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Bevor etwas passiert – das Dialogteam im Einsatz

Das Team der Stadtpolizei Uster soll dabei helfen, einen friedlichen Markt für alle zu schaffen. Wir haben es einen Abend lang begleitet.

Das Dialogteam soll am Uster Märt helfen, dass es allen gut geht: Der Dialog mit der Bevölkerung ist ein präventives Instrument.

Foto: Christian Merz

Bevor etwas passiert – das Dialogteam im Einsatz

Uster Märt 2023

Präsenz zeigen, ins Gespräch kommen. Das Dialogteam der Stadtpolizei unterstützt dabei, einen friedlichen Uster Märt für alle zu schaffen.

Es ist halb sechs, als sich das Dialogteam der Stadtpolizei Uster auf den Weg zum Gelände des Uster Märt macht. Neben der gewöhnlichen Polizeiuniform tragen die beiden Beamtinnen gelb leuchtende Westen. Tabea Schmid und Corinna Widmer freuen sich trotz nassem Wetter auf ihren Einsatz – denn dieser unterscheidet sich von ihrem täglichen Job als Polizistinnen.

«Natürlich sind wir Polizistinnen – aber heute sind wir in einer anderen Rolle hier, haben eine andere Funktion», erklärt Tabea Schmid. Das Dialogteam soll am grössten Markt des Kantons dabei unterstützen, dass die Stimmung durchwegs gut ist – und das auch zu später Stunde, wenn vielleicht etwas mehr Alkohol fliesst.

Dafür werden zwei Teams mit je zwei Polizisten und Polizistinnen eingesetzt, die am Markt ihre Runden drehen: Sie kommen ins Gespräch mit Besucherinnen und Besuchern, helfen bei Fragen und Unklarheiten, halten die Augen nach brenzligen Situationen offen, zeigen Präsenz.

Dialogteam der Stadtpolizei Uster am Ustermärt 2023
Dank der gelben Weste sind die Polizisten des Dialogteams gut erkennbar – und werden laufend angesprochen.

«Dank der gelben Weste sind wir nahbarer. Die Menschen erkennen direkt, dass wir heute nicht in der herkömmlichen Rolle der Polizei unterwegs sind, sondern ausschliesslich auf Dialog und Prävention setzen», sagt Widmer. Sie arbeitet normalerweise bei der Stadtpolizei in Winterthur, an diesem Donnerstagabend ist sie als Teil des Dialogteams am Uster Märt – und das zum ersten Mal. Dafür unterstützt die Ustermer Polizei das Team am Albanifest in Winterthur. Man hilft sich gegenseitig aus.

Ein präventives Instrument

Das Dialogteam gibt es in Uster seit anderthalb Jahren. Es ist ein Gefäss, das gerade an so grossen Festen und Veranstaltungen wie dem Uster Märt helfen soll, dass sich alle sicher, aber nicht eingeschränkt fühlen. Im Gegensatz zu einem normalen Polizeieinsatz geht es beim Dialogteam nicht darum, einzugreifen – vielmehr soll es ein präventives Instrument sein.

«Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen, bevor etwas passiert oder sich jemand unwohl fühlt», sagt Schmid. Aus Erfahrung weiss sie, wo es in der Innenstadt Hotspots für Gruppierungen gibt – und je später die Stunde, desto höher wird das Potenzial, dass es zu Ausschreitungen kommt.

«Wenn es aber wirklich brenzlig wird, rufen wir direkt Verstärkung. Und im Notfall ziehe ich die gelbe Weste aus und bin dann als Polizistin im Einsatz», erklärt Schmid. Sie geniesst die Abwechslung vom normalen Polizeidienst, hat Freude, Teil des Dialogteams zu sein.

Der Einsatz ist freiwillig, denn in diese andere Rolle zu schlüpfen, das müsse einem liegen. «Nicht alle Polizisten und Polizistinnen wollen das – und das kann ich auch verstehen», erzählt Widmer. Ihr mache der Einsatz im Dialogteam Spass. Sie mag die Nähe zur Bevölkerung, das Plaudern mit Passanten. «Es ist einfach ein cooles Instrument, um mit den Bürgerinnen und Bürgern zu interagieren, in Kontakt zu kommen, die Stimmung zu spüren.»

Locker bleiben, sichtbar sein

Und so ist es: Kaum sind die beiden auf dem Gelände des Markts unterwegs, kommen hie und da Besucherinnen und Besucher auf sie zu, fangen ein lockeres Gespräch an, stellen Fragen, äussern Kritik, tun ihrer Meinung kund. «Bitte gib dem Auto mit Nummernschild XY keine Busse!», scherzt einer von ihnen. Dass er die beiden duzt, stört sie nicht. «Das ist ein Teil von dieser Funktion – locker bleiben», sagt Schmid. Als Polizistin im Einsatz hätte sie das vielleicht mehr gestört.

Dialogteam der Stadtpolizei Uster am Ustermärt 2023
Aufgrund des kühlen und feuchten Wetters erwarteten Tabea Schmid und Corinna Widmer einen eher ruhigen Märt.

Aufgrund des kühlen und nassen Wetters ist es am Markt vergleichsweise ruhig. Und so haben Tabea Schmid und Corinna Widmer Zeit, auch länger zu verweilen und gemütlich über das Marktgelände zu schlendern. Auf der Zentralstrasse treffen sie auf das zweite Dialogteam. Es wird kurz geredet, dann geht die Runde weiter – zwischen Marktständen und Chilbi-Bahnen spazieren die beiden durch die Menge.

Wirklich brenzlig wurde es laut Schmid im Einsatz als Dialogteam noch nie. Aber wer weiss, vielleicht gerade weil das Dialogteam vor Ort war und Präsenz gezeigt hat: «Da sein ist oft schon die halbe Miete», sagt sie. Gerade bei Ansammlungen von Jugendlichen helfe es oft schon, einfach mal vorbeizugehen, sie zu grüssen – und damit klarzumachen, dass man sie wahrnimmt.

Ihr Einsatz dauert an diesem Abend bis kurz nach Mitternacht, dann übernehmen Uniformpolizisten in ihrer bekannten Funktion: Erfahrungsgemäss kehre die Stimmung nach 24 Uhr, da sei das Instrument des Dialogteams nicht mehr das richtige. Für den früheren Abend jedoch ist der Einsatz des Dialogteams die richtige Wahl für einen friedlichen und fröhlichen Markt. Und darum geht es letztlich, eine gute Zeit für alle.

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