Ein lustiger Vogel will ins Weltall – so, wie seine Figur Globi
Pfäffiker will ins Weltall
Atlant Bieri ist Autor der Globi-Sachbücher. Für seine Recherchen ist ihm kein Weg zu weit: Dafür wäre er sogar auf den Mond geflogen.
«Das Höchstalter ist 50. Also hatte ich noch zehn Jahre. Da musste ich unbedingt teilnehmen!», erzählt Atlant Bieri lachend. Als er las, dass nach langer Zeit wieder einmal Astronauten rekrutiert werden sollen, konnte er es kaum fassen. Er studierte das Inserat der ESA, die europäische Weltraumorganisation, genau. Mit knapp über vierzig durfte er sich noch bewerben. Und das tat er dann auch.
Bieri ist von Haus aus Naturwissenschaftler. Seit 2015 ist er Autor von Globi-Sachbüchern. Dabei erarbeitet er komplexe Themen und bricht sie so runter, dass sie für Kinder verständlich und interessant sind – und vor allem lustig. Es geht um Energie, Mikroben oder wie nun zuletzt um das Weltall. Das Buch heisst dementsprechend «Globi im Weltall».

«Eigentlich ist es fast unmöglich, so etwas zu machen. Deshalb ist diese Buchlinie auch so speziell», schwärmt Atlant Bieri. «Dafür muss man viel recherchieren. Das ist ein intensiver Prozess. Ich gehe dann zu Forschern ins Labor oder an Universitäten.» Dort sammle er Stapel von Informationen.
Von allem was er zusammentrage, käme nur ein Bruchteil ins Buch. Zum einen, weil der Platz begrenzt ist, zum anderen, weil die Materie durchaus komplex sei. Doch trotzdem eignet sich das Weltall hervorragend, um es Kindern zu vermitteln. Denn man könne es gut veranschaulichen.
Von Wackelpudding und eisernem Regen
«Exoplaneten sind Planeten aus anderen Sternensystemen. Und über diese kann man viel mit dem Teleskop herausfinden. Es gibt Exoplaneten, auf denen regnet es Eisen. Das ist so schräg! Aber man kann sich das trotzdem gut vorstellen», erklärt Bieri.
Für die Recherche bereitet er sich nicht besonders vor. «Das Wichtigste ist, ein unendliches Interesse für Phänomene zu haben. Was ich nicht verstehe, frage ich nach. So lange, bis ich es verstanden habe.» Dumme Fragen, meint Bieri, gebe es nämlich nicht.
Klar könne man ein Buch von einem Schreibtisch aus schreiben, winkt er ab, aber das sei einfach nicht authentisch. «Die guten Ideen kommen dann, wenn man sich in den Zug setzt und zu den Leuten fährt. Gags und Anekdoten im Globi-Buch sind aus dem echten Leben. Dafür musste ich mit Astronautinnen oder Astrophysikern sprechen.» Diesen Aufwand betreibe kaum jemand mehr. Aber es sei eben notwendig, um die wissenschaftliche Aktualität einzufangen.
Ein Globi-Buch schreiben ist wie auf den Mond zu fliegen.
Atlant Bieri
Hinter einem Globi-Buch stehe ein grosses Team: Illustrator, Verlagsleitung, Layouter, Korrektorat… «Ein Globi-Buch schreiben ist wie auf den Mond zu fliegen», erklärt Bieri, «es arbeiten viele Leute daran.» Wie etwa Daniel Frick, der «Globi im Weltall» illustriert hat. Frick gebe dem Ganzen Charme und auch visuellen Witz. Denn Globi entstehe aus seiner Hand.
Am meisten war Bieri an der Universität in Bern. Konzentriert erklärt er: Ein «Shaker» sei eine Platte, die einen Raketenstart simuliere. Damit teste man die Beständigkeit von Bauteilen. Verschiedene Raketen hätten verschiedene Frequenzen, und die Teile müssten diese unversehrt überstehen. «Ich habe blauen Globi-Wackelpudding auf den Shaker gesetzt. Dem ging es nach kurzer Zeit nicht mehr so gut.» Der Autor strahlt wie ein Honigkuchenpferd.
Lustiger und spannender
Stets an seiner Seite ist seine Familie. Sie begleiten ihn oft bei der Recherche, schiessen Fotos oder machen Videos. Ausserdem ist sein Sohn sein stärkster Kritiker. Durch ihn lernte er Affinität zu seiner Zielgruppe. «Bevor ich selbst ein Kind hatte, wusste ich gar nicht, was überhaupt Kinder sind!», amüsiert sich Bieri.
Mittlerweile ist sein Sohn ein Teenager. Was er von den Globi-Büchern hält, habe er schon immer zum Ausdruck gebracht. «Es muss spannender und lustiger werden. Das sind seine zwei Hauptsätze. Wenn es langweilig ist, dann sagt er mir das direkt», erzählt Bieri.
Seine Recherche führte ihn bis nach Florida zum Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Dort konnte er sich austoben. Er sah Space Shuttles aus der Nähe oder lernte von Astronautin Wendy Lawrence, die den Raketenstart wie eine «Achterbahn auf Steroide» beschrieb. Von der Tribüne aus konnte er sogar einen richtigen Raketenstart bewundern.
Kein Globi-Autor auf dem Mond
«Das hätte ich sein können!», ruft Atlant Bieri. Nachdem er sich als Astronaut beworben hatte, musste er eine flugmedizinische Untersuchung absolvieren. «Ich rief meinen Arzt an und erklärte ihm, was ich vorhabe. Der fand das wahnsinnig lustig und hat einen Spruch nach dem anderen geklopft.»

Einige Monate später bekam Bieri einen Bescheid von der europäischen Weltraumorganisation ESA. Leider hat er es nicht in die nächste Runde geschafft. «Ich dachte mir, ja, ist ja gut. Dann braucht es halt keine Globi-Autoren auf dem Mond!», sagt Bieri belustigt statt enttäuscht.
Für seine Recherche ist der Autor stets im Einsatz. Darum sei das Globi-Buch auch wunderbar, um Wissen zu vermitteln. Es ist von Vorteil, dass Globi ein grosses Stammpublikum habe. Aber das Wissen sei, anders als bei vielen Lehrmitteln, vor Ort erforscht geworden. Durch seine Hingabe ist es ihm gelungen, das Universum etwas näher ins Kinder- oder sogar Schulzimmer zu bringen.