Lindauerin will Partnerbörse für Gemeinden errichten
Partnergemeinden gesucht
Anna Berwert will Partnergemeinden zwischen der Schweiz und Polen fördern. Das will sie mit einer unkonventionellen Idee umsetzen. Doch dafür braucht sie mehr Ressourcen.
«Stellen Sie sich vor, man würde Gemeinden so vermitteln, wie man es bei der Partnersuche kennt.» Auf einer Online-Plattform könnten Gemeinden ihre Vorzüge präsentieren und angeben, was sie in einer Partnergemeinde suchten. Im besten Fall wird gematcht.
Anna Berwert ist eine Lindauerin, die in der polnischen Stadt Kórnik geboren ist . Enthusiastisch verfolgt sie ein klares Ziel: Partnerschaften zwischen Gemeinden aus der Schweiz und aus Polen zu fördern. Dafür will sie eine solche Plattform entwickeln, ganz nach dem Prinzip des Online-Dating.
Partnergemeinden sind gang und gäbe, auch über Landesgrenzen hinaus viel zu beobachten. Dass eine solche eingegangen wird, kann unterschiedliche Gründe haben: manchmal sind es kulturelle Gemeinsamkeiten oder ein Unglück, das verbindet.
Berwert ist überzeugt: «Man kann so vieles voneinander lernen, vor allem wenn man Partnerschaften über Grenzen hinaus pflegt.» Aus einer tragischen Not und einer bittersüssen Wendung kam der Stein für ihr Vorhaben ins Rollen.
Lindau, der Ritter auf dem weissen Pferd
Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, wurde Polen von Flüchtenden überrannt. Berwert griff der Gemeinde Kórnik unter die Arme, die sie um Hilfe gebeten hatte, und schickte gesammelte Spendengüter. Doch sie benötigte Unterstützung. Diese suchte sie in ihrer Wohngemeinde Lindau.
Gemeindepräsident Bernard Hosang bat ihr diese ohne zu zögern an, und der Gemeinderat sprach eine Spende von 20’000 Franken aus, mit der Bedingung, dass diese ortsgebunden eingesetzt werden. Ausserdem wurden Laptops, die in Lindau ersetzt werden mussten, an eine Schule in Kórnik gespendet.
Die Lindauer Hilfsbereitschaft kam der polnischen Botschafterin Iwona Kozłowska zu Ohren, die sich mit einem Besuch persönlich bedankte. Auch Anna Berwert war beeindruckt und inspiriert zugleich: «Ich merkte, dass so langfristige Beziehungen entstehen könnten.»

Vorzüge einer Partnergemeinde seien vor allem kultureller und gesellschaftlicher Natur. Man könne sich über das Bildungssystem austauschen, über Immobilienbau oder auch gemeinsam Projekte für die Energiewende angehen.
Kórnik gibt jedoch einen Korb
Anna Berwert vermittelte den Kontakt zwischen Lindau und Kórnik und hoffte, dass sich dies zu einer Partnerschaft entwickeln würde. Beides seien wundervolle Gemeinden mit vielen Gemeinsamkeiten. Lindau war offen dafür. Doch die polnische Gemeinde war noch nicht dazu bereit.
In Kórnik entscheidet nämlich ein Rat von Senioren über Partnerschaften zwischen Gemeinden. Das sei eine Tradition, um alle Generationen ins politische Geschehen zu involvieren. Vorschläge kämen zwar aus der Bevölkerung, doch das letzte Wort habe der Seniorenrat. Berwert sagt enttäuscht: «Leider wurde Lindau wegen der Distanz ausgeschlossen. Dafür gäbe es mehr Aspekte in Betracht zu ziehen, als bloss den touristischen.»
Sie liess sich jedoch nicht desillusionieren und rief eine Initiative ins Leben, die Gemeindepartnerschaften zwischen der Schwiez und Polen fördert. Diese nannte sie «PL.Kontak.CH».
Die Ereignisse hätten ihr nämlich gezeigt, dass das Interesse in der Schweiz da ist. Auch wenn sich Kórnik gegen Lindau entschieden hätte, gäbe es genügend andere polnische Gemeinden, die gerne mit der Schweiz in Beziehung treten würden. Das habe sie am diesjährigen polnischen Wirtschafts- und Technologieforum in Bern miterlebt.
Die Initiative «PL.Kontakt.CH» kommt nun richtig ins Rollen. Man bespreche die nächsten Schritte und kümmere sich drum, neue Mitglieder an Bord zu holen. Die Initiative soll nämlich zu einem offiziellen Verein werden. «Gerade sind wir an den Statuten dran», sagt Berwert. Sobald diese abgenommen werden, sei der Verein bereit fürs Handelsregister.
Um diese Vision umzusetzen, muss «PL.Kontakt.CH» noch wachsen. Denn für die Umsetzung braucht es Ressourcen und Engagement jeglicher Art. «Vielleicht stelle ich mir das auch zu einfach vor», sagt Berwert, «aber ich bin zuversichtlich, dass wundervolle Partnerschaften entstehen können.»
