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Gesellschaft

Eine Kürbisfrau polarisiert

Greta Thunbergs Kürbisfigur erntet Kritik an der diesjährigen Ausstellung «Frauen Power» - werden jetzt schon Kürbisse politisiert?

Greta Thunbergs Kürbisfigur steht auf dem Juckerhof in Seegräben und sorgt für Furore.

Foto: Simon Grässle

Eine Kürbisfrau polarisiert

Ausstellung Jucker Farm

Frida Kahlo, Justizia und Marge Simpson – die Kürbisausstellung «Frauenpower» der Jucker Farm bringt sie zusammen. Eine davon erntet Kritik: Greta Thunberg erhitzt die Gemüter, selbst als Kürbis.

Die Sonne steht steil über dem Juckerhof und schenkt den Besucherinnen und Besuchern einen sommerlichen Septembertag. Der Erlebnisbauernhof in Seegräben lockt Jung und Alt, alle sind gut gelaunt, Kinder tollen umher und streicheln Ziegen, Erwachsene geniessen den Weitblick auf den Pfäffikersee bei einer Tasse Kaffee, einem Stück Kuchen oder einem Bier.

Zwischen ihnen ragen meterhohe Kürbisfiguren in die Höhe: Marge Simpson und Kleopatra, Frida Kahlo und Jeanne d’Arc.

Sie alle sind Frauen, die die Welt bewegten – Fernsehstars, politische Kämpferinnen, Revolutionärinnen und Ikonen aus Weltgeschichte und Kultur. «Wir können der Frauenpower da draussen bei Weitem nicht gerecht werden. Aus Platz-, Zeit- und Machbarkeitsgründen mussten wir uns auf 14 Figuren beschränken», sagt Nadine Gloor, Marketing- und Kommunikationschefin der Jucker Farm. Die Kürbisfrauen können bis Ende Oktober auf dem Juckerhof in Seegräben und dem Bächlihof in Jona besucht werden.

Welche Figuren es jeweils in die Auswahl schaffen, wird in einem Gremium entschieden. Dieses besteht aus Mitarbeitenden der Höfe, der Kommunikation und aus Naturkunstprofis. Zuerst wird gemeinsam ein Ausstellungsthema beschlossen, dann werden die Figuren ausgesucht. Dabei dürfen alle mitreden. Eine wichtige Stimme ist Pit Ruge, der Künstler, der die Figuren aus Kürbissen baut – schliesslich muss er die Ideen in Kürbisform umsetzen können.

Pit Ruge – der Mann hinter den Figuren

Seit 20 Jahren baut der Künstler jedes Jahr die Ausstellungsfiguren für die Jucker Farm. Dafür bewohnt er mehrere Monate eine Waldwerft im Raum Stuttgart. Dort sägt, schweisst, hämmert und schnitzt der Künstler die imposanten Figuren mit seinen Kollegen, bevor sie in ihren Einzelteilen zu den Höfen der Jucker Farm transportiert werden. Der gelernte Mechaniker lernte die Jucker-Brüder bei einer Kürbisausstellung in Ludwigsburg kennen. Seither wird für die jährliche Ausstellung der Jucker Farm zusammengearbeitet.

Das diesjährige Thema soll breit repräsentiert werden: ein Mix aus Kunst, Kultur, Unterhaltung, Natur, Gegenwart und Geschichte. «An unseren Ausstellungen soll für jeden etwas dabei sein. Das Thema Frauenpower ist nicht nur spannend, sondern trifft auch den Nerv der Zeit. Und es provoziert», sagt Gloor.

Wohl wahr – denn besonders eine der Kürbisdamen sorgte bereits nach wenigen Ausstellungstagen für Kritik: Greta Thunbergs Kürbis-Double passt manchen Besucherinnen und Besuchern nämlich gar nicht.

Werden jetzt schon Kürbisse politisiert?

Stimmen wurden laut, man würde die Farm nun als politische Plattform nutzen. Aussagen wie «Die Gesellschaft wird schon genug gespalten. Nun werdet ihr auch noch politisch. Schade!» oder «Ein Grund, die Jucker Farm in Zukunft zu boykottieren» landeten im Posteingang des Unternehmens.

Während unseres Besuchs auf dem Hof empfanden wir die Stimmung als sehr gut, die Besucherinnen und Besucher freuten sich über die Ausstellung. Das diesjährige Thema wird als relevant und interessant empfunden – und auch Greta Thunberg in Kürbisform gefällt.

Die Besucherinnen und Besucher des Juckerhofs erzählen, was sie vom Ausstellungsthema und der Gretafigur halten. (Video: Simon Grässle)

Dass es auch Kritik gebe, sei normal. «Irgendjemand findet immer einen Grund, ein Thema oder eine Figur zu kritisieren und uns das auch wissen zu lassen», sagt Gloor. Dass die Farm einige der Hof-Fans verlieren könnte, sei schade. Man habe Greta Thunberg aber aus gutem Grund gewählt. «Sie ist eine junge Frau, die bereits enorm viel erreicht hat», erklärt Gloor.

Greta Thunberg hat als Schülerin eine globale Bewegung gestartet, eine ganze Generation geprägt, vor den UN gesprochen. «Ob man sie mag oder nicht, sie ist eine wichtige weibliche Figur der Gegenwart. Ausserdem setzt sie sich konsequent für etwas ein, das auch uns sehr am Herzen liegt», ergänzt sie. Der Klimawandel ist besonders für Unternehmen in der Landwirtschaft ein zentrales Thema.

Nachhaltig, nachhaltiger, Kürbisgreta

Die Farm lebt von und mit der Natur – sie ist das Kapital des Erlebnisbauernhofs und der Grund, weshalb die Besucherinnen und Besucher die Höfe der Jucker Farm so lieben. Der Klimawandel und die damit einhergehenden Wetterextreme betreffen die Höfe direkt.

«Die Themen Klima und Nachhaltigkeit beschäftigen uns sehr und sind zentral für unser Bestehen. Deshalb machen wir darauf aufmerksam, und zwar seit Jahren – nicht erst seit der Greta-Figur», sagt Gloor.

Der Betrieb befinde sich in der Umstellung zur regenerativen Landwirtschaft und versuche als Unternehmen Nachhaltigkeit zu leben, zum Beispiel Food-Waste zu vermeiden.

Nach der Ausstellung kommen die Kürbisse, aus denen die Figuren sind, in die Biogasanlage und werden zu Dünger weiterverarbeitet. Der landet letztlich auf dem Feld und schafft damit optimale Bedingungen, um nächstes Jahr neue Kürbisse wachsen zu lassen. Richtig nachhaltig, diese Kürbisgreta.

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