«Das Windpotenzial im Oberland sieht eigentlich recht gut aus»
Windradbesitzer im Interview
Josias Gasser betreibt in Haldenstein das grösste Windrad der Schweiz. Den Hittnauern empfiehlt er, zunächst einmal die möglichen Standorte auf ihre Tauglichkeit prüfen zu lassen.
Vor zehn Jahren haben Sie Ihre Windenergieanlage in Betrieb genommen. Würden Sie heute noch mit dem gleichen Enthusiasmus ans Werk gehen?
Josias Gasser: Ja, in jedem Fall. Es ist notwendiger denn je, dass wir auf dem Weg in eine CO2-freie Energiezukunft rasch ans Ziel kommen. Seit den Warnungen des Club of Rome 1972 treten wir an Ort. Letztlich ist ein solches Vorhaben immer eine Frage der Kommunikation – und wenn man Menschen mag, macht das Freude. Allerdings ist es auch immer eine Frage der Vernunft. Es gilt nur jene Projekte voranzutreiben, die auch Sinn machen.
Mein Ansatz ist: Taten statt Worte.
Josias Gasser
Windradbesitzer
Wie kommt ein Ökonom dazu, auf eigene Faust ein solches Projekt zu stemmen?
Als Unternehmer ist für mich klar: Es muss nicht nur ökologisch aufgehen, sondern auch ökonomisch. So verstehe ich nachhaltige Entwicklung, wenn die soziale Dimension auch stimmt. Die damaligen Rahmenbedingungen haben es auch Privatpersonen und kleinen KMU erlaubt, in solche Projekte einzusteigen. Mein Ansatz ist: Taten statt Worte. Und ich setzte den Hebel zusätzlich in der Politik an.
Sie haben sich zum Ziel gesetzt, zu beweisen, dass sich eine solche Anlage wirtschaftlich betreiben lässt. Tut sie das?
(Zögert.) Ja. Die Produktionskosten decken wir, wenn der Verkaufspreis die wahren Kosten, also inklusive Umweltkosten, zum Ausdruck bringt. Ohne die kostendeckende Einspeisevergütung des Bunds zur Förderung der Stromproduktion hätten wir als kleine Firma und die Bank das Risiko nicht tragen können.
Für uns ist es eine Punktlandung.
Josias Gasser
Windradbetreiber
Wie gross ist das Delta zwischen erwarteter und nun tatsächlich erbrachter Leistung?
Dieses Delta ist über die letzten zehn Jahre praktisch gleich null. Für uns ist es eine Punktlandung.
Haben betriebliche Auflagen, zum Beispiel für den Vogel- oder Fledermausschutz, grosse Auswirkungen auf die betriebliche Leistung?
Nein, in Franken ausgedrückt bedeutet der Abschaltmechanismus bei den Fledermäusen etwa 50'000 Franken pro Jahr. Das ist moderat und muss man als Unternehmer in Kauf nehmen, wie etwa auch fischverträgliche Restwassermengen.
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Welches waren die grössten Widerstände bei der Realisation der Windenergieanlage?
Politische. Ich war damals im Grossrat, und es wurde eine Petition in der geplanten Standortgemeinde Haldenstein lanciert. Ich habe dann aber nichts mehr gehört. Offensichtlich machten die Leute nicht mit. Die Petition wurde vom starken Wind verblasen. Eine Studie in der Ostschweiz zeigt auf, dass die Akzeptanz durchaus gegeben ist.
Das ist am besten: die Leute einfach einbinden, abholen.
Josias Gasser
Windradbetreiber
Genau das war ja ebenfalls ein Ziel von Ihnen, die Akzeptanz für solche Anlagen zu schaffen. Ist das wirklich gelungen?
Es ist mit vielen Gesprächen und mit der Tatsache gelungen, dass eine solche Anlage in der Nähe ist. Die Bevölkerung kann diese anschauen. All jene, die erzählt haben, dass solche Anlagen einen Riesenlärm machen würden, konnten sich vor Ort vom Gegenteil überzeugen. Sie sind verstummt. Das ist am besten: die Leute einfach einbinden, abholen.
Aber Sie haben dort auch einen idealen Standort, in einer Kiesgrube, nicht exponiert.
Das ist so, aber man muss ihn finden. Der Standort ist schon belastet, er ist im Tal unten und gut erschlossen. Darum packen wir nun ja auch eine zweite, grössere Anlage an. Der Kanton unterstützt das.
Der Widerstand hier in der Region gegen solche Anlagen ist gross. Eiswurf, Lärm, Beschattung, Lichtverschmutzung, Beeinträchtigung der Umwelt durch massive Fundamente und geteerte Zufahrtsstrassen, Gefahr für Tiere in der Luft und am Boden, optische Verschandelung, Werteverlust für Immobilien sind Argumente dagegen. Welche lassen Sie gelten?
Grundsätzlich lasse ich mal jeden Einwand gelten, bis er entkräftet ist. Also bis ein Ausgleich von Nutzen und Nutzungseinschränkungen erreicht ist. Es gibt natürlich Einwände, bei denen das schwieriger ist. Dort, wo man schliesslich baut, gilt es, nach Lösungen zu suchen. Meine Erfahrung ist die: Wenn man will, findet man immer Lösungen.
Zurzeit laufen Bestrebungen zu Mindestabständen zwischen Wohnhäusern und Windenergieanlagen. Hier in Hittnau werden mindestens 800 Meter gefordert. Was sagen Sie dazu?
Ich bin gegen solche Forderungen. Mich nimmt aber wunder, welche Motivation überhaupt dahintersteht. Ist es das eigene Wohl, oder geht es einfach ums Verhindern des Verhinderns willen. Wir stehen in Haldenstein auch relativ nahe bei Büros. Wenn diese ein Problem haben, nehmen wir das ernst und versuchen, dieses Problem zu vermeiden. Aber: Gewisse Dinge lassen sich einfach nicht vermeiden. Und dann kommt mein Ansatz zum Zuge: Ich vergleiche und relativiere. Das sieht man auch bei der Wasserkraft, die eben durchaus nicht nur Vorteile hat, denken Sie an Restwassermengen und die Fischerei. Keine Energie lässt sich produzieren, die nicht irgendwo auch negative Auswirkungen hat.
Wie beurteilen Sie das Windpotenzial hier im Oberland?
Ich bin positiv überrascht gewesen. Das sieht hier eigentlich recht gut aus.
Ein Mittel, das nach meinen Erfahrungen gut wirkt, ist das Geld.
Josias Gasser
Windradbetreiber
Und was raten Sie der Bevölkerung und der hiesigen Politik?
Die Standorte sollten nun gut abgeklärt werden, mit dem Fokus darauf, wo es wirklich Wind hat und wo die unproblematischsten Standorte sind. Rein objektiv betrachtet: Wo habe ich geringe Nutzungseinschränkungen. Und dann gibt es da immer noch ein Mittel, das nach meinen Erfahrungen gut wirkt: das Geld. Wir zahlen in Haldenstein auch für den benutzten Boden. Das ist Landwirtschaftsland. Der Bauer erhält eine Entschädigung. Dazu kommt, dass der Nutzen möglichst breit verteilt werden soll. Es darf nicht sein, dass die Bevölkerung das Gefühl erhält: «Wir haben den Nachteil, und die anderen kassieren ab.» Es geht um die Bürgerbeteiligung. Es muss nicht so viel sein, wir brauchen keine Rendite von 20 und noch mehr Prozent. Es geht um eine pekuniäre Motivation.
