Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

Ihr Auto stand 10 Minuten vor dem Notfall in Uster – 50 Franken

Sie wollte ihrer Freundin in einer Notfallsituation beistehen. Eine Hilfeleistung mit Folgen.

Vor dem Eingang des Notfalls im Spital Uster darf man nur ein- und aussteigen. Wie das in Notfallsituationen funktionieren soll, bleibt ungeklärt.

Foto: Marie Fredericq

Ihr Auto stand 10 Minuten vor dem Notfall in Uster – 50 Franken

Teurer Notfall

Anna Schmid fährt ihre Nachbarin in den Notfall im Spital Uster. Da es der Frau sehr schlecht geht, begleitet Schmid sie zur Anmeldung – und kassiert eine Busse, die keine ist.

«Meine Nachbarin rief mich an, weil es ihr sehr schlecht ging – daraufhin fuhr ich sie von Volketswil in den Notfall im Spital Uster», erzählt Anna Schmid*. Das sei am Donnerstag, 14. September, abends geschehen.

Um 22 Uhr seien sie vor dem Notfall in Uster angekommen. «Aufgrund ihres Zustands begleitete ich meine Nachbarin zur Anmeldung. Sie konnte kaum allein gehen», sagt Schmid.

Das Auto habe sie vor dem Notfall, in der gekennzeichneten Zone für kurzzeitige Ein- und Ausstiege, geparkt. Vor dem Eingang sei sonst kein Auto gestanden.

Die Parkplätze links vom Eingang (etwa 40 Meter entfernt) seien abgesperrt. Vom Parkhaus zum Notfall sei es für die Nachbarin aufgrund ihres Zustands zu weit gewesen.

Nach der Anmeldung sei Anna Schmid dann zurück zum Auto, um dieses vorschriftsgemäss ins weiter entfernte Parkhaus zu stellen. Zu ihrer Verwunderung habe sie nach zirka 10 Minuten bereits ein weisses Zetteli an der Windschutzscheibe vorgefunden.

Eine Umtriebsentschädigung (keine Busse) über 50 Franken. Für 10 Minuten parkieren – in einer Notfallsituation.

Besser umparkieren als helfen

Auf Rückfrage beim Spital Uster respektive der Liegenschaftsverwaltung habe man «schroff» reagiert und ihr mitgeteilt, dass man halt im Parkhaus hätte parkieren sollen.

«Aber genau dafür sind die Plätze vor dem Eingang doch da. Damit man Personen in Notfallsituationen begleiten kann», meint Schmid. «Ich wollte den Parkplatz nicht dauerhaft nutzen, sondern meine Nachbarin in der schwierigen Situation unterstützen.»

Sie versteht nicht, wie sie in der Situation anders hätte handeln sollen. «Wie soll das denn gehen, wenn eine Mutter mit einem Kleinkind kommt?», fragt sie. Man könne ja kaum ein Kind im Notfall stehen lassen, um das Auto umzuparkieren.

Sie habe daraufhin auch noch bei der Stadt nachgefragt – die Polizei sei dort nicht zuständig. Also müsse die Busse vom Spital selbst kommen.

Vorfall sei nicht rekonstruierbar

Die Redaktion Züriost konfrontierte Martine Frei, die Leiterin Marketing und Kommunikation des Spitals Uster, mit dem Vorfall, der von Anna Schmid geschildert wurde.

«Das Zustandekommen der Umtriebsentschädigung (50 Franken) kann nicht mehr im Detail rekonstruiert werden», schreibt Frei in ihrer schriftlichen Antwort zum Vorfall. Frau Schmid solle sich doch bitte nochmals bei der Liegenschaftsverwaltung des Spitals melden, um den Vorfall zu klären.

Des Weiteren schreibt sie, dass die gesperrten Parkplätze links neben dem Eingang aufgrund der von der Stadt vorgegebenen Maximalanzahl nicht nutzbar seien – denn das Parkhaus decke diese Anzahl ab.

Die Ein- und Ausstiegszone sei, wie bei vielen anderen Spitälern auch, lediglich für den Ein- und Ausstieg gedacht – und nicht als Dauerparkplatz. «Vor allem, um zu gewährleisten, dass den dringenden Notfallpatientinnen und -patienten jederzeit Parkplätze als Ein- und Ausstiegszone zur Verfügung stehen», schreibt Frei.

Dass Frau Schmid und ihre Nachbarin in einer solchen Situation waren, bleibt unkommentiert.

Grosszügiges Parkangebot im Parkhaus soll genutzt werden

Wie Anna Schmid und ihre Nachbarin konkret hätten reagieren sollen, darauf gibt es wohl abschliessend keine Antwort. Ebenso auf die Frage, was mit den abgesperrten Parkplätzen passiert, die nahe am Eingang liegen und damit eine Lösung für Notfallsituationen bieten würden.

Parkplatzsituation im Spital Uster vor dem Eingang
Die Parkplätze links vom Eingang des Spitals sind abgesperrt. Aufgrund einer von der Stadt Uster vorgegebenen Maximalanzahl von Parkplätzen dürfen diese nicht benutzt werden – das Parkhaus deckt diese Anzahl nämlich ab.

Laut Frei habe ein Grossteil der Patientinnen und Patienten sowie Besucherinnen und Besucher grosses Verständnis dafür und nutze bereits das geräumige neue Parkhaus an der Feldhofstrasse, das ebenerdig ein grosszügiges Parkangebot bereithalte.

Auf Rückfrage bei Anna Schmid erfahren wir, man habe sie bereits kontaktiert und melde sich wieder. Man habe ihr in der Mail mitgeteilt, der Sachverhalt sei an die Liegenschaftsverwaltung weitergeleitet worden, mit der Bitte, die Umtriebsentschädigung zurückzuziehen.

Wie vergleichbare Vorfälle in Zukunft gehandhabt werden, bleibt offen.

* Name geändert. Name der Redaktion bekannt.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns