Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

So kommen Unternehmen aus der Region an ihre Stars von morgen

Auch Tösstaler Firmen haben die Vorteile des Berufswahl-Parcours als ideale Werbeplattform erkannt.

Ein erstes Eintauchen in die Arbeitswelt erlaubte den Jugendlichen, Berufspraxis und Teamspirit zu erleben.

Foto: Karin Sigg

So kommen Unternehmen aus der Region an ihre Stars von morgen

Berufswahl-Parcours in Rikon

Der Berufswahl-Parcours bietet Jugendlichen erste Einblicke in verschiedene Berufe. Gleichzeitig profitieren Unternehmen davon, Lernende akquirieren zu können – so etwa das Pflegezentrum Im Spiegel in Rikon.

Es ist kurz vor der Mittagszeit. In der Cafeteria des Rikemer Pflegezentrums Im Spiegel stehen sechs Jugendliche etwas schüchtern um weiss gedeckte Apéro-Tischchen herum. Sie nippen an ihrem Orangensaft und kosten von den verführerisch duftenden Häppchen.

«Ihr habt super gekocht!», lobt eines der Mädchen. Die Hackfleischgipfeli, Bruschette und gebrannten Crèmes wurden am Morgen frisch zubereitet. Nicht aber etwa vom Gastronomieteam, sondern von Schülerinnen der zweiten Oberstufe in Zell. Am Berufswahl-Parcours konnten sie die Gelegenheit nutzen, in drei verschiedene Lehrberufe einzutauchen.

Unternehmen aus der Region stellen an diesem Tag jeweils Schnupperplätze zur Verfügung. Meist geht es um eine Besichtigung des Betriebs mit Einblick ins Berufsumfeld.

Besonders beliebt ist bei den Sekundarschülern, dass sie sich danach selbst in einigen Tätigkeiten üben dürfen. Das Spektrum der Berufsgattungen war auch in diesem Jahr breit und reichte von Automechaniker über Florist, Landwirt bis zum Fleischfachmann.

Vier auf einen Streich

Wohl in kaum einem anderen Betrieb gibt es so viele Berufe unter einem Dach zu erkunden wie in einer Pflegeeinrichtung: Hier werden Fachleute Gesundheit (Fage), Köche, Fachleute Betriebsunterhalt und Kaufleute ausgebildet. Einige Mädchen und Jungen nutzten daher die Gelegenheit und tauchten gleich in zwei Arbeitswelten in derselben Organisation ein.

Man sieht zwei Jugendliche mit dem Rasenmäher.
Auch Rasenmähen will geübt sein: Als Fachfrau/-mann Betriebsunterhalt sind handwerkliches Geschick und technisches Verständnis gefragt.

Die 14-jährige Shae zum Beispiel besuchte zuerst die Pflegeabteilung des Spiegels, danach die Gastronomie. «Ich könnte mir vorstellen, später eine Lehre als Fage zu absolvieren, vielleicht in einem Spital», erklärt sie begeistert.

Damit ist sie nicht allein, auch Elena und Laura sind sehr angetan von ihrem Einblick ins Pflegeumfeld. «Es war interessant und auch lustig, selbst auszuprobieren, wie man eine Person mit einem Patientenheber vom Bett in den Rollstuhl setzen kann», verrät Laura.

Gemeinsam mit der Pflegefachfrau Jennifer wurde nicht etwa mit Bewohnenden «geübt», sondern mit den Schülerinnen als Testpersonen selbst.

Dabei gab es viel Gelächter, etwa wenn die Kollegin sich bei der grinsenden «Patientin» erkundigte: «Gehts, Frau Meier?» Diese «Trockenübungen» wurden extra in einem freien Zimmer ausgeführt, um die Bewohnenden nicht in ihrem gewohnten Alltag zu stören.

Man sieht Jugendliche unter Anleitung einer Pflegenden einen Patientenheber bedienen.
Mit einem Patientenheber vom Bett aufgehoben zu werden, war für viele Jugendliche eine eindrückliche und völlig neue Erfahrung.

Das Messen und das Bestimmen von Blutdruck und Blutzucker gefielen allen unisono. Auch Laura interessiert sich für die Fage-Ausbildung in einem Spital oder Altersheim.

Werden die Schülerinnen damit künftig unser Gesundheitssystem retten? Denn auch in Rikon ist der schweizweit bekannte Mangel an Pflegepersonal deutlich zu spüren, wie Geschäftsführer Rolf Tannò bestätigt: «Dies betrifft nicht nur die Fachkräfte, sondern alle Ausbildungsstufen.»

Glücklicherweise baue das Pflegezentrum Im Spiegel auf einen Kern von langjährigen Mitarbeitenden. «Eine gewisse Fluktuation unter den Jüngeren gab es schon immer und ist auch wichtig, damit sie Erfahrungen sammeln können», so Tannò.

«Es ist sehr erfreulich, dass sich doch einige Oberstufenschülerinnen, die uns am Berufswahl-Parcours besucht hatten, später für eine Lehre in unserem Betrieb entschieden haben», erzählt Claudia Brändli von der Personalabteilung.

Vorurteile über Altersheime abbauen

Dass viele Pflegeinteressierte ihre Ausbildung lieber in einem Spital absolvieren möchten, ist für Beatrice Rüegg, die Berufsbildungsverantwortliche Fage, nichts Neues: «Es ist in vielen Köpfen verankert, der Berufsalltag in einem Spital sei spannender als in einer Alterseinrichtung.»

Tatsächlich gelange eine Fage-Auszubildende in einem Altersheim oft schneller zu mehr Selbständigkeit.

Die verantwortlichen Personen des Spiegels sind sich abschliessend einig: Der Berufswahl-Parcours ist eine ideale Plattform, um jungen Menschen aus dem Tösstal die unterschiedlichen Professionen näherzubringen.

«Reinschnuppern ist wichtig für die Jugendlichen, um zu spüren, was sie interessiert», bestätigt Zeljko Rebic, Leiter Gastronomie, «deshalb sind wir recht unkompliziert, wenn wir für Schnupperlehren angefragt werden.»

Nicht zuletzt würden die Jugendlichen an diesem Tag einen anderen Bezug zu einer Alterseinrichtung erhalten. «Mit der Öffnung unseres Hauses versuchen wir auch, Vorurteile abzubauen», sagt Rolf Tannò.

Sei die Oma nach einem Sturz plötzlich auf Pflege angewiesen, werde sich das Enkelkind vielleicht einbringen in die Entscheidungsfindung.

Man sieht zwei Jugendliche ihren Apéro präsentieren.
Im Gastronomieteam zauberten die Schülerinnen Köstlichkeiten für den abschliessenden Apéro. Die meisten von ihnen kochen und backen auch zu Hause gern.

Der kleine, aber festliche Apéro wurde für die Vormittags- wie auch für die Nachmittagsgruppe aufgebaut und war als gemeinsamer Abschluss gedacht.

«Wir möchten damit unsere Wertschätzung ausdrücken und den jungen Menschen für ihr Interesse danken», bringt es Rolf Tannò auf den Punkt.

Irgendwann würden sie vor der Entscheidung stehen, wohin sie ihre Bewerbung schicken wollten. «Vielleicht fällt die Wahl dann auf unseren Betrieb», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns