Nun schlägt die Kirchenglocke in der Nacht nicht mehr
Neuer Klang in Schwerzenbach
Die Glocken und die Turmuhr der Kirche Schwerzenbach werden wieder flottgemacht. Für die Arbeiter ist es eine ungewöhnliche Baustelle mit dem einen oder anderen historischen Schmankerl.
Die Kirchenglocke in Schwerzenbach ist zurzeit stumm. Im dunklen staubigen Turm revidieren nämlich zwei Spezialisten die drei Glocken und die Uhr. Einer von ihnen ist Tobias Glur. Der 34-jährige Monteur ist sich das Arbeiten in Kirchtürmen gewohnt: «Im Sommer ist es schwül oder heiss und im Winter kalt.» Staubig und dreckig sei es nahezu immer. Er und sein Arbeitskollege mussten auch schon über Holzbalken laufen, die zentimeterdick mit toten Insekten überdeckt waren. Und für Leute mit Höhenangst ist der Job auch nichts.
Darüber beschwert sich Glur freilich nicht. Und die Arbeitsbedingungen sind in Schwerzenbach auch ganz angenehm. «Es ist einer der schöneren Dachstöcke», sagt er. Aussergewöhnlich sei, dass sich das Türmli in der Mitte der Kirche befinde, achteckig sei und nicht separat stehe.
Statt auf tote Insekten sind sie hier auf ein paar nette historische Überbleibsel gestossen. Etwa einen alten Lederriemen, der in den Turm führt. Damit haben die Leute früher die Glocken geläutet, sagt Glur. Ausserdem hat sich hier jemand die Mühe gemacht und Ereignisse aus den 1950er Jahren auf die Balken geschrieben. So ist etwa zu lesen, dass am 5. Februar 1956 der Greifensee zugefroren war.
800-Kilo-Glocke wieder sicher
Die reformierte Kirche in Schwerzenbach steht seit 1813. Somit dürften die Glocken, die im Originalzustand bleiben werden, gleich alt sein. Ausser den Abnutzungen auf der Innenseite, die durchs Läuten über die vielen Jahre entstanden sind, ist ihnen nicht viel anzusehen. Dagegen musste die Glockenaufhängung teilweise erneuert werden. «So braucht man die nächsten 40 Jahre keine Angst zu haben, dass die Achse bricht und die Glocke schief hängt», sagt Glur.
Dafür mussten sie die grösste Glocke, die beiden Monteure schätzen sie auf 800 Kilogramm, mit einer elektrischen Seilwinde abmontieren. Auf der verzierten Glocke steht «Kirchgemeinde Schwerzenbach» geschrieben. Ausserdem ist ein gottesfürchtiger Spruch eingegossen – ein üblicher Brauch, wie Glur weiss.
Neu sind die drei Klöppel, welche die Glocken schonen und einen volleren, schöneren Klang bringen sollen. Ausserdem bekommt die Anlage nun eine sogenannte Nachtschlagsperre. Damit will die Kirche spätabends bis frühmorgens den Glockenschlag aussetzen, der sonst jede Viertelstunde die Zeit anzeigt. Von 22 Uhr bis 6 Uhr schweigen künftig die Glocken.
Irritation beim Test
Tobias Glur und sein Arbeitskollege werden den Klang noch testen müssen. Gerade auf dem Land kann das irritieren. «Während der Arbeit sind auch schon Leute in die Kirche gerannt, um zu schauen, ob da jemand Schabernack treibt.»
Neben der Glockenanlage wird die Turmuhr restauriert. Ein neues Automatiksystem soll die mechanische Uhr und das Geläut so genau wie eine Atomuhr laufen lassen.
Für die Revisionsarbeiten hat die Kirchenpflege einen Kredit in Höhe von 113’000 Franken sowie einen Nachtragskredit von 9000 Franken genehmigt. Nach der Sanierung soll die Glocke offiziell das erste Mal am 7. Oktober um 6 Uhr schlagen.