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Neue Trägerschaft für ausgebauten Farmtrail in Lindau

Der Verein Lehrblätz Bläsihof stösst an seine Grenzen. Nun übernimmt eine breiter abgestützte Trägerschaft den Ausbau des Lindauer Farmtrails.

Die Sanierung des Brunnens auf dem Bläsihof war das erste Projekt des Vereins Lehrblätz Bläsihof. Hans Thalmann (links) und Peter Reinhard stossen nochmals auf das Werk an.

Foto: Christian Brändli

Neue Trägerschaft für ausgebauten Farmtrail in Lindau

Lehrblätz hat ausgedient

Ein Brunnen und ein Lehrpfad gehen auf sein Konto. Doch nun zieht der Verein Lehrblätz Bläsihof einen Schlussstrich. Nach siebenjähriger Existenz folgt eine stärkere Trägerschaft.

Das Schweizer Vereinsleben ist äusserst vielfältig. Da gibt es die klassischen Zusammenschlüsse wie jene für die Turner, Samariter oder die Sänger, die politischen alias «Parteien» oder auch die lustigen wie die Schnupftabäkler, Bierfreunde und die Junggesellen. Und dann gibt es noch die zwar kleinen, aber sendungsbewussten. Zur letzten Kategorie gehört der Lehrblätz Bläsihof.

Ein Vulkanausbruch stürzt das Oberland in die Krise

An dessen Anfang stand das Ende eines anderen Vereins. «Projekt 1816» nahm sich den extremen Folgen eines Vulkanausbruchs im fernen Indonesien für das Zürcher Oberland an. Der verheerende Ausbruch des Tambora 1816 löste wegen der Wetterkapriolen in der Region im Jahr darauf eine grosse Hungerkrise aus.

Trotz zahlreicher Veranstaltungen und Ausstellungen blieb Ende 2016 Geld aus jenem, zeitlich begrenzten, Verein übrig. Und die Idee, dass längerfristig die Lehren von jenem Unheilsjahr im frühen 19. Jahrhundert gezogen werden sollten. Eine der Erkenntnisse damals nach der Hungerkrise war, dass es eine landwirtschaftliche Armenschule brauchte.

Alte Skizze eines Bauernhofes.
Der Bläsihof bei Lindau, hier eine Darstellung von 1826, war als Armenschule ab 1818 die erste landwirtschaftliche Schule des Kantons Zürich.

Ab 1818 ermöglichte der Kanton Zürich auf dem Lindauer Bläsihof verwahrlosten Jugendlichen – unter anderem wegen der Hungersnot – eine Ausbildung, damit sie ihren Lebensunterhalt selbständig bestreiten konnten. Auch sollte erprobt werden, welche Kulturen denn im Glatt- und Tösstal besonders gut gedeihen.  

Der Bläsihof als Dreh- und Angelpunkt

An diese erste landwirtschaftliche Schule auf Zürcher Boden erinnerte sich eine Gruppe um den ehemaligen Ustermer Stadtpräsidenten Hans Thalmann. Und die Brücke zum Jetzt wurde geschlagen. Der Bläsihof ist zwar längst keine landwirtschaftliche Schule mehr, doch ganz in der Nähe steht der Strickhof, das kantonale Kompetenzzentrum für Agrar-, Lebensmittel- und Hauswirtschaft.

Und so wurde 2017 der Verein Lehrblätz Bläsihof aus der Taufe gehoben, der seinen Fokus auf die  Entwicklung der Landwirtschaft legen und deren Bedeutung für Umwelt, Gesundheit, Versorgungssicherheit und Klima an konkreten Beispielen aufzeigen wollte.

«Unsere erste konkrete Aktion war die Sanierung des Brunnens im Bläsihof. Es galt, ihn wieder ans Trinkwasser anzuschliessen. Schliesslich liegt er an einer internationalen Veloroute, auf der viele durstige Radfahrer verkehren», erklärt Peter Reinhard. Er stiess damals als Vertreter der Gemeinde Lindau, in dessen Exekutive er sass, zum Lehrblätz.

Keine Ausstellung, aber ein Lehrpfad

Ein weiteres Vorhaben war die Bespielung des Agrovet-Forums auf dem Strickhofareal mit Themen des Vereins wie etwa einer Ausstellung über Escher von der Linth, dem Gründer der Armenschule Bläsihof. Bei Agrovet wird die universitäre Bildung und Forschung im Agrar- und Veterinärbereich mit den praktischen Bedürfnissen der Landwirtschaft verknüpft.

«Dieses Ziel war aber eine Schuhnummer zu gross für uns», gesteht Thalmann ein. Vor allem wurde vieles durch Agrovet schon selbst abgedeckt. So konzentrierte sich der Verein auf ein drittes Projekt, nämlich die Weiterentwicklung des Klimapfades aus dem Projekt 1816 hin zum Klimapfad 21 für Schulen. 21, weil er die Ziele des Lehrplans 21 erfüllt.  

Mit der Eröffnung des Farmtrails, einem Lehrpfad zur Ernährung und Produktion von Lebensmitteln, in diesem Frühsommer wurde auch dieses Ziel erreicht. Dabei gelang es, über den Biobereich hinaus, der zunächst im Fokus stand, Partner zu gewinnen. Neben der Gemeinde Lindau beteiligte sich unter anderem der Zürcher Bauernverband am Vorhaben. Insgesamt 160'000 Franken kamen zusammen. Von diesem Betrag sind noch rund 15'000 Franken übrig.

Für den Lehrblätz Bläsihof stellte sich die Frage, wie es weitergehen sollte. So war die Trägerschaft relativ schmal. Die sechs Gründungsmitglieder hatten es nämlich bei einem erweiterten Vorstand belassen, da sie der Meinung waren, die gesteckten Ziel in diesem Rahmen erreichen zu können.  Beim Vorgängerprojekt 1816 hatten noch rund 300 Personen mitgemacht.

Breitere Trägerschaft, breiteres Angebot

Mit der Realisierung des Farmtrails entschieden die Lehrblätz-Verantwortlichen das Ende ihres Vereins nach sieben Jahren, zumal sich die Chance für eine breitere Trägerschaft bot. Ermutigt durch den Zuspruch, den der Farmtrail bisher erfahren hat, sollte dessen Angebot jetzt ausgebaut werden.

So haben sich das Kompetenzzentrum Strickhof, das Forschungsinstitut für biologischen Landbau, die Gemeinde Lindau sowie der Zürcher Bauernverband verpflichtet, gemeinsam den Landwirtschaftsweg und Klimapfad Lindau zu realisieren und zu betreiben.

«Wir wollen den bestehenden Farmtrail publikumswirksam betreiben und Führungen bestreiten», betont Reinhard, der auch nach der Auflösung des Lehrblätz-Vereins Ende Oktober als Vertreter der Gemeinde Lindau beim Vorhaben dabei sein wird. Als Agronom ETH verfügt er über einen direkten Zugang zum Thema Landwirtschaft.

Das Video erklärt kurz den Lindauer Farmtrail, der sich auch an Kinder richtet. Video: Lehrblätz Bläsihof

«Wir haben für Oberstufenschulklassen Dossiers erstellt, damit diese sich mit einem Bauernbetrieb kurzschliessen können, um gemeinsam in ihrer Gemeinde einen Farmtrail realisieren zu können», hält er fest. Alles in allem sollen die Schüler eine Woche investieren, um mehr über Landwirtschaft, Versorgung und Klima zu erfahren. Mit dem noch vorhandenen Geld sollen ein erster Kurs sowie der Unterhalt des Wegs für zwei Jahre bestritten werden.

Angedacht ist auch noch, eine Kurzversion des Farmtrails auszuarbeiten. Für die zwölf Posten müssen private Besucher jetzt rund drei Stunden rechnen. «Damit ist der Weg sehr anforderungsreich.» Nicht alle seien bereit, so viel Zeit zu investieren. 

Rückzug des Doyens

Hans Thalmann, mittlerweile 82 Jahre alt, zieht sich mit der Vereinsauflösung Ende Oktober nach 15 Jahren Engagement für das Kulturerbe und die Kultur im Zürcher Oberland «geordnet und ordnend» zurück, wie er sich ausdrückt.

Er möchte sich nur noch dafür einsetzen, dass einige der Projekte, die er begleitet hat, ordentlich archiviert und auf Wikipedia erwähnt werden. 

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