Würste, Mondkuchen und vegane Rezepte aus dem Mittelalter
Genusswochen Zürioberland
Jetzt heisst es im Oberland wieder ran an den Speck – oder den Käse, den Wein, die Kartoffel. Zum 13. Mal öffnen regionale Produzenten und Gastronomen gebündelt ihre Türen.
Ein Kürbis-Heidelbeer-Pie vom Juckerhof in Seegräben, ein Gin-Tasting in der Vinothek Casa Poli in Bäretswil oder ein Mehrgang-Wildmenü im Gasthof Gyrenbad in Turbenthal: 35 Oberländer Produzenten und Gastronomen zeigen während der Genusswochen Zürioberland, was die Region an kulinarischen Schätzen zu bieten hat.
«Viele sind schon seit Jahren mit dabei», sagt Sabrina Honegger, Leiterin Geschäftsfeld Regionalprodukte beim Verein Standortförderung Zürioberland, die das Programm jeweils koordiniert. «Andere kommen hinzu und entwickeln – oft in Zusammenarbeit mit Partnern oder Lieferanten – neue Angebote.»
In der Westschweiz fest verankert
Die offiziellen Schweizer Genusswochen, an die das Oberländer Pendant angegliedert sind, beginnen eigentlich erst am 14. September. Doch in der Region startet man schon früher. Das Angebot ist laut Honegger über die Jahre gewachsen. «Deshalb machte es irgendwann mehr Sinn, die Veranstaltungen auf mehr Tage zu verteilen, um Konkurrenzsituationen zu vermeiden.»
Die Genusswochen Zürioberland finden vom 8. bis 24. September statt. Insgesamt gibt es 35 verschiedene Angebote. Alle Informationen sowie Anmeldelinks sind online zu finden unter www.genusswochen2023.ch.
Es ist bereits das 13. Mal, dass im Oberland der Genuss im Zentrum steht. Den Anfang machte die «Gnuss ’11», die jährlich stattfand und seit 2017 unter dem heutigen Namen läuft. «In der Westschweiz sind die Genusswochen – semaines du goût – in vielen Regionen fester Teil des Jahresprogramms», sagt Honegger. «Doch den Sprung über den Röstigraben haben sie nicht flächendeckend geschafft.» Der Verein Standortförderung Zürioberland setzt sich dafür ein, dass auch die Oberländer Produzenten und Gastronomen von dieser Plattform profitieren.


Die hiesige Auswahl bei den Genusswochen sei seit je relativ stark geprägt von Bier und Wein sowie Fleisch und Käse, sagt Honegger. «Das sind diejenigen Produkte, die hier vermehrt hergestellt werden.» So können Interessierte etwa gleich bei zwei Experten lernen, wie man wurstet. Sowohl bei der Illnauer Metzgerei Buffoni als auch bei «Das Pure» in Wetzikon werden die Würste zuerst von Hand gefüllt und dann direkt degustiert.
Etwas mehr Bewegung gibt es beim «Natur-Genuss zu Fuss», den Wanderleiterin Yvonne Oplatka anbietet. Auf einer rund vierstündigen Wanderung auf die Strahlegg und wieder hinunter ins Tösstal passiert der Wandertrupp gleich mehrere kulinarische Stationen. Unterwegs berichtet Oplatka über das obere Tössgebiet, seine Pflanzen und Tiere, die frühere Bevölkerung, deren Arbeit und was dieser Wald mit holländischen Kolonien zu tun hatte.
Mandelmilch aus der höfischen Küche
Eine Reise in die Vergangenheit steht im Ritterhaus Bubikon auf dem Programm. Bei einer Führung erfahren die Besucherinnen und Besucher, wie unterschiedlich sich die Leute im Mittelalter ernährt haben. «Der Hofadel hat natürlich ganz anders gegessen als einfache Bauern», sagt Museumsleiterin Noemi Bearth. «Überliefert sind primär Rezepte aus der gehobenen Küche, die für uns geschmacklich bestimmt interessanter sind als die Menüs aus tieferen Ständen.»
Beispiele, wie der höfische Adel gespiesen hat, werden direkt vor Ort eigenhändig gekocht. Hähnchen mit Trockenfrüchten an einer Mandelmilchsauce oder ein Lauchgericht mit Safran sind nur zwei Gerichte, die an dem Abend gemeinsam gekocht und verspeist werden.


Spannend dabei: «Da früher die Fastenzeit rund ein Drittel des Jahrs eingenommen hat, sind viele Rezepte vegetarisch oder gar vegan», sagt Bearth. «So war etwa Mandelmilch bereits im Mittelalter weit verbreitet und ist keineswegs eine moderne Erfindung.»
In diesem Zug soll auch mit dem Irrtum, die Küche im Mittelalter sei besonders fleischlastig gewesen, aufgeräumt werden. «Tiere wurden oft erst geschlachtet, wenn sie etwa auf dem Feld nicht mehr zum Einsatz kamen oder keine Milch mehr gaben.» Ein Arbeitstier sei viel zu wertvoll gewesen, um einfach auf dem Teller zu landen.
Asiatisches Erntedankfest in Dürnten
Eine noch einmal andere Reise gibt es in Dürnten. Im Rahmen der Genusswochen holt das Klangmaschinenmuseum (KMM) ein Stück Asien in die Region. Jeweils im September wird in verschiedenen asiatischen Ländern das Mondfest, eine Art Erntedankfest, gefeiert.

«Wir stellen die traditionellen Mondkuchen, die dann jeweils gegessen werden, mit regionalen Produkten von einem Hinwiler Bauernhof her», erklärt Susi Baumann, die im KMM für Events und Führungen zuständig ist.
Die Kuchen, welche es im KMM sowohl mit süsser als auch salziger Füllung gibt, werden am Mondfest an Freunde und Verwandte verschenkt. «Bei uns können Interessierte sie selbst zusammenstellen und essen», sagt Baumann. Dazu gibt es fernöstliche Fleischspiesse und Salate und als abschliessendes Highlight eine Teezeremonie.