Sie hat viele Hüte auf: Unternehmerin, Tanzlehrerin und Mutter
ReWi-Podcast
Wie ist es, eine Tanzschule zu übernehmen und dann festzustellen, dass die Konkurrenz auch weitermacht? Das ist Cécile Lehner bei der Gründung der Dance Gallery passiert.
Vor knapp zehn Jahren hat Cécile Lehner als 27-Jährige eine Tanzschule gegründet: die Dance Gallery in Effretikon. Diesen Frühling hat sie eine Veranstaltung organisiert, bei der 230 Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf der Bühne standen.
Die Dance Gallery ist nur einen halben Kilometer von derjenigen Tanzschule entfernt, wo Cécile Lehner davor selber Tanzen unterrichtete. Wie das entstanden ist und was es alles braucht, um einen Betrieb aufzubauen, das erzählt Cécile Lehner in diesem Podcast.
Frau Lehner, wie ist die Idee entstanden, selber eine Tanzschule zu gründen?
Ich habe während mehrerer Jahre an einer anderen Tanzschule in Effretikon unterrichtet. Plötzlich hiess es dort, dass der Betrieb bald eingestellt werde. Unter anderem, weil das Haus der Schule abgerissen werden sollte. Aber auch, weil die Tanzschule in einer Nachfolge geleitet wurde. Das war der Moment, als ich und eine andere Tanzlehrerin die Chance gesehen haben, diese Schule an einem anderen Ort weiterzuführen. Ich und meine Kollegin waren diejenigen, die am meisten Tanzschülerinnen und Tanzschüler hatten. So machten wir uns auf die Suche nach einer passenden Räumlichkeit und fanden schon bald eine, direkt am Bahnhof, auf der anderen Seite der Gleise.
Das heisst, die ursprüngliche Tanzschule gab es dann auch noch eine Weile?
Ja, nachdem wir uns entschieden hatten und schon mitten in der Planung steckten, haben wir erfahren, dass der ehemalige Inhaber seine Schule doch noch an eine andere Tanzschule verkaufen konnte: An einen Betrieb, der in der Region schon erfolgreich tätig war. Für uns war das natürlich ein kleiner Schock. Da kam schon ein wenig Angst auf. Die Frage stellte sich, ob die Tanzschülerinnen und Tanzschüler nun mit uns mitkommen. Unsere Ursprungsidee war ja, dass wir den Stundenplan eins zu eins übernehmen können, dass auch die Tanzlehrerinnen und Tanzlehrer mit uns mitkommen und wir den Betrieb nahtlos weiterführen, einfach an einem anderen Standort. Da haben wir schon gebibbert, aber wir hatten ein tolles Team beisammen und wurden von unseren Familien und Freunden unterstützt. Wir starteten mit 130 Schülerinnen und Schülern – und haben nach vorne geschaut und viele Events organisiert.
So auch die grosse Veranstaltung in diesem Frühling. Lief diese schon unter «Jubiläumsfeier»?
Nein, noch nicht, denn das zehnjährige Bestehen feiern wir erst im nächsten Jahr. Das wird wieder ein grosser Event werden. Den plane ich jetzt. Da stellt sich immer die Frage, wollen wir Workshops anbieten oder einfach Shows? Jetzt habe ich schon ein cooles Programm beisammen. Es werden auch zwei Sängerinnen auftreten. Eigentlich möchte ich einfach eine grosse Party feiern und der Tanzcommunity etwas zurückgeben.
Was gibt es denn eigentlich alles für Tanzstile an Ihrer Schule?
Jazz, Ballet, Breakdance, Hip-Hop, Latino-Mix, Contemporary, also zeitgenössischer Tanz, ein sehr beliebter Stil bei uns. Kreativtanz und Breakdance bieten wir für die ganz Kleinen an. Zudem gibt es Förderkurse für diejenigen, die noch mehr trainieren möchten. Wir haben auch schon dreimal an einer Schweizer Meisterschaft teilgenommen.
Sie sind Tanzlehrerin und Unternehmerin, wie bringen Sie die beiden Jobs unter einen Hut?
Das war nicht einfach, da ich selber zu Beginn nebenbei auch noch einen Job hatte. Da hatte ich meine fixen Arbeitstage, habe Tanzstunden vorbereitet und selber an Trainings teilgenommen. Das waren sehr volle Tage, eine Herausforderung, den Überblick zu behalten, inspiriert und kreativ zu bleiben. Seit fünf Jahren bin ich Mutter und leite die Tanzschule allein. Auch heute mache ich die Buchhaltung noch selbst, da hilft mir meine erste Ausbildung: Ich habe eine KV-Lehre auf einer Bank gemacht. Das ist natürlich sehr nützlich im Nachhinein.
