einsatz für sichere, trockene Strassen: Unsere Redaktorin erlebte, was das Winterdienst-Team von Hinwil alles machen muss.

Wintereinbruch im Oberland: Die Winterdienstler hatten alle Hände voll zu tun.

Foto: Karin Sigg

Einen Morgen lang im Einsatz mit den Helden des Winters

Ganz ohne Rampenlicht

Am Wochenende versank das Oberland im ersten grossen Schnee. Redaktorin Karin Sigg begleitete den Unterhaltsdienst Hinwil frühmorgens bei seiner Arbeit.

Es ist kurz vor 4 Uhr, als ich am Samstagmorgen vom Läuten meines Handys unsanft aus dem Schlaf gerissen werde. Die Stimme am anderen Ende des Telefons hört sich für diese Zeit beneidenswert motiviert an. Sie gehört Stefan Hess, Einsatzleiter des Winterdiensts Hinwil. Und verkündet feierlich, dass ich in spätestens 30 Minuten beim Werkhof erwartet werde.

In weiser Voraussicht habe ich am Vorabend von der warmen Kleidung bis zur Kameraausrüstung alles bereitgelegt. In Rekordzeit stehe ich draussen vor meinem Auto, das erstmal vom Schnee freigeschaufelt werden will. So sind die 30 Minuten dann doch viel zu schnell vorbei. Für einen Einsatz bei der Feuerwehr wäre ich wohl zu langsam.

Erstmal Strassen freiräumen …

Auf dem Gemeindeparkplatz ist Stefan Hess schon bei der Arbeit. Mit dem Winterdienstfahrzeug hat er die Zufahrtsstrasse und die Verbindungswege freigeschaufelt. Ich setze mich auf den Beifahrersitz und staune erstmal: Die Frontschaufel ist mindestens so breit wie das Fahrzeug selbst. Wie man damit durch enge Durchfahrten und an geparkten Autos vorbeizirkeln kann, scheint mir ein Ding der Unmöglichkeit. «Da ist manchmal Millimeterarbeit gefragt», erzählt der Einsatzleiter schmunzelnd.

In den nächsten Stunden werde ich Zeuge, wie Hess den Pflug mit viel Geschick und Konzentration an Autos und Strassenhindernissen vorbeimanövriert. Der gelernte Gärtner war während zehn Jahren im Strassenbau als Baggerfahrer tätig. Das scheint ihm nun auch beim Schneepflügen zugutezukommen. Denn in den knapp zwei Jahren im Unterhaltsdienst konnte er noch nicht viel Erfahrung sammeln: «Im letzten Jahr gab es so wenig Schnee, dass wir nur zwei Einsätze hatten.»

Man sieht das Cockpit des Winterdienst-Fahrzeuges.
Der ehemalige Baggerfahrer fühlt sich auch im Cockpit des Winterdienstfahrzeugs wohl.

«Schön, dass es endlich mal richtig schneit.» Die Freude an der Arbeit steht Stefan Hess ins Gesicht geschrieben. Das Hin- und Herfugen der Schneemassen erinnert an das Baggerspielen im Sandkasten. Er lädt die riesigen Schneemassen so ab, dass sie möglichst wenigen Leuten im Weg sein sollen. Offenbar sorgt die Platzierung der Schneemaden immer wieder für Unmut in der Bevölkerung. «Freigeräumte Strassen und Trottoirs möchten alle, aber die Schneemaden möchte niemand», erklärt er.

Schliesslich trifft man sich zur Kaffeepause und Lagebesprechung im Werkhof. Nach und nach trudeln alle fünf Mitarbeiter ein. Yvan Ochsenbein, Leiter Unterhaltsdienste, sitzt vor dem Bildschirm und verfolgt aufmerksam die Wetterprognosen. «Uns erwartet noch eine Menge Arbeit», warnt er sein Team, «heute Nacht und morgen sorgen Minustemperaturen dafür, dass der Schnee hart wird.» Konkret heisse das, mit regelmässigem Salzen Schnee und Eis von den Fahrbahnen zu verbannen. Die angekündigten steigenden Temperaturen am Montag würden ihnen beim Erreichen ihres Ziels helfen: «So bekommen wir die Strassen trocken und haben gewonnen.»

Immer wieder wird Stefan Hess vom Läuten seines Telefons unterbrochen. «Das gehört zur Einsatzleitung dazu», meint er gequält lächelnd. Eine Doppelbelastung – vier Mitarbeiter teilen sich diese in einem wöchentlichen Turnus. «Die Verantwortung der Einsatzleitung ist gross», erklärt er, «man entscheidet selbständig, ob ein Ausrücken notwendig ist oder nicht.»

Der Vorteil der Doppelfunktion ist gemäss Ochsenbein, dass die Einsatzleitung immer an der Front dabei ist und den Bezug zur Praxis nicht verliert. Yvan Ochsenbein selbst ist seit Oktober 2022 bei der Gemeinde Hinwil als Leiter Unterhaltsdienste angestellt. Davor war er in derselben Funktion bei der Stadt Wetzikon.

… dann die Feinarbeiten

Gerade wird Hess darüber informiert, dass in Affeltrangen ein Baum über die Strasse geknickt ist. Die Stelle ist gesichert, doch der Baum muss möglichst rasch weg. So wird ein Zweier-Team für diese Arbeit eingeteilt.

Yvan Ochsenbein und Stefan Hess werden sich der Präparation der Bachtel-Schlittelbahn annehmen. Ein weiteres Team räumt eine Seitenstrasse frei, die frühmorgens nicht zugänglich war. Ein geparktes Auto stand zu weit in der Strasse, sodass der Schneepflug nicht daran vorbeikommen konnte.

«Danach heisst es Schaufeln», ermuntert Ochsenbein sein Team. Die Übergänge von den Trottoirs auf die Fussgängerstreifen müssen freigeräumt werden: «Für unsere Motorfräsen ist der Schnee aktuell zu nass und damit zu schwer», erklärt er. So würde mehr Zeit für das Entstopfen der Maschinen benötigt, als wenn man per Muskelkraft schaufeln würde.

Ich schliesse mich dem Team an, das sich um den Baum und anschliessend um die Fussgängerstreifen Hinwils kümmert. Der Baum entpuppt sich als «Bäumchen» und ist im Nu zersägt und weggeräumt. Also gehts an die Mission «Sicherheit für Fussgänger». Mit Schaufel, Mütze und Sicherheitsjacke ausgerüstet, helfe ich tatkräftig beim Schaufeln mit.

Etwa nach dem vierten Zebrastreifen brennen die Oberarme, der Rücken zwickt, die erste Blase macht sich an der Hand bemerkbar. Erst jetzt merke ich, wie viele Fussgängerstreifen es in diesem Dorf gibt. Meine beiden Teamkollegen schaufeln fröhlich weiter. Weichen einigen vorbeirasenden Autos aus oder eskortieren eine betagte Dame, die mit ihrem Rollator vom Trottoir abgekommen ist.

Einige Passanten bedanken sich beim Vorbeigehen für das Freiräumen. Dazwischen hagelt es auch immer wieder harsche Kritik von Dorfbewohnern. Sie alle scheinen besser Bescheid zu wissen, als die Profis vom Winterdienst. Luca und Ernst lassen sich nicht beirren: «Man darf das nicht zu persönlich nehmen.» Sie freuen sich indes auf ihre Mittagspause im warmen Zuhause und eine heisse Schoggi.

Die beiden sind zufrieden mit unserem Werk – Hinwils Fussgänger können wieder gefahrlos die Strassen überqueren. «Wenn es so weiterschneit, fangen wir in ein paar Stunden wieder von vorne an.» Kaum hat er das gesagt, fährt ein grosses Räumfahrzeug vom Kanton vorüber und schiebt die Schneemaden von der Kantonsstrasse wieder auf die Trottoirs. «Oder auch schon früher.»

Im Werkhof trifft man sich erneut zur Lagebesprechung. Es wird schnell klar, dass sich die Winterdienstler nur eine kurze Mittagspause gönnen, um dann nochmals einige Stunden Einsatz zu leisten. Auch der Sonntag wird alle Mitarbeiter einige Stunden fordern. Trotzdem sind sich die Männer am Tisch einig, dass die Schneeräumung zu ihren liebsten Tätigkeiten gehört.

Man sieht fünf Männer vor einem Winterdienst-Fahrzeug.
Die «Winterhelden» mit einem ihrer drei Winterdienstfahrzeugen.

Ich fahre über die schwarzgeräumte Strasse nach Hause. Beeindruckt vom Engagement und der ungebrochenen Motivation der Hinwiler Winterdienstler. Die ihre Mission ganz ohne Aufsehen und Applaus erfüllen. Für mich sind sie die Helden des Winters.

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