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Die lustigsten Ortsnamen der Region – und was sie bedeuten

Wie sind eigentlich die Siedlungen «Sack», «Dürstelen», «Höckler» oder «Oobis» zu ihren Namen gekommen? Wir haben Antworten.

Ein kalkhaltiger oder trockener Boden – auch die Lage eines Orts kann Einfluss gehabt haben auf die Namensgebung.

Foto: Christian Brändli

Die lustigsten Ortsnamen der Region – und was sie bedeuten

Neues Angebot des Kantons

Leitet sich Chäsbrunnen vom Fondue ab? Und hat Oobis etwas mit einem Baumarkt am Hut? Im geografischen Informationssystem (Gis) erfährt man alles über die Herkunft von Siedlungsnamen.

Eleanor Rutman und Bettina Schnider

Haben Sie sich schon gefragt, wie Siedlungen zu Bezeichnungen kommen, wie Dürstelen, Oobis oder Höckler? Seit Kurzem kann man sich dazu auf der Online-Karte des Kantons im geografischen Informationssystem (Gis) schlaumachen.

Einer, der sich bereits seit Langem mit dem Thema befasst, ist der ehemalige Pfarrer Armin Sierszyn. Vor zwei Jahren hat der Bäretswiler ein dickes Buch zu Orts- und Flurnamen im Zürcher Oberland herausgegeben. «Siedlungsnamen geben uns einen Einblick, wie die Menschen früher ihre Umwelt wahrgenommen haben», sagt Sierszyn. «Von Geländeformen über die Bodenbeschaffenheit und andere Auffälligkeiten.»

Als Beispiel nennt Sierszyn Fehraltorf. «Das hat schon im Namen, dass es ein altes Dorf ist», sagt er. «So haben es die Leute aus den umliegenden Siedlungen wahrgenommen.»

Oft kann man schon am Namen ablesen, wie alt eine Siedlung etwa ist.

Armin Sierszyn

Pensionierter Pfarrer und Ortskundler

Und heute wisse man, dass Fehraltorf tatsächlich schon um zirka 550 von Franken bewohnt war, etwa 150 Jahre vor den meisten anderen Dörfern in der Umgebung.

«Oft kann man schon am Namen ablesen, wie alt eine Siedlung etwa ist», erklärt Sierszyn. Die Endung -ingen, wie Grüningen, gib es meist ab dem sechsten Jahrhundert, Siedlungen auf -ikon wie Bubikon ab dem siebten Jahrhundert. «Und endet eine Siedlung auf -wil wie Ringwil, wird sie nach dem achten Jahrhundert entstanden sein.»

Wir haben den Gis-Browser nach auffälligen Siedlungsnamen durchforstet und uns gefragt, was die Bezeichnungen bedeuten mögen.

Dürstelen: Ist bei Hittnau etwa Durst im Spiel?

Der Ort klingt ein bisschen nach Entbehrung, als ob man an in dem Dorf oberhalb von Hittnau Hunger und Durst hat leiden müssen: Ob man dort schlimm «dürstelen» musste? Jedenfalls geht laut Ortsnamenforschung im Gis die älteste Bedeutung auf ein Dokument aus dem Jahr 1265 zurück. Da wird ein sogenannter Hermannus de Túrstuͦdelon aufgeführt. Dieses Wort setzt sich aus dem althochdeutschen Adjektiv dürr oder trocken und dem Substantiv für Busch oder Dornenstrauch zusammen. Ein Ort mit vertrockneten Büschen also. Ob es in Dürstelen zu der Zeit wirklich trocken war – oder ob es sich um einen ironischen Kosenamen handelte, ist leider nicht überliefert.

Oobis: Wohnt Obi-Wan Kenobi in der Nähe von Bäretswil?

Nein, die Star-Wars-Figur Obi-Wan Kenobi wohnt nicht in Oobis. Das Zürcher Oberland ist weder das geheime Versteck noch Geburtstätte des sagenumwobenen Jediritters aus dem Star-Wars-Kosmos. Aber was heisst Oobis dann? Auch hat der Ort nichts mit dem Baumarkt Obi am Hut.

Der Standort südöstlich von Bäretswil war früher ein kleiner Hof und ab Mitte des 20. Jahrhundert nur noch eine Scheune. Ab 2013 ist der Siedlungsname im Gis-Browser als Flurname auf der Landeskarte eingezeichnet. Die Bedeutung des Namens Oobis lasse sich vermutlich aus dem althochdeutschen Substantiv «ouwist» oder «ewist» herleiten, was so viel bedeute wie Schafhürde oder Schafstall.

Gschwader: Was schwabbelt da in Uster?

Früher war dieses Quartier ein kleiner Weiler zwischen zwei Erhebungen an der Strasse von Niederuster nach Werrikon. Heute ist der Ort ganz mit Uster zusammengewachsen. «Gschwader» leitet sich vom deutschen Geschwader ab, was in diesem Fall weder mit der Luftwaffe noch mit einer anderen Flugzeugformation zu tun hat.

Der Flurnamen lässt sich auf eine rauschende Bewegung im Wasser zurückführen: ein Schwall Wasser, dieser könnte auch für flüssigen Kot oder gebrauchte Waschlauge stehen, kann man in der Legende des Gis-Browsers nachlesen. Ursprünglich habe es sich wohl auf eine dortige Wasseransammlung bezogen. In dem Ortsteil von Uster habe man früher in kleinen Teichen Hanf oder Flachs eingeweicht, um daraus Leinenfasern herzustellen.

Chamibach bei Turbenthal.
Wussten Sie das? Rauschendes Wasser heisst auch Gschwader.

Hanfgarten: Grünes in Gossau – bei Grüningen

Als Hanfgarten oder -feld bezeichnete man ursprünglich eine Hanfplantage. Die Pflanze wurde zur Herstellung von Tüchern und Seilen kultiviert. Eine allfällige Verwendung als Rauschpflanze konnte für die ältere Zeit in Europa nicht nachgewiesen werden.

Der Anbau erfolgte meist auf kleinen, hofnahen Flächen, wo oft auch Flachs angebaut wurde. Der Namen Hanfgarten ist somit in der Deutschschweiz recht häufig. Der Weiler befindet sich im Südosten von Gossau, in der Nähe von Grüningen. Die Hanfpflanze bevorzugt feuchtwarme Böden, eine Voraussetzung, die in der Region rund um Grüningen und Gossau mit den vielen aktuellen und ehemaligen Feuchtgebieten gegeben war.

Sack: Säcke gibt es einige in der Region

So viele Orte namens «Sack» befinden sich im ganzen Zürcher Oberland: von Wald über Fischenthal, Turbenthal bis Seegräben. Diesen Siedlungsnamen findet man öfter, weil er sich auf eine ganz konkrete Topografie zurückführen lässt, die häufig anzutreffen ist. Das Gebiet sieht taschenförmig oder eben sackartig aus. «Ein von drei Seiten eingefangenes Geländestück», steht in den Erläuterungen. Das kann auch eine Ausbuchtung sein oder ein von drei Gewässern umflossener Ort.

Höckler: Lauter Leute, die sich in Volketswil ausruhen?

Die Häuser im Südosten von Volketswil, am unteren Hang des Hombergs, sind heute nur noch als Flurname kartiert. Die Deutung des Siedlungsnamens kommt vom Schweizerdeutschen Höck oder sitzende Stellung. Jedoch ist da auch der Ort des Sitzens gemeint, die Bezug darauf nimmt, wie die Häuser in der Landschaft sitzen. Der Höckler in Volketswil bezeichnete somit wohl die hockende Lage der Häuser am Hang oberhalb von anderen Bauten. Auch bezog sich dieser Name auf einen Ort zum Beisammensitzen, einen Treffpunkt: ein Höck. Der Begriff Höckler findet sich fast ausschliesslich im Kanton Zürich.

Chäsbrunnen: Ein Fondue in Wila?

Das unbewohnte Haus südlich von Wila steht am Hang der Tössegg. Im 17. Jahrhundert war hier ein Hof dokumentiert, den es in der Form heute aber nicht mehr gibt. Erst seit 1896 ist hier wieder ein Haus eingezeichnet. Der Name Chäsbrunnen bezog sich wohl auf eine Quelle mit käse- oder milchfarbigem Wasser. Der Grund dafür ist in der Geologie zu finden: Die Böden in dem Gebiet sind sehr kalkhaltig. Möglicherweise führte der eingeschwemmte Kalk zur Farbe des Wassers und verleitete damit zur Metapher mit dem Käse.

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