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Die Jucker Farm musste Schafe in den Schlachthof karren

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint, sagt das Sprichwort. Nie war es vermutlich zutreffender als beim Flop-Versuch auf der Jucker Farm.

Die Jucker Farm musste Schafe in den Schlachthof karren

Nachhaltigkeit funktionierte nicht

Der Erlebnishof musste seine Schafe schlachten lassen. Der Grund: Sie waren zu gefrässig und zerstörten die Obstbäume. Der symbiotische Versuch ging schief.

Junge Schafe blicken in die Kamera.
Diese herzigen Schafe wurden im Alter zu dick – sie frassen nicht nur Unkraut, sondern auch die Ernte.

Was als gute Idee gedacht war, «verhebte» nicht, wie die Jucker Farm in ihrem Farmticker gleich selber zugibt. So nimmt ein netter Versuch ein trauriges Ende: Eine zwölfköpfige Schafherde musste letzte Woche geschlachtet werden.

Das sorgt für Unmut auf dem Ticker des Erlebnis-Bauernhofs. Eine Userin schreibt, sie fände es etwas heuchlerisch. Wenn man den Tod der Tiere tatsächlich derart bedauere, hätte man vielleicht auch einen Platz auf einem Lebenshof suchen können, fragt sie sich.

Aber von vorne: Die Seegräbner Jucker Farm legte sich im Januar 2021 Schafe zu, die sie von einem pensionierten Paar übernehmen konnte. Das Ziel: Die Tiere hätten «kontrolliert» zwischen den Obstbäumen umherpilgern und Unkraut vernichten sollen.

Diese herzigen Schafe mussten geschlachtet werden - sie waren zu gefrässig.
Die jungen Tiere kamen im Januar 2021 auf die Jucker Farm.

Sie waren als eine Art natürlicher Rasenmäher gedacht, wo vorher Pflanzenschutzmittel eingesetzt worden sei. «In der regenerativen Landwirtschaft versuchen wir, neben Pflanzen, die einander fördern, auch Tiere mit einzubeziehen», sagt Nadine Gloor, die Mediensprecherin der Jucker Farm.

Natürliche Symbiose geht schief

Doch die Tiere verhielten sich nicht wie erhofft: «Die Schafe frassen die jungen Knospen, die an den Apfelbäumen sprossen.» Der Frassschaden und die damit entstehenden Ernteausfälle seien zu massiv und unhaltbar geworden.

«Die Schafe waren zum Teil so dick, dass sie nicht mehr zwischen den Stämmen durchkamen», sagt Gloor – und das habe nichts mit dem Wollfell zu tun gehabt. So mussten die zwölf Tiere Ende Oktober den Bauernhof verlassen und in den Schlachthof gebracht werden.

Der Grund für das fehleingeschätzte Verhalten der Tiere: Es handelte sich um die falsche Schafrasse. «Ein Shropshire-Schaf gilt als Fleischrasse, das als Nutzvieh gezüchtet wird», sagt Gloor. Konkret: Diese Tiere würden sowieso als Lammracks auf unseren Tellern landen.

Ob man die Lammracks dann direkt im Laden kaufen könne, fragt ein User in einem Kommentar auf dem Farmticker. Kann man nicht. Die Tiere seien in Zürich geschlachtet worden.

Hätte die Jucker Farm die Schafe vor drei Jahren nicht übernommen, wären sie wohl sowieso schon früher geschlachtet worden, vermutet Gloor. Die Tiere seien nun auch schon alt gewesen.

Kein Gnadenhof gefunden

Der Bauernhof konnte trotz all seinen Standorten seine Tiere nicht anderweitig unterbringen – weder im Bächlihof in Jona noch im Spargelhof in Rafz oder im Klotener Römerhof. Sie hätten es auch bei anderen Landwirten versucht, aber das sei aktuell nicht so einfach.

«Wir sind noch immer ein landwirtschaftlicher Betrieb und kein Zoo und auch kein Gnadenhof», sagt Gloor offen dazu. Bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern habe dieser Entschluss dennoch zu starken Emotionen geführt.

Auf dem Erlebnishof möchte man sich im nächsten Frühling über neue Schafe Gedanken machen. «Wir denken da an kleinere Schafe der Rasse Ouessan», so Gloor. Diese seien explizit für die Landschaftspflege geeignet.

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