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Warum im Maurmer Wappen Bienen nisten

Maur hat seit Kurzem das lebendigste Gemeindehaus der Schweiz. Die Hintergründe.

Der Maurmer Primarlehrer Philip Urner befüllt mit seinen Schülerinnen und Schülern das Bienenhotel.

Foto: Matthias Müller

Warum im Maurmer Wappen Bienen nisten

Ein neues Wahrzeichen?

Vor dem Maurmer Gemeindehaus steht neuerdings ein grosses Bienenhotel. Dahinter stecken eine Grüne, ein Lehrer und eine bemerkenswert kreative Verwaltung.

Das lange Greifenseeufer, eine wunderbare Aussicht über das ganze Oberland, die tiefen Steuern: Es gibt gute Gründe, warum man Maur attraktiv finden könnte. Der öffentliche Raum gehört wohl nicht dazu.

Die Gemeinde besteht aus einem kleinen Dorf in der Mitte und vier Aussenwachten, deren Menschen sich stärker nach aussen als nach innen orientieren. Es gibt kein Kulturzentrum, keine Einkaufspassage, keinen Dorfplatz. Identität muss hier erarbeitet werden.

Unter diesem Licht darf die neue Stahlkonstruktion vor der Gemeindeverwaltung durchaus als wertvoller Beitrag anerkannt werden. Sie trägt die Form des Maurmer Gemeindewappens, wobei dessen Kacheln mit Bambusröhren, gebohrten Holzscheiten und grossen Sandrohren befüllt sind.

Es handelt sich nicht um Kunst, sondern um ein Bienenhotel. Und das wiederum hat Potenzial zum Wahrzeichen – auch dank seiner Entstehungsgeschichte.

Gemeinde geht voran

Begonnen hat diese an der Gemeindeversammlung im Sommer 2020. Im Rahmen einer koordinierten Offensive der Grünen des Bezirks Uster beantragt die Maurmerin Ursula Gallizzi mit der Einzelinitiative «Schutz der Artenvielfalt – rettet die Bienen» einen Kredit über 250'000 Franken für Massnahmen zur Stärkung der Biodiversität.

Das Anliegen findet unter den Anwesenden grossen Anklang und bei der Abstimmung eine Mehrheit. In der Folge erarbeitet die Verwaltung einen Leitfaden zur Verwendung des gesprochenen Betrags bis 2023. Er sieht unter anderem auch vor, dass Bürgerinnen und Bürger für entsprechende Projekte auf Privatgrund eine Kostenbeteiligung beantragen können.

Auch die Privaten haben profitiert

Neben der neuen Umgebung vor dem Gemeindehaus, die nur teilweise über den mit der Einzelinitiative gesprochenen Betrag finanziert wurde, hat die Gemeinde auch Bürgerinnen und Bürger unterstützt. Bis Ende Juli wurden 92'400 Franken ausbezahlt, wovon insgesamt 60'400 Franken an zehn private Projekte geflossen sind. Aktuell sind weitere sieben Projekte bewilligt, aber noch nicht ausgeführt. Werden all diese Vorhaben umgesetzt, sind die an der Gemeindeversammlung gesprochenen 250'000 Franken weitgehend aufgebraucht. (mmu)

Die Gemeinde nutzt die Gelegenheit, um bei der Umgebungsgestaltung des Gemeindehauses mit gutem Beispiel voranzugehen: Neophyten werden durch heimische Hecken ersetzt, dazu werden Rohbodenflächen mit Sand, Totholz und Steinlinsen geschaffen, damit sich Pflanzen und Insekten ansiedeln können.

Das Herzstück, ein Bienenhotel in Form des Maurmer Wappens, soll von Schülerinnen und Schülern befüllt werden. «Die Fläche kann als Inspiration dienen, was im eigenen Garten alles möglich ist», sagt die zuständige Gemeinderätin Catherine Gerwig (SVP).

Im benachbarten Schulhaus Pünt nimmt sich Philip Urner im Herbst 2022 der Sache an. Der erfahrene Primarlehrer hat in seinem Unterricht stets die Nähe zur Natur gesucht. In der Vergangenheit hat er mit seinen Klassen bereits ein Bienen- und Insektenhotel am nahegelegenen Mühleweiher gebaut.

Nun, unmittelbar vor seiner Pensionierung, wird das Bienenhotel vor dem Gemeindehaus zu seinem letzten grossen Projekt. Über das gesamte Schuljahr beackert er mit seiner 3. und 4. Klasse das Thema, sogar das jährliche Schultheater steht im Zeichen der Bienen.

Im Werkunterricht präparieren die Schülerinnen und Schüler vom Kindergarten bis hin zur 6. Klasse über Monate hinweg die Füllung. Sie schleifen die Kanten der Schilf- und Bambusrohre und bohren Löcher in die Holzscheite. All das tun sie sehr bewusst, schliesslich lernen sie parallel im Unterricht, dass Wildbienen – in Maur gibt es gut zehn Arten – ihre Eier in diese Öffnungen legen.

Bald sind auch Fledermäuse willkommen

Unmittelbar vor den Sommerferien ist es schliesslich so weit: Das Wappen wird vom Schlosser geliefert und kann vom Lehrer und den Kindern befüllt werden. «Ich bin froh, dass wir dieses Projekt noch vor den Schulferien abschliessen konnten», sagt dabei ein zufriedener Philip Urner. «Vor allem wegen der Kinder.»

Ein Bienenhotel in einer insektenfreundlichen Umgebung vor dem Gemeindehaus.
Rund um das Bienenhotel wurde eine insektenfreundliche Umgebung und eine zusätzliche Mauer geschaffen.

Fertig ist das Projekt freilich noch nicht. Während der Sommerferien wurde noch eine kleine Mauer erstellt, die optisch aus dem Maurmer Wappen hinausläuft und weitere Nistplätze birgt. Später sollen noch ein Nistkasten für Fledermäuse und eine Info-Tafel folgen. Die Bürgerinnen und Bürger wollen schliesslich wissen, was sie da vor dem Gemeindehaus antreffen.

Die Aktion erfreut auch die Initiantin Ursula Gallizzi. «Eine wunderbare Idee», entfährt es ihr, als sie von den Hintergründen erfährt. Nicht minder wichtig ist ihr aber, dass die Gemeinde damit die Bevölkerung animiert, es ihr gleichzutun. «Genau so habe ich mir das vorgestellt.»

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