Diese Fragen brennen den Wetzikern auf der Zunge
Austausch für Bevölkerung und Behörden
Partizipation wird in Wetzikon grossgeschrieben. Am Montagabend erhielt die Bevölkerung Gelegenheit, Stadtrat und Geschäftsleitung mit Fragen zu löchern. Trotzdem blieben viele Stühle leer.
«Wir starten einige Minuten später, um den grossen Besucheransturm abzuwarten», begrüsste Stadtpräsident Pascal Bassu (SP) die Anwesenden. Er schien bereits zu ahnen, dass sich nicht mehr viele in der alten Turnhalle einfinden werden.
Zum ersten Mal standen der Stadtrat und die Geschäftsleitung der Stadt Wetzikon der Bevölkerung mit «Wetzikon im Zentrum» Red und Antwort. In einer kurzen Einführung stellte Bassu das Konzept der Vision Wetzikon 2040 vor, mit der die Stadt fit für die Zukunft gemacht werden soll.
«Mit diesem Anlass möchten wir dem Partizipationsgedanken gerecht werden und vielleicht auch die jüngere Generation zum Mitreden einladen», erklärte Luzia Zollinger, Fachfrau Kommunikation bei der Stadtverwaltung. Beides konnte an dieser Premiere noch nicht ganz erreicht werden: Der Altersdurchschnitt lag eher im oberen Bereich, mit rund 20 Teilnehmern blieben viele Stühle leer.
Die Fragen konnten von der Bevölkerung vorgängig schriftlich eingereicht werden. Einige der Fragen und Antworten im Überblick:
Gemeinschaftszentrum im Feuerwehrgebäude
— Woher kommt diese Idee? Zu den Legislaturzielen 2018 bis 2022 gehörte, Synergien für Begegnungsräume an geeigneten Standorten in Wetzikon zu überprüfen. Bei diversen Kulturinstitutionen fand eine Vernehmlassung statt. Diese hat ergeben, dass eine Integration von Angeboten wie Bibliothek, Museum oder Ortsarchiv an einem Ort sinnvoll sein könnte. Eine 2021 in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zeigte auf, dass ein vorbildliches, nachhaltiges und innovatives Gemeinschaftszentrum beim jetzigen Feuerwehrdepot an der Farbstrasse 3/5 realisiert werden könnte.
— Sinn und Zweck? Es soll ein attraktiver, belebter und multikultureller Begegnungsort geschaffen werden. «Sie als Bevölkerung werden hier Gelegenheit erhalten, aktiv mitzureden», erklärte Pascal Bassu, «dadurch soll sich das Zentrum ganz an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren.»
— Leitbild, Investitionen, Betriebskosten? Das Projekt ist abhängig vom Neubau des Feuerwehrdepots an der Motorenstrasse 107, der zuerst geklärt werden muss. Daher besteht noch kein Leitbild, ebenso können noch keine Aussagen zu den Investitionen und Betriebskosten gemacht werden. Mit einer Integration der Bibliothek zum Beispiel lassen sich erhebliche Kosten sparen, da sich diese aktuell in einer extern angemieteten Liegenschaft befindet.
— Würden Wohnungen mehr Sinn machen? Primäres Ziel ist es, einen Begegnungsort zu schaffen und nicht neuen Wohnraum. «Es ist nicht immer unproblematisch, Wohnraum in unmittelbarer Nähe eines belebten Gemeinschaftszentrums zu realisieren», sagte Remo Vogel (Die Mitte), Ressort Gesellschaft und Soziales. «Rund ums frühere ‹Drei Linden›-Zentrum hatten wir oft mit Reklamationen bezüglich Lärmemissionen zu kämpfen.» Zudem müsste vorgängig eine Zonenänderung umgesetzt werden, da sich das Gebiet in der Zone für öffentliche Bauten befindet.
«Lädelisterben» im Zentrum
— In den letzten Jahren verschwanden immer mehr Geschäfte: Die Wirtschaftsförderung Wetzikon engagiert sich für den Erhalt von Unternehmen, Arbeitsplätzen und eine ausgewogene Dienstleistungsdurchmischung. «Grössere Geschäfte besuchen wir in regelmässigen Abständen», so Bassu, «ausserdem findet die Vernetzung an Anlässen wie dem KMU-Forum statt.» Grosse Unternehmen wie Manor oder Vögele mit verschiedenen Standorten könnten aber auch über diese Massnahme nicht erreicht werden.
Mit der Aufwertung des öffentlichen Raums in Oberwetzikon im Rahmen der Vision Wetzikon 2040 soll auch die Attraktivität dieses Stadtteils erhöht werden. Auf diese Weise kämen hoffentlich wieder verschiedene Geschäfte an den Einkaufsstandort zurück.
Strompreise
— Wäre es sinnvoll, die Energieversorgung zu privatisieren? Der Stadtrat wollte die Stadtwerke 2016 in eine Aktiengesellschaft umwandeln. «Sie, die Wetziker Stimmbevölkerung, haben dies an der Urne jedoch abgelehnt», sagte Heinrich Vettiger (SVP), Ressort Tiefbau, Umwelt und Energie. Allerdings hätte diese Umwandlung keinen Einfluss auf die Energiepreise gehabt. «Die Energie wird unabhängig von der Gesellschaftsform am freien Markt gehandelt.»
Im Anschluss an die Behandlung der nach Themenblöcken geordneten Fragen stellte sich der Stadtrat den spontanen Wortmeldungen im Plenum. Das geplante Gemeinschaftszentrum im Feuerwehrgebäude war dabei das wohl meistdiskutierte Thema.
Während sich einige Fragen mit Konzept, Gestaltung und Partizipationszeitpunkt beschäftigten, gab es auch kritische Stimmen, welche die Notwendigkeit eines solchen Vorhabens infrage stellten. «Was bringt uns das finanziell? Gehen wir besser zurück zu einer vernünftigen Finanzpolitik», lautete eine der Stimmen aus dem Publikum, die sich Sorgen um die Stadtfinanzen machten. Und der Votant prangerte an, dass bereits die Anwesenheit von Stadtrat sowie Geschäftsleitung an diesem Abend ein Vermögen kosten würde. Die Vertreter der Stadt quittierten diese Aussage mit einem verlegenen Lächeln.
Auch die Strompreise und Abwassergebühren sorgten für erhitzte Gemüter – Heinrich Vettiger verbrachte wohl den grössten Teil des Abends am Rednerpult, um Red und Antwort zu stehen.
Auch wenn der erste Austausch noch kein Publikumsmagnet war, soll er gemäss Luzia Zollinger regelmässig durchgeführt werden. «In welchen zeitlichen Abständen, ist noch nicht definiert», erklärte sie. «Es ist schade, dass nicht mehr Leute dieser Einladung gefolgt sind.»