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Deshalb stinkt es zurzeit in Hinwil

Die letzten Tage hing eine säuerliche Duftwolke über Hinwil. Was war das?

Die Kehrichtverbrennungsanlage hat nichts mit dem unangenehmen Duft zu tun – vielmehr das Feld davor.

Foto: Eleanor Rutman

Deshalb stinkt es zurzeit in Hinwil

Güllenduft in der Luft

Momentan treibt die Hinwiler ein säuerlicher Gestank um: Viele fragten auf der Gemeinde nach, woher dieser üble Geruch kommt.

Seit Montag hängt eine säuerliche Duftwolke über Hinwil. Auch die ZO/AvU-Redaktion, die an der Zürichstrasse residiert, hat davon eine Nase voll bekommen. Erst dachte man, es handle sich um normalen Düngerduft, der bald vorbeigeht. Doch auch drei Tage später hängt der penetrante Geruch noch in der Luft. Fenster öffnen kommt nicht infrage. Woher kommt dieser Gestank?

Die Situation ist unangenehm, jedoch nicht verboten.

Seraina Brogli

Leiterin Abteilung Gesundheit und Umwelt

Die Gemeinde Hinwil hat sich am Mittwoch um das Thema gekümmert, da der Geruch je nach Windrichtung zeitweise bis ins Zentrum von Hinwil getragen worden ist. «Es ist erstaunlich, aus welch unterschiedlichen Standorten die Menschen bei uns angerufen haben», sagt Seraina Brogli.

Die Leiterin Abteilung Gesundheit und Umwelt besuchte am Mittwoch den betroffenen Acker mit einer Fachperson und kam zum Schluss: «Die Situation ist unangenehm, jedoch nicht verboten.»

Der stinkende Übeltäter in der Grösse eines Fussballfelds liegt im Westen von Hinwil, in der Nähe des Ferag-Areals und der Kehrichtverbrennungsanlage Kezo. Diese hat jedoch nichts mit dem Geruch zu tun.

Gärgase bewirken den Gestank

Vielmehr handle es sich um Material, welches zu früh auf dem Feld verteilt worden sei. «Es ist Kompost, der nicht fertig ausgereift ist, dieser produziert Gärgase, bis er trocknen kann», sagt Brogli. Der Prozess scheine sich hinauszuzögern, wenn es in der Nacht taue und tags darauf wieder die Sonne scheine, sagt sie.

Man müsse jedoch berücksichtigen, dass es verschiedene Arten von Kompostierprozessen gebe, sagt der Kompostierexperte Michael Kunz von der Kunz Baumschulen AG in Uster: Bei der anaeroben Vergärung komme das Material aus Biogasanlagen. Dieses müsste in einem aeroben Kompostierverfahren erst bearbeitet und sollte nicht direkt auf einem Feld verteilt werden.

Kompost sollte wie Waldboden duften

Diese Gärreste würden einen ziemlich dominanten Geruch verbreiten. «Das Material beginnt normalerweise nicht erst auf dem Feld zu stinken», sagt er. «Ein guter Kompost sollte wie ein Waldboden riechen, sonst ist etwas nicht sauber abgelaufen.»

Landwirt Hans Kunz, dem der Acker gehört, beschwichtigt. Am frühen Donnerstagabend pflügt er das Feld um, damit es mit Sauerstoff angereichert werden kann. «Es ist ganz normaler Grünkompost, der einfach noch nicht ganz ausgereift war», sagt er.

Kunz hat das Material aus Neuhaus von der Firma Blöchlinger bezogen, einem Betrieb, der sich um Aufbereitung und Entsorgung von Bodenmaterial kümmert. Kunz bedauert die Situation und fügt an, er habe das Gefühl, die Menschen würden immer sensibler auf Gerüche reagieren.

Laut Seraina Brogli liegt keine Gesetzeswidrigkeit vor. Auch die Gemeinde Hinwil hat mit Hans Kunz Kontakt aufgenommen. Er habe verständnisvoll reagiert.

Schon gegen Abend nimmt der Geruch in Hinwil etwas ab. Auch Brogli vermutet, dass dieses Phänomen in den nächsten Tagen verschwindet.

Bis dahin ein kleiner Tipp für alle Raucherinnen und Raucher, die sich dennoch für eine Zigarettenlänge vor die Tür wagen – frei nach Züri West: «Lueg zerscht gäng, wohär de Wind weht.»

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