Zukunft der Bachtel-Schlittelbahn steht in der Schwebe
Pilotprojekt verlängert
Ein neues Konzept sollte für Sicherheit von Schlittel-Fans und Autofahrern zwischen Orn und dem Bachtel sorgen. Doch seit mehreren Jahren liefert ein Pilotprojekt keine Antworten.
Mit dem Schlitten vom Bachtel bis nach Wernetshausen heruntersausen. Allzu oft war das in den vergangenen Wintern nicht möglich. Häufig fehlte der Schnee. Deshalb ist auch die Zukunft des oberen Abschnitts der Schlittelbahn vom Bachtel nach Orn weiterhin unklar.
Schon seit acht Jahren versucht die Gemeinde Hinwil, mit einem Pilotprojekt eine optimale Lösung für diesen Abschnitt der Schlittelbahn zu finden. Nun hat sie das Pilotprojekt um einen weiteren Winter verlängert. Die Begründung ist denkbar einfach. «Es gab zu wenig Schneetage», sagt Christoph Ruckstuhl, Leiter der Abteilung Tiefbau und Werke.
Das Grundproblem ist dafür umso komplizierter: Auf dem Bachtel treffen verschiedene Interessen aufeinander. Hier die Schlittel-Fans, die auf eine schöne Piste hoffen. Dort die Restaurantbetreiber des Bachtel-Kulm, die sich eine hindernisfreie Zufahrt für ihre Gäste wünschen. Und dazwischen die Gemeinde, die alle Interessen unter einen Hut bringen möchte und gleichzeitig die Sicherheit aller Beteiligten ins Zentrum stellt.
Unfall sorgte für Umdenken
Ausgelöst wurde die Debatte durch einen Unfall im Februar 2015. Ein Auto war von der Strasse abgekommen. Die Gemeinde liess in der Folge die Strasse schwarz räumen – zum Unmut der Schlittler.
Im darauffolgenden Winter lancierte sie dann das Pilotprojekt. Es sollte zeigen, ob Autos und Schlitten gefahrlos aneinander vorbeikommen können und gleichzeitig der Restaurantbetrieb nicht gestört wird. «Der Gemeinderat wollte wissen, ob es überhaupt Sinn macht, auf diesem Abschnitt eine Schlittelbahn zu betreiben», erklärt Christoph Ruckstuhl.
Auf steilen Abschnitten ist Rollsplitt keine Alternative.
Christoph Ruckstuhl, Leiter Abteilung Tiefbau und Werke
Dies gilt nach wie vor. Mehrere aufeinanderfolgende Schneetage wären nötig, um Schlüsse zu ziehen. Doch entweder fiel zu wenig Schnee, oder er schmolz zu schnell wieder weg.
Geöffnet war der obere Teil der Schlittelbahn seit 2015 deshalb kaum. Das lag aber auch daran, dass die Gemeinde jeweils die Strasse räumte, sofern die Schlittel-Bedingungen nicht ideal waren. Damit sollte gemäss Ruckstuhl der Zugang zum Restaurant Bachtel-Kulm sichergestellt werden.
Rollsplitt ist keine Lösung
Geschlittelt wurde aber trotzdem – einfach im tiefer gelegenen Abschnitt zwischen Orn und Wernetshausen. Dieser ist im Richtplan festgesetzt und deshalb nicht Teil des Pilotprojekts. Auch hier kreuzen sich Schlittler und Autos. Doch die Strasse ist weniger steil.
Das ist ein entscheidender Faktor, denn auf dieselbe Lösung zu setzen wie im unteren Abschnitt, komme gemäss Ruckstuhl nicht infrage. Dort kommt auf einem anderthalb Meter breiten Streifen der schneebedeckten Strasse jeweils Rollsplitt zum Einsatz. Dieser biete auf steilen Strassenabschnitten aber zu wenig Halt und sei für den oberen Abschnitt deshalb zu wenig sicher.
Zugang zum Restaurant mitentscheidend
Die einzige Alternative war darum ein Kettenobligatorium. Dieses gilt, sobald auf der Strasse ab Orn genügend Schnee liegt. Es könnte aber wiederum Auswirkungen auf die Erreichbarkeit des Restaurants Bachtel-Kulm haben.
Die Frage, ob die Kettenpflicht potenzielle Restaurantgäste abschreckt, ist darum ebenfalls Teil des Pilotprojekts. Eine baldige Antwort darauf liegt auch im Interesse der Restaurantpächter und der Genossenschaft Bachtel-Kulm. Ihr gehört das Restaurant auf dem Bachtel.
Wir sahen das Schlittelkonzept der Gemeinde nie kritisch.
Ralph Köchli
Präsident Genossenschaft Bachtel-Kulm
Die aktuellen Pächter wollen sich momentan nicht zur Schlittelbahn äussern. Sie haben noch keine Wintersaison auf dem Bachtel miterlebt und verweisen auf die Genossenschaft. Deren Präsident Ralph Köchli gibt sich wiederum gelassen: «Wir sahen das Schlittelkonzept der Gemeinde nie kritisch.» Er räumt aber auch ein, dass eine frühere Pächterin keine Freude an der schneebedeckten Strasse hatte.
Dass der Zugang zum Restaurant auch an Schneetagen gewährleistet ist, sei für die Genossenschaft selbstverständlich wichtig, sagt Köchli. «Aber wir begrüssen auch alle Leute, die einen Fussmarsch auf den Bachtel machen, um zu schlitteln.» Schliesslich sei die Genossenschaft aus dem Schweizer Alpen-Club (SAC) heraus entstanden und entsprechend naturverbunden. Auch der geplante Umbau auf dem Bachtel würde nichts an dieser Haltung ändern.
Die Zukunft der Schlittelbahn auf dem Bachtel liegt also in erster Linie in den Händen von Frau Holle. Denn irgendwann komme der Gemeinderat nicht mehr um eine Entscheidung herum, meint Christoph Ruckstuhl – auch ohne Schnee.
