Tierschützerin aus Zell engagiert sich für streunende Hunde und Katzen
Neuer Verein im Tösstal
Tiere sind Jirina Volfovas Leidenschaft. Ihr neuer Verein hat sich herrenlosen Hunden und Katzen verschrieben. Angefangen hat alles mit einem bezeichnenden Erlebnis in den Türkei-Ferien.
Dass Jirina Volfova eine Leidenschaft für Tiere hat, ist schon beim Besuch in ihrer Wohnung in Zell kaum zu übersehen. Von einem Wandbild aus wacht eine Katze über das Wohnzimmer. Ein Kratzbaum, der mehr einem Abenteuerspielplatz für Stubentiger gleicht, ragt hinter der Couch auf.
Doch Volfova kümmert sich nicht nur um das Wohl ihrer vier Hauskatzen. Vor rund drei Monaten hat sie den Tierschutzverein Hayvan Şans gegründet.
Wie der Name – er besteht aus den türkischen Begriffen für «Tier» und «Chance» – vermuten lässt, will der Verein verwaisten Tieren helfen.
Angefangen hat alles in den Ferien in der Türkei. «Am Strand, den wir besuchten, ist mir und meiner Schwester aufgefallen, wie viele Strassentiere es dort hat.»
Kastrieren statt Adoptieren
Schnell war den beiden klar, dass sie nicht tatenlos zuschauen können. «Die vielen verwaisten Welpen, die wir angetroffen haben, hatten Verletzungen an der Haut und wahrscheinlich auch Parasiten», erinnert sich Volfova.
Die beiden Tierfreundinnen machten sich auf die Suche nach Tierärzten, die ihnen dabei halfen, die jungen Hunde medizinisch zu versorgen. Einmal fündig geworden, wussten sie: Es sollte nicht bei einer einzelnen guten Tat bleiben.
Neben dem verwahrlosten Zustand der Strassentiere in Antalya ist eines der Hauptprobleme nämlich, dass sie nicht kastriert sind und sich daher fast unkontrolliert vermehren. «Die Menschen, die hier leben, sind zwar auch mega tierlieb, aber sie können oft nicht mehr tun, als den Hunden etwas Wasser und Futter zu geben.»
Zuerst habe sie überlegt, sich dafür zu engagieren, dass die Tiere neue Besitzer finden. «Doch dann bin ich zum Schluss gekommen, dass es sinnvoller ist, ihnen direkt vor Ort zu helfen.»
Verein ist «Familiensache»
Tieradoptionen begrüsst die 32-Jährige zwar. Zwei ihrer Katzen sind ebenfalls adoptiert. Das «Importieren» von Hunden und Katzen im grossen Stil hält sie aber nicht für zielführend.
«Klar, für ein Tier verändert man damit die Welt. Aber man setzt es auch einem unnötigen Stress aus», so Volfova. «Und die Tierheime in der Schweiz sind ja auch voll.»
Deshalb hat Hayvan Şans einen klaren Fokus: Mit Spenden aus der Schweiz will der neu gegründete Verein aus Zell Kastrationen und medizinische Versorgung in der Türkei – und in Zukunft vielleicht auch in weiteren Ländern – finanzieren. «Das hat eine grössere Wirkung als eine Adoption aus einem anderen Land.»
Mit 15 oder 20 Franken können wir schon extrem viel bewegen.»
Jirina Volfova
Gründerin Tierschutzverein Hayvan Şans
Auf ihrer Mission kann Jirina Volfova auf die Unterstützung der Ärzte aus Antalya zählen: «Sie kommen uns mit dem Preis extrem entgegen.» Anstatt dem üblichen Betrag, umgerechnet rund 120 Franken, verrechnen die Ärzte nur zwischen 25 und 50 Franken pro Kastration.
Für den guten Zweck des Vereins scheuen auch die anderen Familienmitglieder keine Mühen. «Meine Mutter stellt Fotos für den Eröffnungsanlass zusammen, meine ältere Schwester ist für das Rechtliche und Administrative zuständig, und meine jüngere Schwester wird sich um die Website und die sozialen Medien kümmern.»
Spendenparty für Strassentiere
Mitte September organisiert der neue Tierschutzverein einen ersten Charity-Anlass in Wallisellen – mitsamt Sängerin, Pole-Akrobatik-Einlagen und DJ.
An diesem will Jirina Volfova ihr «Herzensprojekt» vorstellen und erste Gönnerinnen und Gönner für sich gewinnen. «Mit 15 oder 20 Franken können wir schon extrem viel bewegen», betont die Tierschützerin. «Ich bin schon zufrieden, wenn wir an dem Abend 200 Franken sammeln können.»
Mit ihrem Verein will sie bewusst nicht nur Menschen aus dem Tösstal ansprechen. Deshalb hat sich Volfova entschieden, den Anlass in Wallisellen durchzuführen. «Ich kenne viele Leute aus anderen Teilen der Schweiz, also dachte ich, ich mache einen Anlass an einem zentralen Ort.»
Aber auch in der Region spürt sie die Unterstützung für ihr Anliegen. «Am Dorffest Wila habe ich mich mit einigen Leuten ausgetauscht und viele positive Rückmeldungen bekommen», sagt die gebürtige Tschechin, die seit sieben Jahren im Tösstal wohnt. In Zukunft kann sie sich vorstellen, auch hier ein Event zu veranstalten.
Obwohl Hayvan Şans erst seit Anfang Juni aktiv ist und noch so gut wie gar keine Werbung gemacht hat, sind bereits mehrere Spenden eingegangen. Die allererste stammte von einer Freundin. «Sie wusste von meinen Plänen und hat zu meinem Geburtstag 50 Franken gespendet. Das hat mich natürlich sehr gefreut.»
Jeder Franken zählt
Der Aufwand, einen Verein zu gründen, sei dennoch nicht zu unterschätzen, betont Volfova. «Das Schreiben der Statuten hat mir einiges abverlangt, und der Handelsregistereintrag war nicht gerade günstig.»
Um Kosten zu sparen, will Volfova auf Promomaterial wie Kalender, Postkarten oder Ähnliches verzichten – anders als etablierte Hilfswerke. «Wenn ich solche Geschenke erhalte, denke ich immer, ‹damit hätte man einem Tier helfen können›. Bei uns soll jeder Franken den Tieren zugutekommen.»
Zuerst fliessen aber noch einige Franken in ein Flugticket – der nächste Besuch in Antalya ist nämlich bereits für Ende September geplant. Dort wird sie weitere Strassentiere einsammeln und den Ärzten unter die Arme greifen. «Es erfüllt mich immer extrem, wenn ich sehe, wie sehr sich die Tiere freuen, dass ihnen jemand hilft.»
Der Charity-Anlass von Hayvan Şans findet am 16. September ab 17.30 Uhr im 6. Obergeschoss des Glatt Towers in Wallisellen statt. Die Veranstalterin bittet um eine kurze Anmeldung unter Telefon 079 137 30 64.