Wenn ein ganzes Dorf für das Vereinsleben einsteht
Feldschützenverein Fischenthal feiert
Der Gemeinderat wollte sie schliessen. Doch die Fischenthaler Feldschützen kämpften für ihre Schiessanlage – mit sichtbarem Erfolg.
Unmittelbar nach dem Ortsschild «Fischenthal» steht das Schützenhaus Oberhof. Direkt an der Strasse, etwas abseits der Häuser. Weiter hinten am Waldrand ist der Scheibenstand auszumachen.
Die Zielscheiben sind von eins bis acht nummeriert, dahinter prangt auf einer neu errichteten Schutzmauer in leuchtenden Lettern «FSV Fischenthal». Diese unscheinbar anmutende Mauer hat den Feldschützenverein (FSV) Fischenthal und mit ihm das ganze Dorf in Aufregung versetzt.
Oder besser gesagt, das Fehlen von besagter Mauer mit entsprechenden Kugelfangboxen. «Der Kugelfangbereich der Schiessanlage war beim Kanton als sanierungsbedürftiger Standort erfasst», erklärt Christian Müller, Präsident des Feldschützenvereins.
Heisst konkret: Abgefeuerte Kugeln landeten nach der Zielscheibe direkt im dahinterliegenden Kugelfang, der aus einem Erdwall und einem Konstrukt aus Eisenbahnschwellen bestand. Das Blei ist darin stecken geblieben, und die Ablagerungen sind dann ins Regenwasser und über das Drainage- und Abwassersystem direkt in den Bärenbach gelangt.
Das Awel (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft) forderte im Jahr 2018 aus diesem Grund eine Schutzmauer hinter dem Zeigerstand und ein emissionsfreies Kugelfangsystem.
Doch da mit der Anlage des Militärschützenvereins Strahlegg bereits eine sanierte Anlage in Fischenthal existiert, konnte sich die Gemeinde aus der Verpflichtung nehmen. Die Kosten würde somit der FSV Fischenthal tragen müssen.
Nacht-und-Nebel-Aktion gestartet
«Wir erfuhren erst sehr spät von einer möglichen Schliessung», erinnert sich Müller. Als die Vorstandsmitglieder hochgerechnet hätten, welche Kosten auf den Verein zukommen würden, seien Zweifel aufgekommen: «Schaffen wir das?»
Doch sie konnten einander motivieren und klapperten das Dorf nach Sponsoren ab. «Innerhalb von kürzester Zeit stellten wir einen Finanzierungsplan auf die Beine», so Christian Müller.

Die benötigten 100’000 Franken würden je zur Hälfte von Vereinsmitgliedern und vom umliegenden Gewerbe getragen werden. Termingerecht vor der Gemeindeversammlung im Juni 2018 lag der Finanzierungsplan vor.
Nach dem Antrag des Gemeinderats, die Anlage zu schliessen, konnte der Gegenantrag präsentiert werden. Die Bevölkerung nahm ihn einstimmig mit 136 zu 0 Stimmen an. «Unser Dorf hält zusammen», freute sich ein strahlender Vereinspräsident.
«Als dann die Bauarbeiten starteten, war das ein besonders ergreifender Moment», sinniert er. Um Kosten zu sparen, packten die Vereinsmitglieder, so oft es ging, selber an. Rund 1000 Arbeitsstunden investierten sie in ihrer Freizeit. «Einige opferten gar Ferientage, um der angerückten Baufirma unter die Arme greifen zu können.»
Dankenswerterweise hätten die ortsansässigen Gewerbler grosszügige Eigenleistungen erbracht, und einige der Vereinsmitglieder seien praktischerweise im Baugewerbe tätig. «Um weitere Investitionen tätigen zu können, mussten wir die Suche nach zusätzlichen Sponsoren ausweiten. Jeder wurde somit noch mehr gefordert.»
«Wenn schon, denn schon», schienen sich die umtriebigen Fischenthaler zu sagen. So rüsteten sie den Zeigerstand neu auf, restaurierten die Scheibenlifte und renovierten den kleinen «Bunker» so, dass er für die nächsten Jahre Regen, Wind und Wetter standhält. Zudem mussten acht neue Kugelfänge angeschafft werden. Das sind die Stahlboxen hinter den Zielscheiben, welche die Geschosse abfangen.
Unser Dorf hält zusammen.
Christian Müller
Präsident Feldschützenverein Fischenthal
Auch der Schiessstand wurde aufgerüstet und mit einer neuen Trefferanzeige ausgestattet, weil es für die alte Anlage keine Ersatzteile mehr gab. Sie entspricht damit dem aktuellen Standard. Die Resultate können so präziser gemessen und gleich auf kleinen Bildschirmen von den Schützen eingesehen werden.
Schützenstube erstrahlt in neuem Glanz
Doch bald wurde klar, dass noch ein weiterer Punkt auf der Pendenzenliste abgearbeitet werden sollte: «Die Schützenstube bildet den zentralen Ort der Anlage – sie ist nicht nur unser Vereinstreffpunkt, sondern dient auch als Theorielokal und Festwirtschaft, wenn wir Anlässe durchführen.»
Die winzige Küche stammte noch aus den 1960er Jahren, der Zustand der Geräte war in einem entsprechenden Zustand. Also investierten die emsigen Helfer weitere 1300 Stunden in die Renovierung des in die Jahre gekommenen Häuschens.
«Wir erhielten eine Ausstellungsküche geschenkt, die ausgemustert werden sollte», ist Müller dankbar, «und von einem Restaurant, das geschlossen wurde, gabs ein Buffet. Viele Handwerker haben uns bei den Renovationsarbeiten unterstützt. Die helle, einladende Stube erhält zurzeit noch den letzten Schliff.»



«Ich bin sehr stolz auf unsere Vereinsmitglieder», resümiert Christian Müller, «unglaublich, wie sich alle immer wieder motivieren konnten.» Es sei eine intensive Zeit mit vielen Hochs und Tiefs gewesen.
Die «Knochenarbeit» habe zusammengeschweisst. Allerdings habe sie von allen sehr viel Energie und Kraft gefordert: «Jetzt ist es genug – wir möchten uns wieder auf unser Kerngeschäft, den Schiesssport, konzentrieren.»
Mit den bevorstehenden Feierlichkeiten wird einerseits die Bevölkerung eingeladen, die erneuerte Anlage zu besichtigen und auszuprobieren. Andererseits sollen sich alle Vereinsmitglieder, Helfer und Sponsoren feiern lassen und ihren Erfolg geniessen können.
Der Feldschützenverein hat ja noch etwas ganz anderes zu feiern, nämlich sein 160-jähriges Bestehen. Langeweile wird bei den Feldschützen also noch lange nicht aufkommen.
Die Feierlichkeiten
Am Samstag, 2. September, Sponsorennachmittag (geschlossene Gesellschaft), ab 19.30 Uhr öffentlicher Teil mit Abendunterhaltung, Festwirtschaft und Barbetrieb.
Am Sonntag, 3. September, ab 9 Uhr Festwirtschaft, Volksschiessen für die gesamte Bevölkerung (ab 10 Jahren) mit Feldgottesdienst und musikalischer Umrahmung.
Der Samstag, 9. September, und der Sonntag, 10. September, sind dann für die «Profischützen» reserviert mit dem Standerneuerungs- und Jubiläumsschiessen sowie mit Festwirtschaft. Am Sonntag ab 11 Uhr musikalische Unterhaltung.
Weitere Informationen auf der Website.