Warum der Langlaufclub den Eishockeynachwuchs sponsert
Sport in Illnau-Effretikon
Eine App und schneearme Winter haben dem Langlaufclub First-Kyburg unerwartet Geld beschert. Ein Teil soll nun den jungen Spielern des Eishockeyclubs Illnau-Effretikon zugutekommen.
Der Langlaufclub (LLC) First-Kyburg hat ein Luxusproblem: Er hat eine mehr als gut gefüllte Vereinskasse. Gründe dafür gibt es zwei, wie Präsident Reto Maag erklärt. Der eine ist schön, der andere weniger.
Doch von vorn: Der Verein betreibt seit 1976 in First eine Loipe. 680 Meter über dem Meer gelegen, bietet der 6,5 Kilometer lange Kurs in der Illnau-Effretiker Aussenwacht an schönen Wintertagen einen prächtigen Ausblick auf die Alpen.
Schweizer Langlaufpass bringt Geld
Wer hier seine Runden drehen will, hat drei Möglichkeiten: Er löst einen Tagespass für 5 Franken oder eine Saisonkarte für 35 Franken. Oder aber er kauft sich einen Schweizer Langlaufpass für aktuell 160 Franken. Dieser ist landesweit gültig und damit auch in First.
Löst man nun über die App von Loipen Schweiz einen Saisonpass, wird man dazu aufgefordert, eine «Heimatloipe» anzugeben. «Und anscheinend gibt es im Raum Winterthur und Zürich viele Langlaufbegeisterte, die aus Goodwill oder auch Lokalverbundenheit unsere Loipe auswählen», erklärt Kassier Marc Bürgisser.
Auf die Langlaufbretter steigen diese dann zwar beispielsweise in Davos oder in der Lenzerheide, werden aber nichtsdestotrotz automatisch Vereinsmitglied beim LLC First-Kyburg.
Wir profitieren pro Saison von bis zu 200 verkauften Langlaufpässen, ohne dass deren Besitzer unsere Loipe nutzen.
Marc Bürgisser
Kassier LLC First-Kyburg
Die Einnahmen aus diesen Saisonpässen werden anschliessend nach einem fixen Verteilschlüssel – rund zwei Drittel zu einem Drittel – zwischen den Loipenbetreibern und der Loipen-Schweiz-Organisation aufgeteilt. «Wir profitieren pro Saison von bis zu 200 verkauften Langlaufpässen, ohne dass die Besitzer unsere Loipe aufgrund von Schneemangel nutzen könnten.»
Null Loipentage im letzten Winter
Und damit kommen wir zum zweiten Grund, warum die Kasse des Langlaufclubs First-Kyburg so gut dotiert ist: die immer milderen Winter.
Mit diesen schmelzen wie auf anderen tiefer gelegenen Loipen auch in First die Loipentage dahin. «In der letzten Saison waren es null», sagt Reto Maag und seufzt. Kein Vergleich zu den Spitzenjahren, wo in First pro Saison gut und gern 25 Tage und mehr geskatet werden konnte.
Zwar hat der Verein in den letzten 15 Jahren rund 230’000 Franken in einen Pistenratrak, zwei Schneetöffs, zwei Walzen und einen Unterstand investiert. «Nur bedeutet kein Loipenbetrieb auch keine Treibstoffkosten und Lohnkosten für die beiden Loipenunterhalter», erklärt Maag, Und da die Firster Bauern ihr Land dem Verein jeweils unentgeltlich zur Verfügung stellen, resultieren auch hier keine Ausgaben.
Da Langlauf und Eishockey beides Wintersportarten sind, macht das Ganze doppelt Sinn.
Gregor Bürgisser
Aktuar LLC First-Kyburg
Auf diesem Grund beschloss der Vorstand im Frühling, einen Teil der so aufgelaufenen Mitgliederbeiträge dem Jugendsport von Illnau-Effretikon zugutekommen zu lassen.
Kurz habe man sich überlegt, einzelne lokale Sporttalente zu unterstützen, erklärt Aktuar Gregor Bürgisser. «Damit hätten wir aber den Jugendförderpreis der Stadt konkurrenziert.»
Stattdessen habe man sich entschieden, einen Sportverein mit grosser Jugendabteilung zu sponsern, und sei beim Eishockeyclub Illnau-Effretikon (EIE) fündig geworden. «Und da Langlauf und Eishockey beides Wintersportarten sind, macht das Ganze doppelt Sinn.»
Nachwuchs erhofft
Und so kommt es, dass pünktlich zur Eishockey-Saisoneröffnung nun ein grosser Langläufer im Sportzentrum Effretikon Werbung für den LLC First-Kyburg macht. Und zwar prominent auf einem der fünf Bully-Kreise, wie die Anspielpunkte auf dem Spielfeld heissen.
Das Sponsoring läuft über drei Jahre und spült den Eishockeyanern insgesamt 4500 Franken in die Nachwuchskasse. Die Langläufer wiederum hoffen, mithilfe ihres prominenten Werbeauftritts bekannter zu werden: Anders als dem EIE mangelt es dem LLC First-Kyburg nämlich an Nachwuchs.
«Erst einmal aber hoffen wir jetzt auf einen richtigen Winter», sagt Reto Maag. «Dann können wir unsere Mitgliederbeiträge auch wieder dort investieren, wofür sie gedacht sind: in den Unterhalt der Loipe First-Kyburg.»

