Er schafft Klarheit über den Kiestransport
Ärger in Hinwil und Wetzikon
Die Oberländer Bevölkerung ist genervt, denn die geplante Kies-Transportroute von Tagelswangen über Hinwil nach Bäretswil per Zug wirft Fragen auf. Markus Ruff von der Kies AG klärt auf.
Knapp 8 Millionen Kubikmeter kieshaltiger Boden sollen in Tagelswangen abgebaut werden. Die Kies AG (Teil der FBB) hat dafür den Auftrag von der Zürcher Baudirektion erhalten. Da das abgetragene Kies gewaschen und weiterverarbeitet werden muss, braucht es ein Kieswerk.
Organisatorisch würde es Sinn machen, das Kies in der Nähe der Abtragestelle zu waschen – das ist aber aufgrund der kantonalen Richtlinien nicht möglich. Deshalb wurde nach einer passenden Lösung gesucht: Das bestehende Kieswerk der FBB in Bäretswil schien am geeignetsten. Um das Kies zu transportieren, muss der Weg via Zug über Pfäffikon, Fehraltorf, Kempten und Hinwil bis hoch nach Bäretswil genutzt werden. Vor allem die letzte Teilstrecke liegt der Hinwiler Bevölkerung schwer auf dem Magen.
Zahlreiche Leserbriefe erreichen die Redaktion der Zürcher Oberland Medien dieser Tage. Offene Fragen stehen im Raum, Unklarheiten stiften Verwirrung. Deshalb klärt Markus Ruff von der Kies AG auf.
Warum hat man sich für das Kieswerk in Bäretswil entschieden?
Markus Ruff, Kies AG: Da sich das Abbaugebiet Tagelswangen auf landwirtschaftlichem Boden befindet, können wir kein neues Kieswerk vor Ort bauen – also muss das Kies abtransportiert werden. Der kantonale Richtplan sieht vor, 80 Prozent des abgetragenen Kieses von Tagelswangen mit dem Zug zu transportieren. Also braucht das bestehende Kieswerk, wo das Kies gewaschen werden soll, einen Gleisanschluss. Da ein Grossteil unseres Kieses nach dem Waschen in Hinwil weiterverarbeitet wird, haben wir vor allem die Strecke zwischen Effretikon und Hinwil für einen möglichen Standort inspiziert. Leider haben wir keinen Standort gefunden, der sowohl eine passende Grundstückgrösse als auch einen Gleisanschluss hat, womit unser bestehendes Kieswerk in Bäretswil die passende Lösung schien – das bietet nämlich beides, Gleisanschluss und Waschanlage.
Die Oberländer haben Zweifel. Die Bahnstrecke Hinwil–Bäretswil biete nicht genügend Sicherheit, der zusätzliche Verkehr werde zu laut. Was sagen Sie dazu?
Wir befahren die Strecke aktuell schon alle zwei Wochen. In Zukunft wird die Strecke in den ersten 16 Jahren maximal viermal täglich, für Hin- und Rückweg, an Arbeitstagen und zu Arbeitszeiten befahren. Die genaue Planung haben wir mit der SBB Cargo und dem Betreiber der Strecke, der Sursee-Triengen-Bahn angeschaut; das Projekt wird als realisierbar und sicher eingestuft.
In Bezug auf die Züge gab es Unklarheiten – sind es nun zwei oder vier Fahrten?
Geplant ist, dass zu Beginn täglich zwei Züge von Tagelswangen nach Bäretswil (und zurück) fahren – das ergibt vier Fahrten.
Und wie gross sind die Züge?
Diese Züge haben jeweils zwei Lokomotiven (vorne und hinten) sowie 16 Transportwagons. Die zwei Loks werden gebraucht, um genug Kraft aufwenden zu können, damit das Kies hoch nach Bäretswil gebracht werden kann. Dadurch kann der Lokführer sowohl auf dem Hin- als auch dem Rückweg vorwärtsfahren, und es gibt keine blinden Spots. Eine Zugtrennung in Hinwil ist nicht nötig.
Wie werden die Fahrten auf der Strecke denn aktuell gehandhabt?
Der Kiestransport aus dem Unterland, für den wir bereits seit Jahren die Strecke nutzen, wird in Hinwil geteilt. Das heisst, aus einem Zug mit 16 Wagen werden zwei Züge mit je 8 Wagen. Dieser Zug wird aktuell auf dem Rückweg nach Hinwil «rückwärts» gefahren. Es gab noch nie Probleme damit, und auch das gilt als sicher. Für das neue Projekt in Tagelswangen spielt das aber gar keine Rolle – denn aus Platz- und Zeitgründen wäre eine Zugtrennung in Hinwil bei dem neuen Aufkommen nicht möglich, weshalb wir mit zwei Loks je Zug fahren.
Auch bei den Höchstmengen gibt es ein Durcheinander. Was stimmt denn jetzt?
Die angegebenen Mengen sind Planungswerte. Bäretswil wird täglich eine planerische Höchstmenge von 2450 Kubikmetern Kies verarbeiten können. Tagelswangen kann aus dem Nordteil täglich maximal 2450 Kubikmeter liefern. Das Kies, das in Bäretswil ankommt, muss aber nicht zwingend zu 100 Prozent aus Tagelswangen geliefert werden. Da 80 Prozent des Kieses aus Tagelswangen aber mit dem Zug transportiert werden muss, hat das Abbaugebiet eine per Zug zu transportierende Höchstmenge von 2000 Kubikmetern Kies.
Und warum ist die Rede von 16 Jahren?
Das Abbaugebiet in Tagelswangen ist in zwei Gebiete aufgeteilt, den Nord- und Südteil. Der Südteil bietet vergleichsweise weniger Abbaumenge, weshalb wir uns dazu entschieden haben, damit zu starten. Da ein so routinierter Abtransport per Zug auch für uns neu ist, wollten wir «klein» anfangen. Dafür haben wir 16 Jahre Zeit. Für den Nordteil bleiben uns 10 Jahre, aber mehr Abbaumenge. Deshalb ist geplant, die Fahrten auf vier (respektive acht, bei Hin- und Rückfahrt) pro Tag zu verdoppeln, sobald wir anfangen, den Norden abzutragen – ansonsten können wir die Menge nicht in der Zeit transportieren. Wie gesagt, die Mengen sind Planungswerte. Ob der gesamte Kies aus dem Nordteil nach Bäretswil gefahren wird, können wir im Moment noch nicht abschliessend beurteilen.
Auch der Transport ab Bäretswil durch Wetzikon (Kempten) ist der Bevölkerung ein Dorn im Auge.
Wir können das Kies in Bäretswil zwar vom Zug abladen, aber nicht wieder beladen – dafür ist eine Verladevorrichtung nötig, wofür eine Anschlussgleisverlängerung gebaut werden müsste. Das Gebiet hinter dem Anschlussgleis ist aber ein Natur- und Waldschutzgebiet. Wir haben beim Kanton angefragt, ob wir die Verlängerung bauen dürfen, um das Kies auch wieder auf dem Zugweg weiter zu transportieren – das wurde dementiert. Dadurch bleibt uns nur der Transport per Lkw – und dieser führt uns durch Kempten. Wir haben alternative Optionen geprüft, und am Ende sind nicht viele übrig geblieben.
Stefan Lenz (FDP), Stadtrat aus Wetzikon, Ressort Hochbau und Planung, würde es begrüssen, die kritischen Punkte der Gestaltungsplanvorlage zu besprechen. Ist das auch in Ihrem Sinne?
Da Stimmen laut wurden, der Transport durch Wetzikon sei unerwünscht, haben wir erneut beim Kanton betreffend der Anschlussgleisverlängerung angefragt. Das wird nun noch abgewägt, und darauf warten wir vorerst – denn je nachdem muss der zusätzliche Lkw-Transport durch Wetzikon ja doch nicht sein. Sobald die genaue Planung steht, gehen wir aktiv auf die Gemeinden zu und versuchen, nicht gelöste Probleme gemeinsam anzugehen. Wir wollen nicht einfach den Weg des geringsten Widerstands gehen, aber die Optionen sind aufgrund von Restriktionen und Umständen einfach sehr begrenzt.
Was möchten Sie der Bevölkerung zum Abschluss gerne noch sagen?
Der Kanton und auch wir als Unternehmen sind darauf bedacht, den regionalen Kiesabbau zu fördern, um nicht auf andere Kantone angewiesen zu sein. Dabei reden wir nicht einfach von Material, das hin und her geschoben wird. Daraus wird Beton und Belag hergestellt, für unsere Strassen und unsere Häuser. Die Bevölkerung wächst rasch, es wird Wohnraum und Infrastruktur benötigt. Auch der geplante SBB-Eisenbahntunnel Brütten braucht zum Beispiel grosse Mengen an Beton – und den können wir mit dem Abbau zur Verfügung stellen. Wir verstehen, dass nicht jede Veränderung auf offene Ohren stösst. Aber letztlich geht es hier um uns alle, unsere Gemeinden, unser Oberland.