Sie legten an der ZOM die Basis für eine neue Senioren-App
Wetziker Hackathon
Am Smart-City-Hackathon entwickelten kreative Teams digitale Lösungen für die Stadt Wetzikon, darunter auch eine App speziell für die Generation 60 plus.
Die zweite Auflage des Smart-City-Hackathons wurde an der Züri Oberland Mäss (ZOM) ausgetragen. Wer dieses Happening mitverfolgen wollte, wurde am Stand der Stadt Wetzikon von einem freundlichen Mitarbeiter auf eine abenteuerliche Reise geschickt.
«Durch den Vorhang, dann die Treppe rauf und links, ganz hinten im Glasraum.» Wie in einem Mafia-Krimi, wenn die Bösewichte in einem dunklen Hinterzimmer ihre dubiosen Pläne schmieden.
Die Spannung stieg mit jeder Stufe der sehr hohen Treppe im Wetziker Eisstadion. Beim Betreten des besagten Glasraums folgte die Ernüchterung: Hier waren weder Schummerbeleuchtung noch düstere Gestalten anzutreffen.
Vielmehr fand sich der Zuschauer in einem Raum voll kreativer Köpfe wieder, die angeregt miteinander diskutierten, fachsimpelten und Ideen austauschten.
Während 42 Stunden entwickelten interdisziplinäre Teams digitale Lösungen für die Stadt Wetzikon. Die Grundideen für die sechs verschiedenen Challenges stammen aus der Stadtverwaltung selbst. Anders als bei der letztjährigen Austragung, als die Themen von den teilnehmenden Teams eingebracht wurden.
Dies vor allem aus dem Grund, um die Kontinuität von der Ideenfindung bis zum Projektabschluss sicherzustellen. «In der Verwaltung spinnen wir die Fäden, die im Hintergrund zusammenlaufen», bringt es Stadtrat Stefan Lenz (FDP) auf den Punkt. Dieses Wissen sei nötig, um die Projekte nach ihrer Fertigstellung auch betreiben zu können.
Digitale Einbindung der älteren Generation
Eines der sechs Themen am Hackathon war die Entwicklung einer Senioren-App. Dort findet die Generation 60 plus in naher Zukunft alle für sie relevanten Angebote in einer übersichtlichen und einfachen Darstellung. Wo immer möglich soll diese Anwendung interaktiv agieren.
Wer sich bisher für den Mittagstisch anmelden wollte, musste das Angebot auf der Website suchen und sich telefonisch anmelden. «Künftig soll dies mit einem Klick in der App funktionieren», freut sich Barbara Hürlimann, Leiterin Gesellschaft und Soziales bei der Stadt Wetzikon. Sie leitet das Team Senioren-App und bringt sich mit ihrer Erfahrung in der Beratung der älteren Generation ein.


Mit der App wolle man nicht nur Angebote und Dienstleistungen bedarfsgerecht platzieren können. Durch Services wie Präventionstipps, Notfallkontakte oder einen Chatroom wolle man das selbstbestimmte Wohnen zu Hause erleichtern und der Vereinsamung im Alter vorbeugen. «Wir wünschen uns ein digitales Quartierwohnzimmer zum Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung», so Hürlimann.
Youtube-Videos schauen und Pflanzennamen suchen

Die Familie Gredler nutzt das Smartphone regelmässig. Frau Gredler hat sehr positive Erfahrungen im Fachgeschäft gemacht: «Die Fachleute haben mir bisher bei jedem Problem kompetent und sehr freundlich geholfen.» Musik hören, Youtube-Filme schauen, fotografieren und vieles mehr steht bei den Gredlers auf dem Programm.
Die Familie Sommer teilt sich ein Smartphone, vor allem bei Auslandsaufenthalten nutzt sie dieses für E-Banking. Frau Sommer sucht gerne nach den Namen der Pflanzen, die sie in der Natur entdeckt. Zu Hause steht noch ein Festnetzanschluss – wenn Herr Sommer allein unterwegs ist, greift er auf sein altgedientes Klapphandy zurück.
Ältere Menschen nicht ausgrenzen
Dass Senioren bereit sind für die digitale Welt, ist für sie nicht von der Hand zu weisen: «Studien bestätigen, dass 74 Prozent der Generation 65 plus online unterwegs sind.» Ältere Menschen, die offline seien, seien heute in der Minderheit und vorwiegend bei den über 80-Jährigen zu finden.
Wichtiges Kommunikationsmittel
Eine kleine Umfrage unter ZOM-Besuchern der Generation Ü65 bestätigt: Die Oberländer Senioren nutzen das Smartphone regelmässig und aktiv.
Bei Beat Schmid (73) beispielsweise ist die Umstellung aufs Smartphone problemlos erfolgt: «Ein Smartphone einzurichten, ist einfacher, als einen Computer zu installieren.» Vieles habe er noch von der Arbeit her gekannt. Er erledige nicht nur seine Zahlungen über das Telefon, sondern nutze auch soziale Medien wie Facebook und Whatsapp. Bei Problemen empfiehlt er anderen seiner Altersgruppe, jüngere Menschen um Hilfe zu bitten: «Der Generationenaustausch ist wertvoll.» Eine spezielle Senioren-App findet er für sich persönlich nicht notwendig.
Anders eine 85-jährige Dame, die froh wäre um eine altersgerechte Anwendung. «Man braucht ja bei vielen Dingen fast einen Kurs», empört sie sich. Inzwischen komme sie gut zurecht, in ihrem Umfeld finde sie im Bedarfsfall Hilfe.
In einer Ü80-Gruppe erzählt eine Dame, dass sie jeden Morgen ein Newsportal aufsuche und viel fotografiere mit ihrem Smartphone. «Vieles habe ich mir selber beigebracht», ist sie stolz, «und sonst helfen mir meine Enkel.» Ein Herr in derselben Gruppe bestätigt den Stellenwert des Smartphones: «Es ist enorm wichtig für uns, um zu kommunizieren.» Er würde allerdings einen kostenlosen Kurs begrüssen, um noch sattelfester zu werden. (ks)
Auch über 80-Jährige würden ein wachsendes Interesse an digitalen Angeboten zeigen, die Technik schrecke sie aber noch ab. Um diese Berührungsängste abzubauen, könnte sich Hürlimann Einführungskurse vorstellen, wie sie auch schon von Senioreninstitutionen – beispielsweise der Pro Senectute – angeboten worden sind.
Die Verantwortlichen brauchen das Rad nicht neu zu erfinden – als Basis dient die kürzlich ins Leben gerufene Jugend-App. «Alle Kanäle, auf denen wir an die Öffentlichkeit gelangen, werden von einer zentralen Datenbank eingespeist», erklärt Stefan Lenz.
So auch die Website der Stadt Wetzikon, die sich derzeit im Neuaufbau befinde. «Auf diese Weise müssen Inhalte nur zentral gepflegt werden und können auf verschiedenen Plattformen genutzt werden.»
Standort könnte noch besser sein
Die Idee, mit dem diesjährigen Hackathon im Rahmen der ZOM näher bei den Besuchern zu sein, ist mit dem gewählten Standort nicht optimal geglückt. «Es ist eine Herausforderung für die Teams, eine ruhige Arbeitsatmosphäre zu schaffen und gleichzeitig nahe beim Messepublikum zu sein», räumt Lenz ein.
Im nächsten Jahr werde man versuchen, den Arbeitsort ins Erdgeschoss zu verlegen, um die steile Treppe als Barriere zu vermeiden.
