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So schlägt sich die Migros ohne Personal im Alltagstest

Während des Umbaus können Migros-Kunden aus Bauma im Selbstbedienungsladen Teo einkaufen. Wie alltagstauglich ist der Shop, der angeblich alles hat, was man braucht?

Seit Kurzem steht auf dem Migros-Parkplatz in Bauma ein neuartiger Selbstbedienungsladen.

Foto: Noah Salvetti

So schlägt sich die Migros ohne Personal im Alltagstest

Neuer Selbstbedienungsladen in Bauma

Die Migros-Filiale in Bauma wird derzeit erweitert und modernisiert. Bis die Arbeiten abgeschlossen sind, können Kunden das neue Ladenformat Migros Teo ausprobieren. Wir haben den Shop ohne Personal auf die Probe gestellt.

Bettina Schnider und Noah Salvetti

Tösstal

Er beansprucht fünf Parkfelder, trägt einen freundlich klingenden Namen und erinnert etwas an ein gestrandetes U-Boot – der Migros Teo, ein Selbstbedienungsladen, der ohne Personal auskommt.

Seit anderthalb Wochen steht ein solches Modell auf dem Parkplatz der Migros-Filiale in Bauma. Der Grund: Der Grossverteiler baut seinen Laden um und erweitert ihn.

Während der Umbauphase, die noch bis Ende November andauert, soll der Teo die wichtigsten Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden aus Bauma befriedigen.

Auf 50 Quadratmetern Verkaufsfläche findet man rund 800 Artikel aus dem Sortiment des orangen Riesen. Der Teo habe «alles, was du wirklich brauchst», heisst es auf der Website des Grossverteilers. Ob das zutrifft und wie gut sich der Teo konkret schlägt, hat Redaktorin Bettina Schnider gleich selbst getestet.

Einkaufen fürs Abendessen, ein Drama mit drei Produkten

Ein Curry mit Tofu sollte es sein zum Znacht. Und anstatt wie üblich beim grossen Detailhändler in meinem Wohnort wollte ich die fehlenden Zutaten im Migros Teo auftreiben.

Da dieser nicht bedient ist, öffnet sich die Türe nicht von allein. Gemäss Ankündigung muss ich am Eingang entweder eine Bankkarte oder den Cumulus-Code scannen.

Eine Hand hält ein Handy an einen Leser.
Der Cumulus-Scanner funktioniert beim Test nicht. Bleibt nur der Griff zur Karte.

Doch dort gab es schon das erste Problem. Der Cumulus-Scanner funktionierte nicht. Zum Glück liess sich die Tür mit der digitalen Bankkarte auf dem Handy öffnen – sonst hätte ich wieder umdrehen müssen.

Vor allem die älteren Leute beklagen sich.

Kundin im Migros Teo

Kurz vor mir hat eine Frau mit ihrem «Postizettel» in der Hand den Laden betreten. Auch bei ihr hat die Cumulus-Karte nicht funktioniert. Etwas genervt stellt sie fest: «Den richtigen Essig haben sie auch nicht.»

Sie scheint noch nicht ganz begeistert vom Angebot: «Vor allem die älteren Leute beklagen sich», erzählt sie. Das Einkaufen ohne Bedienung scheint nicht für alle gemacht zu sein.

Auch ich mache mich auf die Suche nach meinen Produkten: Einige Zutaten habe ich schon zu Hause. Ich brauche noch Kokosmilch, Brokkoli und Tofu beziehungsweise ein anderes Fleischersatzprodukt und allenfalls Currypaste, denn das Glas zu Hause ist fast leer.

Schnell fündig werde ich bei der Kokosmilch. Anders bei der roten Currypaste: Im Migros Teo gibt es zwar eine, diese enthält aber Fisch – nichts für mich. Gut, habe ich noch etwas Currypaste daheim.

Weiter geht es mit dem Gemüse: In der Mitte des Ladens befindet sich eine Ablage dafür. Salat gibt es dort, und auch Rüebli oder Gurken. Und eigentlich auch Brokkoli, wenn auch ausschliesslich in Bio-Qualität. Doch ich habe Pech – das Kistchen ist leer.

Blick in leere Regale.
Der Brokkoli, den die Redaktorin gerne in ihrem Curry verarbeitet hätte, fehlt.

Inzwischen bin ich mit meinem Redaktionskollegen allein im Laden. Die ältere Frau, die ihren Lieblingsessig gesucht hatte, hat den Teo in der Zwischenzeit verlassen. «Nicht einmal ‹Anke› haben sie», hat sie mir noch gesagt. «Ich gehe jetzt in den Volg.»

Noch weniger Erfolg hatte ein anderer Herr. Nachdem er vor verschlossenen Türen stand, drehte er wieder um. Vermutlich hat seine Cumulus-Karte auch nicht funktioniert.

Ich setze meinen Einkauf fort. Ein Teil des Teo ist für Kühlprodukte abgetrennt. Es gibt also nicht eigentliche Kühlregale, der ganze Raum ist ein Kühlschrank. Wer etwas länger dort ist, um einen bestimmten Artikel zu suchen, zieht sich also besser warm an.

Warm anziehen müssen sich auch Vegetarier und Veganer, zumindest an diesem Morgen. So gibt es zwar einige fleischlose Fertigprodukte, «Basics» wie Räuchertofu oder Planted Chicken sind ausverkauft. Klassischen Tofu sucht man vergeblich.

Blick in leere Regale.
Bei den fleischfreien Proteinlieferanten sieht es ähnlich aus: Weder Räuchertofu noch Planted-Poulet sind verfügbar, normalen Tofu sucht man vergeblich.

Immerhin Reis, sogar Basmatireis, würde ich im Teo finden. Doch von dem habe ich noch genug zu Hause. Und so schlendere ich wieder zur Kasse – mit einem Artikel in der Hand, der Kokosmilch.

Teilerfolg nennt man das doch. Und ich habe meine Lektion gelernt: Für einen Snack oder ein Convenience-Produkt ist der Teo sicher toll, die Auswahl ist gross. Wer aber Zutaten für ein bestimmtes Gericht sucht, der muss Glück haben.

Jemand scannt einen Code mit einem Scanner.
Das Zahlprozedere dürfte Migros-Kindern, die am Self-Checkout bezahlen, bekannt sein. Und immerhin dort funktioniert die Cumulus-App.

Dass ein solcher Selbstbedienungsladen nicht als dauerhafte Ergänzung, sondern als Ersatz für eine vollwertige Migros-Filiale eingesetzt wird, ist kein Novum. Vor Kurzem wurde bereits der Umbau des Ladens in Embrach so überbrückt.

Dadurch gibt es einen kleinen Unterschied im Konzept: «Im provisorischen Migros Teo sind während der gewohnten Öffnungszeiten Mitarbeitende vor Ort, um unsere Kundinnen und Kunden bei Bedarf beim Einkauf zu unterstützen», sagt Silke Seichter von der Genossenschaft Migros Ostschweiz.

Während des Tests waren allerdings keine Mitarbeitenden vor Ort. Anders in fixen Teo-Läden wie jenem in Oberwinterthur: Dort trifft man gar nie auf Personal. So oder so: Der Laden funktioniert ohne menschliches Zutun, nutzen kann man ihn rund um die Uhr.

Keine Barzahlung: Für viele ungewohnt

Die restlichen Mitarbeitenden der Baumer Migros-Filiale hat die Detailhändlerin in umliegende Filialen versetzt oder in die Ferien geschickt. Um Nachschub in den Regalen kümmert sich ein separates Team, das jeweils einmal pro Tag vorbeischaut.

Laut der Migros-Sprecherin kommt der Teo in Bauma bei der Kundschaft insgesamt gut an. «Wir durften uns bereits vor Ende der ersten Betriebswoche über zahlreiches positives Feedback freuen», so Silke Seichter.

Vereinzelt sei es für die Kunden aber noch ungewohnt, dass sie im Migros Teo nicht mit Bargeld bezahlen können.
Einen dauerhaften Migros-Teo-Standort im Tösstal schliesst Seichter nicht aus. «Es bestehen aktuell aber keine konkreten Pläne für diese Region.»

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