Pfäffikon voll – Greifensee leer, aber woran liegt's?
Wochenmärkte der Region
Während der Wochenmarkt in Pfäffikon aufs ganze Jahr verlängert wird, kriselt es beim Greifensee. Was macht einen erfolgreichen Markt aus?
Es klingt nach einem idyllischen Start ins Wochenende: Man nimmt sich morgens Zeit und schlendert mit dem Bastkörbchen den Wochenmarkt entlang. An bunten Marktstände duftet es nach Würstchen oder gebrannten Mandeln, ein kleiner Schwatz mit der Verkäuferin erhellt das Gemüt.
Alles schön und gut. Wäre da nicht die Realität. Plötzlich hat man keine Zeit oder will einfach mal wieder ausschlafen. Und wenn der Wochenmarkt nicht viel zu bieten hat, dann lohnt sich ein Besuch nicht.
Am Greifensee hapert’s
Immer weniger Menschen interessieren sich für den «Griifeseemer Wuchemärt». Nicht nur das Publikum dünnt sich langsam aus, auch Marktfahrer gibt es immer weniger. Was einst noch ein lebendiger Freitagmorgen vis-à-vis des Gasthof «Zur alten Kanzlei» war, wirkt mittlerweile leer – mit gerade mal vier Ständen: Brot, Käse, Fleisch und Blumen. Manchmal sind es mehr, manchmal sogar noch weniger.
Peter Gätzi ist seit zehn Jahren im Vorstand des Vereins «Griifeseemer Wuchemärt». Langsam hat er es «gesehen», wie er sagt. «Die Organisation ist harte Arbeit. Und am Ende macht man das ja freiwillig. Es reisst sich auch niemand ein Bein aus, um mitzuhelfen.» Er betreibt den Stand mit Pflanzen, bunten Blumen und wunderschönen Gestecken.
Seit vier Jahren ist er auch Präsident des Vereins. Neben seiner Frau, die die Buchhaltung übernimmt, ist er der Einzige, der noch im Verein übrig geblieben ist. Er kritisiert, dass niemand mehr freiwillige Arbeit leisten will. Er sucht nun einen Nachfolger, der die Organisation übernimmt.
Doch eigentlich tut es Gätzi leid, zurückzutreten, denn der Verein sei ihm am Herzen gelegen. «Alle wollen den Markt und bemängeln, wenn es kriselt. Aber kaum einer hilft mit.» Als Marktfahrer wird er aber auch zukünftig am Markt präsent sein. «Das ist etwas entspannter», sagt er.
Für die Erhaltung des Markts hatte die Gemeindepräsidentin Monika Keller im Juni zu einer Arbeitsgruppe aufgerufen. Es hätte sich auch bereits eine engagierte Gruppe finden lassen, die an verschiedenen Aktionen arbeitet – neben einem intensiven Suchen von Marktfahrern für die nächste Saison. Laut Keller sei noch vieles ungewiss. Am 19. November findet eine Sitzung statt, in welcher die Zukunft des Marktes besprochen wird.
In Pfäffikon boomt es
Den Wochenmarkt in Pfäffikon gibt es noch nicht lange. Seit 2020 treffen sich Marktfahrer jeden Samstag an der Seestrasse und verkaufen ihre Ware. Erst fand er von Mai bis November statt. Dann wurde er sogar von März bis Dezember verlängert. Mit wenigen Ausnahmen ist er jeden Samstag in Betrieb. Auch zu Ferienzeit. Ab sofort wird er sogar auf das ganze Jahr verlängert.
Die Seestrasse ist noch relativ neu. Früher wurde sie von Autos befahren, doch mit der Neugestaltung zu einer Begegnungszone kam auch die Chance, dass sie von der Öffentlichkeit genutzt werden kann. Davon profitierten die Gewerbe um die Seestrasse, die auf er Begegnungszone auftischen können, so wie auch der Pfäffiker Wochenmarkt.
Claudia Knecht ist Präsidentin des Vereins Wochenmarkt Pfäffikon und hat ihn mitinitiiert. Das Gesuch für die Verlängerung hat sie bei der Gemeinde eingereicht, die Forderung aber kam von den regelmässigen Marktfahrern. Der Markt läuft nämlich hervorragend und rentiert.
«Wir haben den Verein um eine Delegation von Marktfahrern erweitert» erklärt Knecht, «denn die ganze Organisation und Koordination mit den Helferinnen und Helfern nimmt viel Zeit in Anspruch und wir als Verein brauchen auch mal eine Pause.»
Die Delegation ist in den Wintermonaten mitverantwortlich, dass alles wie am Schnürchen läuft. Dieser Winter dient als Pilotphase und zum Erkunden, ob sich auch die Monate Januar und Februar rentieren.
Gemeinderätin Rajka Frei hat vollstes Vertrauen in das Vorhaben und ist glücklich, dass der Wochenmarkt eine solch hohe Nachfrage generiert. «Der Markt ist sehr gut besucht und belebt die Seestrasse», sagt Frei.
Abgesehen vom wöchentlichen Einkauf, ist der Wochenmarkt auch zu einem geselligen Treffpunkt im Dorf geworden. Er lädt zum Schlendern und Verweilen ein. Ganz oben am Markt steht der Ausschankwagen von Sudwerk, wo sich Stammgäste regelmässig an ein paar Stehtischen gemütlich machen.
«Der Wochenmärt ist zu einer Begegnungszone geworden, wo man sich zum Einkaufen, zu einem Bier oder einfach so zu einem Schwatz trifft», erzählt Martin Halter vom Sudwerk, der Teil der Delegation ist.
Ein Markt muss einen Mehrwert generieren
In Pfäffikon trifft man neben den Marktfahrern auch öfters mal auf lokale Vereine oder Live-Musik. Grundsätzlich dürfen alle am Markt teilnehmen, sofern sie dem Publikum etwas bieten – einen schönen Stand oder eine Aktivität.
Der Verein vertritt eine klare Devise, damit ein Platz im Marktprogramm gesichert wird. «Das Publikum braucht für jeden Stand oder Verein einen Mehrwert», sagt Knecht.
Der Einsatz aller Beteiligten ist ausschlaggebend, dass sich das Publikum willkommen fühle, sich mit dem Markt identifiziere und ihn als Teil des lokalen Geschehens sehe, meint Gemeinderätin Frei aus Pfäffikon. «Der Erfolg steht und fällt mit dem Engagement des Vereins, der Marktfahrer und Marktfahrerinnen.»