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Das Metzgerareal in Kollbrunn und der Grossbrand

Heute gleicht das Metzgerareal in Kollbrunn einer Ödnis. Zum Gelände gibt es aber spannende Geschichten – nicht zuletzt wegen eines Grossbrandes.

Diese vertrauten Gebäude auf dem Metzgerareal in Kollbrunn werden dereinst einer grosszügigen Wohnüberbauung weichen.

Archivfoto: Rolf Hug

Das Metzgerareal in Kollbrunn und der Grossbrand

Tösstaler Häuser erzählen Geschichten

Das Winterthurer Architekturbüro Cerfeda kann auf dem Metzgerareal in Kollbrunn fünfgeschossig bauen. Das Gelände hat an Geschichten so einiges zu bieten.

Renate Gutknecht

Nein, schön sieht das Metzgerareal nicht aus, das fällt einem bei der Durchfahrt mit dem Zug schon auf. Da hilft auch der im Internet zu lesende, malerische Text nicht viel: «Das Metzgerareal ist wie eine Oase im Dorf Kollbrunn, zugänglich über einen Bahnübergang. Überquert man diesen, wähnt man sich in einer verlassenen Arena. Das steile Waldstück, mit Felsen durchsetzt, bildet die Tribüne dazu. Rundherum summt und zwitschert es.»

Aber das wird sich bald ändern, wenn eine pralle Anzahl Wohnungen gebaut wird. Konkret plant das Winterthurer Architekturbüro Cerfeda eine Siedlung mit 100 bis 120 Wohnungen. Wegen der neuen Bau- und Zonenordnung sind dabei sogar fünfstöckige Bauten möglich.

Beliebter Ort für Missetaten

Trotz aktueller Tristesse hat das von der Sägerei Metzger geprägte Areal spannende Geschichten zu bieten. 2016 hat es sich zum Schauplatz im Krimi «Fusslos» von KuhnKuhn gemausert.

Polizist Noldi Oberholzer muss sich in seinem dritten Fall mit Yannick Nievergelt, einem 14-jährigen «sauberen Früchtchen» befassen. Dessen Heldentat war, dass er beim Metzgerareal Betonteile auf die Schiene gelegt hatte.

Eine reale Geschichte konnte man im August 2010 im «Tages-Anzeiger» lesen: «Die Kantonspolizei hat zwölf Kindern Einbrüche in mehrere Wohnmobile und Wohnwagen nachweisen können.» Dabei hätten die Kinder Gegenstände im Wert von mehr als 2500 Franken gestohlen und einen Schaden von knapp 30’000 Franken verursacht.

Die elf Buben und ein Mädchen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren würden im Bezirk Winterthur wohnen, hiess es weiter. «Die Kinder tummelten sich aus Langeweile auf dem Areal der ehemaligen Sägerei Metzger und in den verschiedenen Hallen und machten sich dort an den eingestellten Wohnwagen und Fahrzeugen zu schaffen.»

Millionenbrand im Mai 1979

Zu dieser Episode kommt der Brand eines Ökonomiegebäudes im Jahr 2014. Doch bei den Recherchen im «Tößthaler»-Archiv sticht vor allem ein Bericht vom Mai 1979 ins Auge. «Grossbrand in der Sägerei Metzger und Co. in Kollbrunn» steht in grossen Lettern über dem Bild vom Brandplatz. Ausgebrochen war das Feuer gegen den Mittag in der Holztrocknerei.

«Praktisch innert Minutenfrist stand dann der ganze Gebäudekomplex aus Holz in hellen Flammen», umschrieb der «Tages-Anzeiger» tags darauf den Grossbrand. Und widmete einige Zeilen den zwei Tibetern Ngawang Champel und Dagpa Pasang, die bei den Löscharbeiten mithalfen.

Was aber war passiert? Zu Beginn des Feuers hatten zwei Mitarbeiter erst selbständig einen Brand im Kamin der Holztrocknungsanlage unter Kontrolle bringen können. Doch die Glut, die nachträglich ins Späne-Lager gefallen war, vermochte dann den Grossbrand zu entfachen.

Feuerwehrkommandant erinnert sich

Eindrücklich aber schilderte der damals amtierende Feuerwehrkommandant Bruno Kündig in der Lokalzeitung den Brand. Demnach bemerkt Jakob Metzger senior um 11.27 Uhr von seinem Büro aus Rauch und wie Mitarbeiter versuchen, eine Leitung zu legen.

Er alarmiert die Feuerwehr, und die erste Pikettgruppe wird aufgeboten. Kurz danach wird eine Alarmrakete gezündet, und die SBB schalten die Fahrleitungen aus, während erste Feuerwehrleute eintreffen. «Nach einer Slalomfahrt über den geschlossenen Bahnübergang in Rikon», wie Kündig zitiert wird, trifft kurz danach das erste Tanklöschfahrzeug ein. Es befinden sich bereits 20 Mann auf dem Gelände.

Schnell stellt sich heraus, dass nur der Schutz der umliegenden Gebäude und des hochexplosiven Tankraums infrage kommt, nicht aber das Löschen der Liegenschaft selbst. Eine halbe Stunde nach der ersten Brandmeldung wird das Pikett in Winterthur aufgeboten, nur eine Viertelstunde später erscheinen 14 Mann mit sehr willkommenen Geräten in Kollbrunn.

Die Winterthurer werden nach Bolstern eingewiesen. Doch da ist bereits kein Wasser mehr vorhanden. Daher wird vom Töbelibach aus eine 500 Meter lange Leitung gelegt, um den bereits brennenden Waldboden zu löschen und über das steile Waldbord hinunter eine Druckleitung zu legen.

Im Einsatz bis am nächsten Morgen

Alsbald ist das Feuer soweit unter Kontrolle, dass es nicht mehr weiter um sich greifen kann. Um 13.40 Uhr kann der Bahnverkehr wieder aufgenommen werden.

Der Aufzählung von Bruno Kündig entnimmt man zudem, dass im Verlauf des Nachmittags Baumaschinen und Lastwagen angefordert werden, um die Bretterstapel auf dem Gelände auseinanderzureissen. Von einem Feuerwehrmann mit Handlöscher begleitet, wird der Bauschutt um 17.30 Uhr abtransportiert.

Gegen Abend können 90 Prozent der Einsatzkräfte nach Hause, einige bleiben für die Nachtwache auf dem Gelände. Am darauffolgenden Tag ist ein Teil der Feuerwehr immer noch im Einsatz. Ab 10 Uhr sind alle Gebäude gelöscht – so auch das Glutnest, das nachfolgend im Sägemehlhaufen entdeckt wurde.

Zum dramatischen Grossbrand kann Kündig einige imposante Zahlen nennen: Teilweise standen bis zu 140 Leute im Einsatz, es wurden an die 2000 Meter Schlauchmaterial verwendet und 21 Druck- und 7 Transportleitungen erstellt.

Erste Pläne für eine Überbauung

Nach diesem Ereignis hat die Sägerei Metzger und Co. ein neues Fabrikationsgebäude gebaut, es aber kurz danach an die Firma Bosshard verkauft. Die Fabrikation wurde nachfolgend der Holzbau AG Weisslingen vermietet, die bis heute dort produziert.

Alt Gemeinderat Hansruedi Feller kennt noch die eine oder andere Episode: Bosshard selbst wollte auf dem grosszügigen Gelände eine Überbauung realisieren.

Metzgerareal Kollbrunn
Überbauungspläne fürs Metzgerareal gab es bereits schon früher.

Die Erschliessung war aber ungenügend und der Bahnübergang ein Knackpunkt. Ein Anwohner widersetzte sich den Plänen des Gemeinderats, es entbrannte ein Streit, der bis vor Bundesgericht gezogen wurde. Schliesslich wurden die Pläne begraben. Das wiederum passte zu einem ursprünglichen Zweck des Areals.

Wo einst Tote ruhten

Auf gemeindeeigenem Land war 1906 in einem Teil des Geländes ein Friedhof erstellt worden. Nachdem die Firma Metzger 1932 dieses Grundstück erworben hatte, verkaufte sie im Gegenzug der Gemeinde im Bähntal ein Stück Land für einen neuen Friedhof. Dieser wurde im gleichen Jahr mitsamt einem Leichenhaus für knapp 46’000 Franken erstellt. Dadurch entfiel auch der für die Ruhestätte störende Lärm aus der nahen Sägerei. Das alte Leichenhaus konnte 1933 abgetragen werden, der Friedhof selbst blieb bestehen, bis die Gräber aufgehoben werden durften. (rg)

Friedhof auf dem Metzgerareal
Eine Karte von Kollbrunn aus dem Jahr 1935 zeigt den Friedhof auf dem Metzgerareal.

Nun also gesellt sich zu den alten Geschichten eine neue Nutzung. So wird man wohl in absehbarer Zeit in der eingangs erwähnten malerischen Umgebung wohnen können. Dies war im kleineren Rahmen lange Zeit schon früher möglich, als die Firma Metzger und Co. den Mitarbeitern auf dem Gelände Wohnraum in einem Haus anbot.

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