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«In der Oberstufe verfliegt das Interesse an der Natur oft»

Sowohl im Rütner Verein Jugendnaturschutz als auch bei den Junior Rangern der Greifensee-Stiftung, sind junge Naturschützer ganz vorn mit dabei

Die Kinder beim Verein Jugendnaturschutz Rüti sind mit ganzem Körpereinsatz dabei, etwa bei einem Ausflug auf einem Barfussweg – doch mit steigendem Alter wird diese Begeisterung oft geschmälert.

Foto: PD

«In der Oberstufe verfliegt das Interesse an der Natur oft»

Junge Naturschützer in der Region

Das Würmli von der Strasse retten, Abfall zusammensammeln – kleine Kinder haben den Naturschutz im Blut. Über die Herausforderungen, die später auftauchen, sprechen zwei Kursleiter.

Kinder und Jugendliche, die nur am Bildschirm hängen, sind kaum im Verein von Gerald Kohlas zu finden. «Zu uns kommen Kinder, die bereits begeistert von der Natur sind», sagt der Präsident von Jugendnaturschutz Rüti. Er hat den Verein 1997 gegründet und zeigt Kindern ab sieben Jahren die Vielfalt der Natur sowie Wege, sie zu schützen.

«Naturschutz geht immer nur in kleinen Schritten, sonst sind zu viele Behördengänge nötig», ist er überzeugt. Die rund 80 Mitglieder aus verschiedensten Gemeinden lernen darum an konkreten Beispielen, wie sie der Natur vor ihrer Haustür etwas Gutes tun können.

Seien es selber gebaute Wildbienenhotels, Schlafkästen für Fledermäuse oder ein Balkonkistchen mit angesäten Wildblumen: «Wenn die Kinder mit ihren eigenen Händen etwas herstellen können, brennt auch ihre Begeisterung weiter.»

Am Sonntag, 27. August, findet von 10 bis 15 Uhr beim Schulhaus Fägswil ein Schnuppertag des Jugendnaturschutzes Rüti statt. Interessierte Kinder ab sieben Jahren sind eingeladen, das Angebot zu testen.
Mitbringen: Getränk, Zmittag, Zwischenverpflegung und ein Sackmesser – am besten in einem Rucksack. Weitere Auskünfte direkt bei Gerald Kohlas, E-Mail info@jugrurueti.ch oder Telefon 055 240 81 69.

In Rüti trifft man sich seit mittlerweile 25 Jahren einmal pro Monat an einem Sonntag zu einem Kurs oder einer Exkursion. Es werden Weiden geschnitten und deren Äste weiterverarbeitet, Kränze und Gestecke für den Weihnachtsmarkt – die Einnahmequelle des Vereins – gebastelt oder Exkursionen zu bestimmten Themen organisiert.

«Aber mit dem Wechsel in die Oberstufe verfliegt das Interesse an der Natur bei den Kindern oft», sagt Gerald Kohlas. Ein Umstand, den er aber nachvollziehen könne. «Pfadi oder Cevi, Sport, Musik – in diesem Alter läuft auch einfach sehr viel.»

Je früher, desto besser

Auch am Greifensee gibt es ein Angebot für junge Naturschützer: Seit zehn Jahren sind die Junior Ranger dort unterwegs. Dort sind Kinder ebenfalls ab sieben Jahren willkommen, mittlerweile sind 65 Kinder und Jugendliche mit von der Partie.

«Je früher man Kinder in die spannenden Zusammenhänge der Natur einweiht, umso besser», sagt Niklas Göth. Der Leiter der Ranger der Greifensee-Stiftung war 2014 massgeblich am Aufbau des Junior-Ranger-Programms beteiligt. Jeweils am Mittwochnachmittag ziehen die Gruppen den Greifensee entlang oder erkunden noch weitläufigere Gebiete.

Auch bei ihnen komme es mit dem Übertritt in die Oberstufe oft zu einem Bruch, jedoch aus anderen Gründen als in Rüti. «Aufgrund des neuen Stundenplans haben die Kinder manchmal keine Zeit mehr, aber wir haben nach wie vor viele Teenager, die mitmachen.» In der ältesten Young-Ranger-Gruppe sind fast alle seit rund 10 Jahren dabei und teilweise bereits über 20 Jahre alt.

Gerade die Teenager würden die Offline-Zeit in der Natur mit den Freunden in der Gruppe und den Rangern sehr geniessen. «Auch die Teens mit verlängerten Fingernägeln oder weissen Sneakern sind erstaunlicherweise voll dabei, wenn wir durch den Schlamm waten oder zusammen neue Esskreationen am Feuer grillieren», erzählt Niklas Göth.

Junge Leiterinnen und Leiter

Aber auch in Rüti gehen zum Glück nicht alle Oberstufenschüler «verloren». Umso mehr freut es Gerald Kohlas, wenn die Jugendlichen dem Verein treu bleiben. «Viele werden dann auch selber Leiterinnen oder Leiter.» Das bedeutet, dass die Jugendlichen eigenständig Programme organisieren.

Derzeit zieht sich die Altersspanne im neunköpfigen Leiterteam von 12 bis 66 Jahren – Kohlas ist der Älteste. «Eine der Leiterinnen kam einst als kleines Mädchen in den Verein, heute ist ihre Tochter auch Mitglied.»

Die Zusammenarbeit funktioniere super, die Jungen, die blieben, seien mit Eifer dabei. «So wird etwa unsere Website von einem Oberstufenschüler betreut.» Und manche, die tatsächlich aus dem Verein austräten, würden sich später wieder dem Naturschutz widmen, etwa in den örtlichen Sektionen.

Da die meisten Teilnehmer im Primarschulalter sind, werden «grosse» Naturschutzthemen wie die Klimakrise oder die Lichtverschmutzung zwar angesprochen, aber nicht viel weiter vertieft. «Wir wollen den Kindern erklären, welches Verhalten von uns Menschen welche Konsequenzen nach sich zieht – sie sind unsere Zukunft.»

Globale Themen vor der Haustür

Beim Junior-Ranger-Programm der Greifensee-Stiftung geht es bei kleineren Kindern zwar hauptsächlich um das Entdecken der Natur mit allen Sinnen in der näheren Umgebung. «Aber es werden bereits hier auch weiterreichende Themen ins Programm eingebaut», sagt Niklas Göth. «Dass globale Themen nicht vor der Haustür haltmachen, ist den Kindern und Jugendlichen schnell klar, da alles miteinander vernetzt ist und die Auswirkungen globaler Veränderungen sich auch auf das Gebiet hier auswirken.»

Bei den etwas älteren Young Rangern, die seit Beginn des Programms dabei sind, werden auch Exkursionen in andere Schweizer Schutzgebiete und ins benachbarte Ausland durchgeführt. Das soll den Horizont in Bezug auf komplexere globale Umweltthemen zusätzlich erweitern.

Die Kinder und Jugendlichen sind um die Gefährdung ihrer eigenen Zukunft auch manchmal besorgt.»

Niklas Göth

Ranger

In den letzten zehn Jahren, in denen es die Junior Ranger schon gibt, wurde auch der Verweis auf nötigen Klima- und Naturschutz immer lauter. «Die Junior Ranger sind ein eigenständiger Teil dieser Veränderung, und sie machen als Multiplikatoren in ihrem Umfeld auf die Wichtigkeit des Schutzes der letzten verbliebenen Naturreservate aufmerksam.»

Dies bringt laut Göth mehr als radikale Aktionen wie die von sogenannten Klimaklebern: «Ich persönlich bin kein grosser Freund solcher Aktionen, kann die grundsätzlichen Anliegen und Zukunftssorgen von jungen Protestierenden aber verstehen.»

Nach dem Start am Greifensee gibt es das Naturbildungsprogramm der Junior Ranger mittlerweile in 15 Gebieten schweizweit. «Die Kinder und Jugendlichen sind sehr engagiert und im Wissen um die Gefährdung ihrer eigenen Zukunft auch manchmal besorgt.»

In den Altersgruppen der Sieben- bis Neunjährigen der Junior Ranger gibt es momentan längere Wartelisten. Für Kinder ab neun Jahren gibt es aufgrund von Schulwechseln wenige freie Plätze. Um das Programm finanzieren zu können, ist die Greifensee-Stiftung auf Spenden angewiesen. Weitere Infos zu den jungen Rangern unter www.greifensee-stiftung.ch.

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