Schüler befreien Wila von den Spuren des Litterings
Clean-up-Day im Tösstal
Fötzeln statt Büffeln: Schülerinnen und Schüler aus Wila sind am Clean-up-Day mit Greifarm und Müllsack durch die Gegend gestreift. Dabei sind sie auch auf Unübliches gestossen.
Noch etwas gemächlich zotteln die Primar- und Sekundarschüler aus Wila an diesem bewölkten Freitagmorgen in Richtung Werkhof Huebwies. Doch nach einem Schoggibrötli zur Stärkung sieht alles anders aus.
Während die meisten Primarschüler in Wandermontur und gutem Schuhwerk erscheinen, dominiert bei den «Grossen» das Alltagsschuhwerk schlechthin: weisse Sneaker. Ob sie heute weiss bleiben?
Für die rund 45 Kinder und Jugendlichen ist es kein gewöhnlicher Schultag – an der elften Ausgabe des nationalen Clean-up-Day tauschen sie Schultheke gegen Abfallsack, Füllis und Arbeitsblätter gegen Greifzangen und Handschuhe.
Die letzte Teilnahme in Wila liegt schon länger zurück – 2019 fand die letzte Aufräumaktion statt, allerdings in kleinerem Rahmen. Eine grosse Aktion wie heuer gab es letztmals vor acht Jahren.
Gemeinschaftswerk Clean-up-Day
Für die diesjährige Austragung spannen Politische Gemeinde, Schulen und der Naturschutzverein Turbenthal-Wila zusammen.
Das sei nicht immer so gewesen, betont Gemeinderat Michael Hutzli (parteilos), der das Ressort Soziales innehat. «Wir wollen zeigen, dass wir zusammen so einiges schaffen können, wenn jeder einen Beitrag leistet – wie schon beim Dorffest.»
«Muss ich eu durenummeriere?», mahnt Sek-Schulleiter Roman Gut seine Klasse. Nach harzigen Verhandlungen um die Gruppeneinteilung geht es sogleich ins Innere des Werkhofs, wo Putzausrüstung und Westen gefasst werden.
«Jedes Stück Plastik weniger, das herumliegt, ist eine Gefahr weniger für Tiere, die es fressen könnten», sagt Christoph Meili bei seiner Einführung. Er ist Vorstandsmitglied im Naturschutzverein Turbenthal-Wila und Ortsverantwortlicher für Wila.
Wenig später schwärmen die fünf gelb leuchtenden Putztrupps aus in Richtung Bahnhof, zum beliebten Badeplatz Toni-Gumpe oder an den nördlichen Dorfrand. Meili führt seine Equipe zuerst die Tösstalstrasse entlang, dann über die Wildbergstrasse in Richtung Müliweiher.
«Nehmt alles auf, was ihr seht», weist er seine Gruppe an. «Vor allem die kleinen Abfälle können Vögel krank machen.» Schon wenige Meter nach dem Start gibt es bereits genügend Gelegenheiten, sich zu bücken, zu verrenken und die Greifzange einzusetzen.
Wo Menschen sind, ist Abfall
Meili, der seit sieben Jahren in Wila wohnt, kennt die neuralgischen Stellen: Spielplätze, Bäche, der Strassenrand. Und er weiss: «Wo viele Leute sind, findet man in der Regel auch viel Abfall.»
Gerade auf der Wildbergstrasse kippten viele Autofahrer ihren Müll einfach aus dem Fenster. «Man ist halt anonym in seiner Kiste.»
Schnell füllen sich die grossen schwarzen Säcke mit Schnapsfläschchen, Bierdosen und jeder Menge Zigarettenstummel.
Doch die Greifarme sind nicht nur hilfreiche Werkzeuge fürs Abfallsammeln, sie eignen sich auch für spielerische Duelle und um einander die Baseballcaps zu stibitzen.
Während die einen sich batteln, philosophieren andere über Gott, die Welt und über die verstrickten Verwandtschaftsverhältnisse im Dorf: «Wele Teil vo dinerä Familiä wohnt scho wider da?», tönt es beim Vorbeigehen an einem Bauernhof.
Für Fünftklässler Lukas ist das Fötzeln kein Neuland. «Wir haben mit der Jugi nach dem Dorffest beim Aufräumen geholfen», erzählt er, während er bereits das zweite Cognac-Fläschchen vom Strassenrand aufhebt und in den Abfallsack bugsiert. Er findet die Aktion cool und will selbst mit gutem Beispiel vorangehen.
Von wahllos entsorgten Kühlschränken
Auch die Sek-Schüler Till, Silas, Elisa und Katja begrüssen den Einsatz der Schule am Clean-up-Day. «Es ist eine gute Sache, gerade weil die ganzen Hinweise gegen Littering anscheinend doch nicht so viel bringen», sagt Till.
Derweil fischt Elisa vor dem Bänkli des Müliweihers ein verwachsenes Stück eines Metalldrahts aus der Wiese. Die grossen, spektakulären Funde bleiben aus. Und doch werden die Müllbeutel zusehends schwerer.
«Hier sieht es besser aus als etwa im Manzenhueb, dort haben sie schon ganze Kühlschränke und Traktoren herausgezogen», erzählt Christoph Meili und erntet verdutzte Blicke.
Diese sogenannten wilden Deponien, von denen es in Wila mehrere gibt, will sich der Naturschutzverein in Zukunft vorknöpfen. «Dann aber eher nur mit den Erwachsenen, weil man dort ja wirklich nicht weiss, was man alles findet.»
Für heute aber kann sich das fleissige Helferteam zufriedengeben. Beim Zusammentreffen mit den anderen Gruppen zeigt sich erst, wie viele Abfälle die Schüler an dem kurzweiligen Halbtag zusammengetragen haben.
Bewusst handeln statt protestieren
Waren es bei «Gruppe Meili» eher die kleinteiligen Abfälle, gingen anderen Gruppen ganze Einweggrills, Kabeltrommeln oder Teile eines zerfallenen Holzschuppens ins Netz.
So oder so: Dass sie der Natur mit ihrem Einsatz etwas Gutes getan haben, dürfte heute allen klar geworden sein. Das greift auch Mitorganisator Michael Hutzli in seinen abschliessenden Worten auf, als die Schüler wieder auf dem Platz vor dem Werkhof eintrudeln.
Er gibt ihnen einen Rat mit auf den Weg: «Es gibt viele Wege, wie wir mit Abfällen umgehen können: Zum Beispiel können wir sie vermeiden, reduzieren, Dinge wiederverwenden und Kaputtes reparieren.»
Und er fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: «All das hilft der Natur mehr, als wenn ihr euch auf einer Autobahn festklebt.»