Geruch über Bäretswil hält Anwohnende wach
Das stinkt zum Himmel
Besorgte Bäretswiler tauschen sich auf Facebook aus, Nachrichten erreichen die Redaktion. Nachts stinkt es in Bäretswil – der Geruch kommt von Bauma aus der Giesserei Wolfensberger.
«Und schon wieder stinkt es», schreibt eine Nutzerin am 7. Oktober auf der Facebook-Seite «Du bisch vo Bäretswil, wenn …». Die Nachrichten häufen sich in der Gruppe, in der Kommentarspalte lässt man sich über den Geruch aus.
Es ist aber nicht nur Ärger, der hier aus den Reihen der Anwohner zu spüren ist, sondern auch Besorgnis. Denn woher der Geruch kommt und ob er schädlich ist, bleibt in den sozialen Medien reine Spekulation.
Es riecht metallisch, nach Chemie, giftig, wie Rauch – die Meinungen über den genauen Geruch gehen auseinander. In einem Punkt ist man sich jedoch einig: Der Geruch stört. Und zwar gewaltig.
«Die Wohnqualität in Bäretswil leidet!», schreibt eine Nutzerin der Facebook-Gruppe. Auch Anwohnende aus Bauma beschweren sich.
Abgase nicht schädlich
Zwischen den besorgten Kommentaren meldet sich Christian Fischer, Ressortleiter Gesellschaft der Gemeinde Bäretswil, zu Wort. «Wir selbst haben den Geruch auch bemerkt und versucht, diesen ausfindig zu machen», erklärt Fischer auf Rückfrage der Redaktion.
Die Gemeinde stehe seit einiger Zeit mit dem Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kantons Zürich in Kontakt. Auch mit Verantwortlichen der Firma Wolfensberger habe man bereits gesprochen.
«Das Awel hat Ausmessungen veranlasst, um zu prüfen, ob der Geruch giftig oder schädlich ist – dem ist nicht so», sagt Fischer.
Die Abgase sind stark verdünnt und entsprechend auch nicht gesundheitsschädlich.
André Masuhr
Geschäftsführer und Eigentümer der Eisen- und Stahlgiesserei Wolfensberger AG
«Der Geruch entsteht durch die Abgase, welche durch das Vergiessen von flüssigem Eisen und Stahl in mit speziellem Giessereiharz gebundenen Sandformen erzeugt werden», erklärt André Masuhr, Geschäftsführer und Eigentümer der Eisen- und Stahlgiesserei Wolfensberger AG. Die Überprüfung der Abgase erfolge regelmässig.
Diese seien stark verdünnt und nicht gesundheitsschädlich. «Die Messwerte unterschreiten immer deutlich die gesetzlichen Grenzwerte», so Masuhr in seiner schriftlichen Erklärung. Der Geruch sei üblich, zulässig und nicht gänzlich zu vermeiden.
Mehr Arbeit, mehr Geruch
Dass der Geruch nicht schädlich ist, ist das eine – dass er unangenehm ist und stört, das andere. «Ein Fenster geöffnet zu lassen, ist nicht möglich», schreibt eine Leserin der Redaktion.
Sie sei schon um 2 Uhr nachts wegen des Geruchs aufgewacht. Andere schreiben in den sozialen Medien, den Gestank auch morgens zu bemerken. Mancherorts bereits seit einem Jahr.
Masuhr erklärt die vermehrten Beschwerden mit einem erhöhten Arbeitsaufkommen. Nach der Bewältigung der Corona-Krise und der Explosion von Material- und Energiepreisen hätten sie es geschafft, das Auftragsvolumen zu steigern.
«Seit etwa einem Jahr arbeiten wir zweischichtig und seit mehreren Wochen auch in der Nacht im Dreischichtbetrieb.» Dies sei zum Fortbestand des Unternehmens notwendig. Entsprechend rieche es noch zu späteren Stunden, auch die Wetterlage der letzten Wochen und Monate komme hinzu.
Filterwechsel hat nur geringen Einfluss
Die Giesserei nutze zudem verschiedene Staubfilter, deren Filtereinsätze turnusmässig ausgewechselt würden. «Auch wegen der aktuellen Beschwerden wollten wir hier proaktiv die Filtereinsätze eines Filters früher wechseln», so Masuhr.
Aktuell gebe es bei den Herstellern der Filtertaschen Lieferschwierigkeiten, sodass der Wechsel erst in den nächsten Wochen möglich sei. «Der Einfluss auf den Geruch ist, wenn überhaupt, leider nur marginal», schreibt Masuhr.
Dass der regelmässige Wechsel der Filter die Geruchssituation für die Anwohnenden also kaum verbessern wird, sieht der Geschäftsführer und Eigentümer der Firma ein.
Gemeinde und Firma arbeiten an einer Lösung
Masuhr bedauert, dass sich die Anwohnenden durch den typischen Giessereigeruch gestört fühlen. Auch die Gemeinde nimmt das Anliegen der Bäretswilerinnen und Bäretswiler ernst. In Zusammenarbeit sei man gewillt, eine Lösung zu finden.
«Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und mit der Situation auch unzufrieden», schreibt Masuhr. Man arbeite aktuell intensiv und mit Unterstützung an Konzepten, um die Konzentration der Abgase stärker zu verdünnen und damit die Situation für die Anwohner zu verbessern.
Eine entsprechende Lösung dürfe letztlich aber kostenseitig nicht die Existenz des Unternehmens bedrohen, da die gesetzlichen Grenzwerte ja grundsätzlich eingehalten würden.
«Aber natürlich wollen wir nicht, dass es bei den Anwohnern zu stark nach Giesserei riecht und deren Leben durch uns negativ beeinflusst wird.»
