Tösstaler Schüler beweisen ihr Können im Verkehrsrummel
Veloprüfung in Turbenthal
Die Gemeinden Turbenthal, Wila und Wildberg organisieren alle zwei Jahre eine gemeinsame Veloprüfung. Dabei können nicht nur die Schülerinnen und Schüler Neues lernen.
Die Tösstalstrasse macht ihrem Ruf als Lebensader der Region an diesem Mittwochvormittag alle Ehre. Unzählige Autos, Liefer- und Lastwagen schleusen sich durch das Zentrum Turbenthals.
Teil des regen Verkehrsaufkommens sind auch auffällig viele Velofahrer, ausgestattet mit Helm und Leuchtweste. Ein Warndreieck am Strassenrand klärt auf: «Verkehrsinstruktion» heisst es dort.
Heute gilt es nämlich ernst für 200 Fünft- und Sechstklässler aus den Gemeinden Turbenthal, Wila und Wildberg. Auf einem verzwickten Parcours, der mitten durchs Dorf führt, legen sie ihre Veloprüfung ab.
Seit acht Jahren organisieren die drei Schulgemeinden zusammen mit der Kantonspolizei (Kapo) alle zwei Jahre eine grosse gemeinsame Veloprüfung.
Sie führt jeweils durch Turbenthal, weil in Wildberg und Wila weniger tückische Verkehrssituationen auf kleinem Raum anzutreffen sind.
Freiwillige patrouillieren an Prüfung
Eine dieser kniffligen Stellen ist der neue Kreisel bei der reformierten Kirche. Während einige Schulkinder souverän und ohne das kleinste Anzeichen von Nervosität mittels Einspuren, Handzeichen und eines ordnungsgemässen Kontrollblicks den Kreisel passieren, sind andere hier deutlich wackeliger unterwegs.
Der Verkehr läuft derweil regulär weiter. Gut, sind die Kinder nicht auf sich allein gestellt. 20 freiwillige Aufpasser haben sich auf den Aufruf der Schule hin für einen Einsatz an der Veloprüfung gemeldet und haben die jungen Velofahrer vom Strassenrand aus im Blick.

Einer von ihnen ist Aitor Wyss, der sich an der Einfahrt des Kreisels beim Restaurant Landenberg postiert hat. Ausgestattet mit Warnweste und Walkie-Talkie, wartet er ab, bis die Schüler den Kreisel erreichen.
Über Funk gibt er seine Beobachtungen an Kollege Patrik Köchli weiter. Die ersten Ungenauigkeiten lassen nicht lange auf sich warten: «Das Kind mit der Nummer 174 ist jetzt in den Kreisel eingefahren, ohne Einspuren und Blick nach hinten.»
Kaum hat das Kind den Kreisel verlassen, zieht Köchli es aus dem Verkehr. Er schildert die Situation kurz und greift zur Zange. Und weg ist ein Punkt auf dem Kontrollblatt. Das Kind nimmt den Hinweis entgegen und düst weiter.
Auch Erwachsene können profitieren
Vier Fehler darf sich ein Schüler entlang dem Parcours erlauben, um die Prüfung mit dem Prädikat «bestanden» abzuschliessen.
«Man merkt recht deutlich, welche Schüler die Strecke schon kennen. Die Kinder aus Wila und Wildberg sind da noch etwas zögerlicher», analysiert er.
Für Köchli, der sich auch im Elternrat des Schulhauses Hohmatt engagiert, ist es der erste Einsatz als Streckenkontrolleur an einer Veloprüfung. Besonderes Know-how braucht es dafür nicht. «Wir haben eine Einführung erhalten, damit wir wissen, worauf wir besonders achten sollten.»
Durch das Lernen mit seiner Tochter, die ebenfalls unter den Prüflingen sei, sei er ohnehin mit dem Thema konfrontiert gewesen.
Die Eltern waren nämlich angehalten, die Verkehrssituationen, die die Kinder zunächst in der Theorie kennenlernten, im Hinblick auf die praktische Prüfung zu üben.
«Es tut gut, die Regeln auch als Erwachsener wieder einmal zu repetieren», sagt Köchli. Viele Erwachsene würden ihre Vorbildfunktion nämlich zu wenig wahrnehmen. «Erst, wenn man den Verkehr einmal genauer beobachtet, fällt auf, wie viele sich falsch verhalten.»
Keine Veloprüfung in den meisten Gemeinden
Den Rundkurs, der seinen Start- und Zielpunkt beim Schulhaus Hohmatt hat, hat sich Denis Flury, Kinder- und Jugendinstruktor bei der Kapo, ausgedacht. «Es ging darum, möglichst viele anspruchsvolle Manöver in den Parcours einzubauen.»
Darunter fallen vor allem Linksabbieger oder das Ein- und Ausfahren aus dem Kreisel. «Man hat während der Prüfung gemerkt, dass das viele nicht gewohnt waren», sagt Flury. In diesen Situationen seien die meisten Fehler passiert.
Trotzdem ist der Polizist zufrieden. Er musste nur neun Schülern ein negatives Ergebnis überbringen, 24 Schüler erhielten gar eine Medaille – sie meisterten die Theorie- und Praxisprüfung ohne Fehler.
Kindern, die nicht bestehen, wird empfohlen, weiter zu üben. Konsequenzen gibt es keine. Nicht zuletzt, da die Veloprüfung in weniger als einem Drittel aller Zürcher Schulen überhaupt durchgeführt wird – sie ist nicht obligatorisch.
«Natürlich wäre es wünschenswert, wenn noch mehr Schulen mitmachen würden», findet Flury, «auch wenn man dann irgendwann mehr Personal bräuchte. Aber den ersten Schritt müssen die Schulgemeinden machen.»
Die Herausforderungen für junge Verkehrsteilnehmer würden nämlich nicht weniger, im Gegenteil: «Der Verkehr nimmt stetig zu, gerade auch im Bereich Scooter und bei den elektrischen Fahrzeugen.»
Landkinder sind die besseren Velofahrer
Man merke am Niveau der Prüflinge, wo weniger Velo gefahren werde und wo mehr. «Schüler aus ländlicheren Gebieten schneiden tendenziell besser ab, weil sie im Dorf eher aufs Velo angewiesen sind», sagt Flury.
Und auch die Erwachsenen ermutigt er, sich die Verkehrsregeln wieder einmal zu vergegenwärtigen. «Gerade für diejenigen, die viele Jahre nicht Velo gefahren sind und sich dann ein E-Bike kaufen, bräuchte es eigentlich auch eine Veloprüfung.» Für Senioren bietet die Kapo bereits einen ähnlichen Kurs an.
«Ihr habt jetzt bewiesen, dass ihr es könnt», sagt Denis Flury, bevor er die Kinder in den Feierabend entlässt. «Deshalb: Fahrt bitte von jetzt an nicht mehr auf dem Trottoir. Und konzentriert euch auch auf dem Nachhauseweg!»