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Kaum Honig in Oberländer Bienenstöcken

Während im letzten Jahr die Ernte prächtig ausfiel, wird 2023 für die Imker der Region wohl kein gutes Jahr. Der Grund? Das Wetter und eine Milbe.

Auch dieses Jahr haben die Oberländer Bienen Honig produziert - wenn auch sehr wenig. (Archiv)

Foto: Lina Vogelsanger

Kaum Honig in Oberländer Bienenstöcken

Nasser Frühling, heisser Sommer

Mit den hohen Temperaturen kommen die Bienenvölker aus der Region gut klar. Dennoch dürfte es wegen des Wetters ein mageres Honigjahr werden.

Menschen schwitzen, Hunde hecheln, Schweine genehmigen sich ein kühlendes Schlammbad – in der brütenden Hitze sind alle auf der Suche nach Abkühlung. Nicht so die Bienen.

In ihren Stöcken halten die Honigbienen in den Frühlings- und Sommermonaten sogar konstant eine Temperatur von 32 bis 36 Grad. «Aber es ist schon gut, wenn die Völker nicht gerade an der prallen Sonne stehen, sondern etwas im Schatten unter Bäumen», sagt Erwin Marty aus Bubikon, Präsident des Imkervereins Bezirk Hinwil.

Wird es trotzdem einmal etwas zu heiss, versammeln sich die Arbeiterinnen vor dem Eingang und fächeln die heisse Luft mit ihren Flügeln aus dem Stock hinaus.

Auch verteilen sie Wasser auf die Waben, welches durch den Luftdurchzug verdunstet und damit die Temperatur senkt. Deswegen ist es wichtig, dass sie einen nahen Zugang zu Wasser haben.

Bienen auf dem Strickhof. Lukas Kuhn (jung) und Rolf Frei. 8.6.2020
Wird es im Bienenstock zu heiss, fächeln die Insekten die heisse Luft mit ihren Flügeln nach draussen. (Archiv)

So weit, so gut – trotzdem läuft für die Imker momentan nicht alles rosig. Denn das Blütenangebot für die Bienen sei momentan beschränkt. Im Sommer sammeln sie primär Waldhonig von verschiedenen Laubbäumen und Nadelbäumen.

Dieser heisst zwar Honig, ist dunkel und flüssig, stammt jedoch nicht aus Blütennektar: Er ist das Produkt von Ausscheidungen Pflanzensaft saugender Insekten.

«Damit diese von den Bienen gesammelt werden können, braucht es zuerst Insekten, meist Läuse, die den Saft von den Bäumen anzapfen und so den Honigtau produzieren», erklärt Marty. Dies ereigne sich jedoch nicht jedes Jahr. «Und in diesem Jahr gab es leider keinen solchen Honig.»

Zwar gab es im Sommer ein wenig flüssiges Gold zu ernten – «wahrscheinlich von Lindenblüten und auch Brombeeren und Himbeeren», vermutet Marty –, aber ab Mitte Juli fanden die Bienen nicht mehr viel, als dass es sich für die Imker gelohnt hätte, etwas abzuernten.

Regen im April und Mai

Auch der Blütenhonig im Frühling war in diesem Jahr Mangelware, weil die Bienen aufgrund des Regenwetters nicht oft ausfliegen konnten. Für die Bienen sei das eigentlich kein Problem. «Nur für die Obstbauern und die Imker, die ihren Ertrag wollen.»

Von April bis Ende Mai stammt der Honig von den Blüten der Obstbäume und den Wiesenblumen – im Ackerbaugebiet auch von Raps. «Dieser Honig ist dann goldgelb.»

Während Marty etwa im sehr schönen Frühling 2020 bereits Ende April das erste Mal Honig schleudern konnte, und zwar pro Volk über 20 Kilo, war es in diesem Jahr erst Ende Mai so weit. «Und es gab nicht viel, das heisst, gerade mal fünf bis zehn Kilo pro Volk.»

Erwin Marty hält seit über 45 Jahren Bienen. In dieser Zeit habe er grosse Schwankungen erlebt, was die Honigerträge anbelange, und nicht immer seien sie klar auf das Wetter zurückzuführen gewesen.

Sein persönlicher Rekord liegt bei 98 Kilo Honig bei seinem besten Volk – und das war gerade letztes Jahr.

Tabelle Honigernte 2022
Die durchschnittlichen Honigernten der Jahre 2010 bis 2022 in Kilogramm pro Volk.

Dabei lasse sich ein Zweijahresrhythmus beobachten. «In den ungeraden Jahren war der Ertrag jeweils mittel bis schlecht und in den geraden Jahren gut bis sehr gut», sagt Marty. Die Statistik der «Schweizerischen Bienenzeitung» bestätigt diese Beobachtung.

Mit einer Ausnahme: In den Jahren 2017 und 2018 konnten die Imker gut gefüllte Waben ernten. Somit dürfte ihnen 2024 wohl wieder ein besseres Jahr bevorstehen – und dem Rest der Bevölkerung ein schöner Frühling.

Mit Hitze gegen Parasiten

Seit einigen Jahrzehnten kämpfen Imker mit der Varroamilbe – einem Schädling, der ganze Bienenvölker auslöschen kann. Bisher wurde die Milbe primär mit chemischen Mitteln bekämpft. Mittlerweile wird auch vermehrt Hyperthermie eingesetzt: Die Schädlinge werden mit Hitze bekämpft. Denn die Bienen halten in ihrem Larvenstadium Temperaturen von über 41 Grad Celsius aus, wobei die Varroamilbe bei dieser Hitze verendet. Mittlerweile sind Geräte auf dem Markt, bei denen nur die Brutwaben, und solche, bei denen Bienen und Brut im Stock behandelt werden. (Quelle: Zürcher Bienenfreunde)

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