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Er sorgt mit Schneepflug und «Spaghettiwasser» für sichere Strassen

Er ist bereits morgens um 3 Uhr bereit - Sascha Gonser rückt zur Schneeräumung aus, wenn Illnau-Effretikon noch schläft.

Sascha Gonser rückt auch zur Schneeräumung aus, wenn Illnau-Effretikon noch schläft.

Foto: Marc Dahinden

Er sorgt mit Schneepflug und «Spaghettiwasser» für sichere Strassen

Winterdienst in Illnau-Effretikon

Nachts um drei entscheidet sich jeweils, ob Werkhofchef Sascha Gonser und seine Mitarbeiter zur Glättebekämpfung ausrücken. Setzt der Schneefall kurz vor dem Morgenverkehr ein, erhält er auch mal böse Anrufe.

«Der Wintereinbruch macht die Leute närrisch», sagt Sascha Gonser, «ganz so, als hätten sie noch nie etwas von Schnee- und Eisglätte gehört.» Er muss es wissen: Als Leiter Unterhaltsbetriebe verantwortet er seit 19 Jahren, dass die rund 100 Kilometer Gemeindestrassen und 30 Kilometer Trottoirs von Illnau-Effretikon jeweils möglichst rasch von Schnee und Eis geräumt werden.

Anders als bei Kantonsstrassen und Autobahnen gilt für die Gemeindestrassen keine 24-Stunden-Räumpflicht. Fängt es nachts zu schneien oder zu gefrieren an, dann tickt aber auch bei Sascha Gonser die Uhr. «Die Leute möchten zur Arbeit gehen können, ohne sich das Genick zu brechen», bringt er es auf den Punkt. Möglichst kein Glatteis auf den Trottoirs und Hauptstrassen, lautet die Devise. «Vor allem aber muss der ÖV rundlaufen, gerade zu den Hauptverkehrszeiten.»

Kanton gibt den Startschuss

Bei Glättegefahr schickt der Kanton dem jeweiligen Einsatzleiter in Illnau-Effretikon morgens um drei eine Meldung aufs Handy. «Dieser entscheidet dann, mit wie viel Maschinen- und Manpower er ausrückt», sagt Sascha Gonser. Es könne gut sein, dass in Kyburg bereits gesalzen werden müsse, während in Effretikon noch Plusgrade herrschten. «Da macht es keinen Sinn, alle aus dem Bett zu klingeln.»

Alle, das sind neben den zehn Unterhaltsmitarbeitern der Stadt ein knappes Dutzend  ortsansässiger Landwirte und Gartenbauern, die auf Abruf mit ihrem eigenen Equipment ausrücken. Dafür erhalten sie eine Bereitstellungsentschädigung. «Das ist für die Stadt immer noch günstiger, und vor allem haben wir so genügend Ressourcen, wenn es darauf ankommt.»

Salzsole statt Streusalz

Die Stadt Illnau-Effretikon setzt im Winterdienst seit acht Jahren vermehrt Sole statt Streusalz ein. Sole besteht zu rund einem Viertel aus Natriumchlorid, also Kochsalz, der Rest ist Wasser. Während von einem üblichen Salzstreuer pro Quadratmeter sechs Gramm Salz gestreut werden, braucht es bei der Sole effektiv nur drei Gramm Salz pro Quadratmeter. Das senkt die Kosten und schont die Umwelt.

Sole kommt vor allem präventiv bei Glatteisgefahr und Reif oder leichtem Schneefall zum Einsatz. Wird das Salzwasser zu stark verdünnt, wird es wirkungslos. Bei Temperaturen unter 4 Grad minus ist sein Einsatz ebenfalls nicht mehr ratsam. Bei Temperaturen unter minus 15 Grad reduziert sich auch die Wirkung von Streusalz stark. 

Glätte bekämpfe man in erster Linie mit der sogenannten Sole: «Sole ist Salzwasser und damit eigentlich nichts anderes als Spaghettiwasser», erklärt Sascha Gonser. «Sole ist im Vergleich mit Streusalz genauer in der Ausbringung, wodurch man weniger Material benötigt. Dazu kommt eine schnellere Wirkungszeit. «Das spart Geld und Nerven und ist dazu umweltverträglicher.»

Nicht mehr verwendet wird Split. «Die Steine müssen zerkleinert, transportiert, verteilt und im Frühling aufwendig zusammengekehrt werden.» Salz sei wegen der Rückstände zwar auch nicht optimal, aber ökologisch wie ökonomisch um Welten besser. «So viel wie nötig, so wenig wie möglich – damit fahren wir gut.»

Immer weniger Verständnis

llnau-Effretikons Winterdienst hat in den letzten 20 Jahren durchschnittlich 11 Schneeräum- und rund 50 Enteisungseinsätze pro Saison geleistet. Wobei die Zahlen stark schwanken. Waren es 2021/2022 insgesamt 14 Räumeinsätze, musste im letzten Winter bloss viermal ausgerückt werden. Was aber nichts über deren Schwere aussage, sagt Sascha Gonser.

So hätten sie Anfang letzten Dezember einmal morgens um vier Uhr wegen höchster Glatteisgefahr ausrücken müssen. Alle Einsatzkräfte seien am Salzen gewesen, als es um fünf Uhr heftig zu schneien begann. «In so einem Moment weisst du, dass du keine Chance mehr hast, die Strassen für den Morgenverkehr zu räumen. Das ist dann nur noch höhere Macht.» Die Schneepflüge seien schliesslich bis gegen Mittag unterwegs gewesen. «Wenn ich mich dann am Telefon fragen lassen muss, ob wir verschlafen haben, muss ich schon leer schlucken.»

Der Werkhofleiter glaubt, dass das Verständnis in der Bevölkerung in den letzten Jahren stark abgenommen habe. Diese «Jetzt-sofort-ich-Mentalität» beobachte er aber nicht nur beim Schneeräumdienst. Wenn er wieder mal einen unfreundlichen Anruf erhalte, versuche er ihn nicht persönlich zu nehmen. «Ich sag mir dann jeweils, wenn sich von 18’000 Einwohnern 17’990 nicht melden, dann machen wir keinen so schlechten Job.»

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