Nach Marktschluss geht es nochmal los
Landvogteimarkt Grüningen
Zweimal im Jahr wird das sonst eher ruhige Grüningen zum Hotspot der Region – der Landvogteimarkt lockt Tausende Besucherinnen und Besucher. Doch auch nach Marktschluss um 18 Uhr ist noch lange kein Ende in Sicht.
Der Duft von Chilbi liegt in der Luft – dabei ist die Saison dafür eher schon vorbei. Wer allerdings am Wochenende vom 7. und 8. Oktober rund um Grüningen unterwegs war, konnte sich trotzdem auf gebrannte Mandeln, Bratwürste und Zuckerkugeln freuen, denn der Landvogteimarkt hielt das 4000-Seelen-Dorf auf Trab.
«Während zweier Tage bieten Marktfahrerinnen und Marktfahrer vieles für Gaumen, Aug und Ohr», so stand es im Veranstaltungsflyer der Gemeinde mit historischem Stadtrecht.
Erleben und Entdecken konnte man die altbekannten und neuen Stände am Samstag und Sonntag bis 18 Uhr. Wer jedoch dachte, danach kehre Ruhe ins Grüninger Stedtli, der machte am Samstagabend grosse Augen und Ohren. Denn neben interessierten Besucherinnen und Besuchern des Markts strömte nach dessen Ende eine ganz andere Klientel in die Gässchen Grüningens.
Stände aus, Party an
Nachdem die Lichter in den Handwerksbuden, den Glaceständen und den Spielzeughändlern ausgegangen sind, fängt die Schicht von Joleen Landert erst an. Sie arbeitet seit zwei Jahren als Barmitarbeiterin in der Stedtli-Scheune in Grüningen, wo der Turnverein Grüningen die Party nach dem Markt organisiert. Sie ist im Verein, seit sie 16 Jahre alt ist – seither hilft sie auch am Fest mit.
«Der Turnverein ist wie eine zweite Familie. Da hilft man sich gegenseitig», sagt sie. Es mache Spass, mit den Kollegen zusammenzuarbeiten – und für sie mache die abendliche Party in der Scheune den Landvogteimarkt aus. «Durch die Einnahmen können wir uns finanzieren. Und die Feier macht allen Spass», sagt die Turnerin.
Dass es allen Spass macht, ist kaum zu übersehen. Die Leute feiern ausgelassen, singen zu Schlagerhits und Popmusik mit. Es gibt bunte Shots, Wein, Longdrinks und Bier in Massen – hier braucht niemand durstig zu bleiben. In der Scheune tummeln sich junge Gruppen von Männern, Pärchen, Freundinnen – und auch ältere Marktbesucher. Es ist ein fröhliches Beisammensein, während der DJ den Takt angibt.
«Früher hatten wir eine Band, aber das ist nicht mehr zeitgemäss», sagt Carlo Wiedmer, Gemeindepräsident von Grüningen. Auch er ist ein grosser Fan des Markts und erfreut sich daran, auch das junge Publikum am abendlichen Fest begrüssen zu dürfen.
Weiter unten in Grüningen, da gibt es auch noch ein Festzelt – es ist etwas ruhiger, man kann auf Festbänken sitzen, sich unterhalten. «Mit dem Angebot sprechen wir jede Altersgruppe an», sagt er. «Und darum geht es ja letztlich – es soll ein Fest für alle sein.»
Eine runde Sache
Und das ist es – ein Fest für alle. Denn neben klassischen Ständen, die man so kennt, bietet der Landvogteimarkt mit seinen Handwerksausstellern ein echtes Highlight. Hier trifft man auf eine Imkerei, die ihre Bienen dabei hat, auf Näherinnen, die ihre Kunst vorstellen, und auf Traktorchauffeure, die Motoren aufheulen lassen. Es ist wie ein kleines Museum aus einer anderen Zeit – und die Besucherinnen und Besucher tummeln sich staunend um die Aussteller.
«Der Markt ist jedes Jahr wieder einen Besuch wert», sagt Bernd Meili aus Stäfa. Er ist hier mit seiner Frau und ein paar Freunden. «Man kann den ganzen Tag hier verbringen. Essen, trinken, spazieren, kaufen. Und das Dorfleben geniessen. Wirklich eine runde Sache.»
Rund, das sind auch Marcel Betscharts Ravioli. Er ist das erste Mal am Landvogteimarkt in Grüningen, und zwar mit seinem Konzept «Mazing Pasta». Der Gossauer verkauft selbst gemachte Ravioli in allen erdenklichen Variationen – auch eigene Kreationen der Besucher können hergestellt werden.
«Tausende Besucher kommen zum Markt, das ermöglicht mir eine grosse Sichtbarkeit in der Region», sagt Betschart. «Mit meinen selbst gemachten Ravioli passe ich gut in die Gruppe der Handwerkskünstler!»
Betschart sieht im Markt eine Chance für sein Business – und reiht sich damit in eine lange Liste von Marktfahrern ein, die ihre Waren dieses Wochenende in Grüningen ausstellen.
Viele der Buden, die Essen anbieten, sind auch nach Marktschluss um 18 Uhr noch offen – denn das Partyvolk will verpflegt werden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass am Landvogteimarkt noch lang keine Ruhe einkehrt; kommuniziert wird die anschliessende «Party» nämlich offiziell seitens Grüningen nicht. Und trotzdem lockt das Fest Besucherinnen und Besucher an – weit über die Grenzen Grüningens hinaus.
Freude für alle
Wer denkt, in der Party-Scheune nur Freunde des Turnvereins oder Grüninger Urgesteine anzutreffen, liegt falsch – denn der Markt lockt auch Besucherinnen und Besucher von weiter her. So zum Beispiel Lea aus Winterthur, die über eine Stunde zum Markt angereist ist.
«Wir können immer in eine Bar in Winti oder in einen Club in Zürich gehen. Dorffeste sind etwas Besonderes», sagt sie. Der Markt sei hübsch, man könne die Handwerkskünste bewundern, durch die Gassen schlendern, ein Chnoblibrot geniessen – und abends in der Scheune feiern.
«Die Abwechslung macht es aus. Die Menschen hier auf dem Land sind anders – aber sie wissen mindestens genauso gut, wie man richtig Party macht», sagt sie lachend, bevor sie sich ein neues Bier bestellt.
Die Gässchen des Grüninger Dorfkerns beben an diesem Samstagabend noch bis tief in die Nacht, während kleinere und grössere Gruppen von Freunden und Bekannten zusammenstehen, lachen und trinken.
Sie gehören genau so zum Landvogteimarkt wie die Bratwurstbuden, die Marktfahrer mit allerlei Waren und die Handwerker, die ihre Arbeit vorstellen. Der allseits beliebte Markt bietet damit auch dieses Jahr wieder, was er verspricht: Freude für alle – weit über die Grenzen Grüningens hinaus.