So will Uster im Rosengarten das Asylzentrum betreiben
Info-Veranstaltung zu Flüchtlingen
Im Rosengarten könnten ab Oktober bis zu 180 Flüchtlinge unterkommen – darunter auch unbegleitete Minderjährige. An einer Informationsveranstaltung hatte die Bevölkerung Fragen.
Um den Bedarf an Plätzen für Flüchtlinge zu decken, kann die Stadt Uster von der Stadt Zürich ab September das ehemalige Altersheim Rosengarten mieten. Wir berichteten über den Auszug der letzten Bewohnerinnen und Bewohner im Juli.
Am Mittwochabend informierte Uster über das Vorhaben – gemeinsam mit dem Kanton Zürich – im Gemeinderatssaal. Knapp 50 Interessierte nahmen an der Veranstaltung teil.
Die Zusammenarbeit mit Zürich sei ein Glücksfall, sagte Petra Bättig (FDP), Stadträtin von Uster und Vorsteherin der Abteilung Soziales. «Ohne diese Synergie hätten wir nicht gewusst, wo wir die Leute unterbringen können.»
Per 1. Juni 2023 hat der Kanton Zürich die Asyl-Aufnahmequote für alle Gemeinden von 0,9 auf 1,3 Prozent erhöht. Die Stadt Uster muss somit zusätzliche 140 Personen aufnehmen. «Wohnungen in Uster sind Mangelware», sagte Bättig.
Für diese Menschen braucht es schnelle und grosse Lösungen.
Jörg Schilter
Leistungsgruppenleiter der Asyl- und Flüchtlingskoordination in Uster
Die Liegenschaft des ehemaligen Alterszentrums Rosengarten in Oberuster kann insgesamt 180 Flüchtlinge beherbergen. 60 davon betreut der Kanton, die restlichen 120 die Stadt Uster. Die städtischen Plätze werden vor allem Frauen und Kindern aus der Ukraine zur Verfügung gestellt. Viele von ihnen wohnen jetzt schon in Uster an der Zelgstrasse. Diese Wohnmöglichkeit wird allerdings wegen Gebäudeabbruch entfallen. «Für diese Menschen braucht es schnelle und grosse Lösungen», sagte Jörg Schilter, Leistungsgruppenleiter der Asyl- und Flüchtlingskoordination in Uster.
Jedoch wird es im ehemaligen Altersheim auch 60 Plätze für unbegleitete Minderjährige geben – vor allem junge Männer aus Afghanistan. Diese werden neu nach Uster kommen. «Jedes zehnte Asylgesuch stammte im letzten Jahr von einer unbegleiteten minderjährigen Person», erläuterte Andrea Lübberstedt, Chefin des Kantonalen Sozialamts Zürich.
Die 60 Jugendlichen werden im Rosengarten in kleineren Gruppen auf drei Stockwerke verteilt. «Der Kanton Zürich stellt die Betreuung der Minderjährigen durch Fachpersonen sicher», sagte Lübberstedt.
Ein selbständiges Leben soll erreicht werden
Es gebe eine Rund-um-die-Uhr-Nachtwache und Bezugspersonen vor Ort, die Jugendlichen sollten in die Hausarbeit mit einbezogen werden und tagsüber Deutschkurse besuchen. Dadurch werde den Minderjährigen eine Tagesstruktur geboten. «Im Mittelpunkt steht, dass die Flüchtlinge möglichst bald selbständig werden», sagte Thomas Birchler, Co-Abteilungsleiter Soziales und Co-Sekretär der Sozialbehörde.



Die Jungen sollen einen Beruf erlernen können und bei Volljährigkeit möglichst bald in unterschiedlichen Gemeinden integriert werden. Ein Kernpunkt dabei sei das Kochen. Deswegen sind auch Umbauten im Rosengarten nötig. Zum Beispiel werden neue Kochnischen und Waschtürme eingebaut.
Sicherheit gibt Anlass zur Sorge
In der anschliessenden Diskussion stand vor allem das Thema der Sicherheit im Zentrum, denn der Rosengarten liegt nur wenige Meter neben dem Primarschulhaus Oberuster.
Eine Mutter sagte, ihr zehnjähriger Sohn sei bis jetzt jeden Tag durch das Rosengarten-Gelände in die Schule gegangen. Sie mache sich Sorgen, ob das noch ungefährlich sei.
Polizeikommandant Andreas Baumgartner erklärte, dass die Stadtpolizei intensiv mit der Kantonspolizei zusammengearbeitet und sich eingehend mit dem Vorhaben auseinandergesetzt habe. Wenn man schwierige Situationen beobachte, solle man ungeniert die Polizei anrufen.
Bis jetzt habe es mit ähnlichen Bedingungen keine beachtlichen Zwischenfälle gegeben. «Der Dialog soll im Fokus stehen – wie mit den Flüchtlingen im Wagerenhof oder denjenigen, die im Stadthaus wohnen», sagte Baumgartner.
Fragen nach dem Budget
Ob das nicht alles etwas zu rosarot gedacht sei, fragte Heidi Hunziker Kaiser, eine Bewohnerin aus Uster. «Junge Männer aus Afghanistan aufzunehmen, das gibt sicher Probleme.» Auch fragte sie, wie viel für den Umbau budgetiert sei. Rund 300’000 Franken seien für alle Arbeiten am Haus vorgesehen, antwortete Birchler. «Wir müssen am Rosengarten nicht viel verändern, der Umbau wird innerhalb von drei Wochen stattfinden.» Die ersten Flüchtlinge würden dann schon ab Mitte Oktober einziehen können.
Auch gab es die Frage aus dem Plenum, wie viele Fachpersonen es benötige, um die minderjährigen Jugendlichen zu betreuen. Das wolle man ganz abhängig vom Bedarf machen und könne man noch nicht genau sagen. «Wir kennen die Jugendlichen noch nicht, diese sind jetzt erst im Bundesasylzentrum oder haben ihre Gesuche noch gar nicht eingereicht», sagte Andrea Lübberstedt vom Kantonalen Sozialamt Zürich.
Eine Anwesende hatte die Idee, eine Art Integrationsprogramm mit Gastronomiebetrieb auf die Beine zu stellen, den die Flüchtlinge unter Anleitung selber führen würden. «So können die jungen Leute direkt einen Beruf erlernen.» Die Infrastruktur dafür sei vorhanden. Lübberstedt fand die Idee gut, sagte jedoch, man wolle keinen Mikrokosmos aufbauen. «Die jungen Leute sollen nicht am selben Ort wohnen wie arbeiten.» Zudem sei das kantonale Projekt der Unterbringung von unbegleiteten Minderjährigen befristet. Der Vertrag zwischen Uster und dem Kanton Zürich läuft bis 2025.
