Der grosse Ansturm blieb (noch) aus
Dreitägiges Festival in Kemptthal
Die zweite Auflage des The Valley Summer Festivals gefiel durchs Band. Allerdings fanden nur wenige Besucher den Weg ins ehemalige Maggital. Liegt es am Veranstaltungskonzept?
Die Schausteller im The Valley sitzen gelangweilt an ihren leeren Marktständen. Wenn das Karussell seine Runden dreht, dann meist nur für ein einziges Kind. «Die Familien sind bei dieser Hitze wohl alle in der Badi», mutmasst der Karussell-Betreiber, «oder noch in den Ferien.»
Tatsächlich ist es auffällig ruhig an diesem späten Samstagnachmittag in Kemptthal. Anstehen braucht man weder fürs Essen noch für die Toilette. Die vielen Sitzgelegenheiten bleiben weitestgehend ungenutzt. Nur die Rooftop-Bar Silo ist bereits gut besucht. Für einen kühlen Drink über den Dächern haben sich doch schon einige Leute ins Valley gewagt – notabene unter einem schattenspendenden Sonnenschirm.
Dabei wäre das Angebot so vielfältig: Schiessbuden und Marktstände verleihen dem dreitägigen Event Chilbi-Charakter. Konzerte, Bike-Trial-Shows, ein Clown, Seifenblasen-Kunst, Open-Air-Cinema, eine digitiale Schatzsuche und vieles mehr sorgen für Unterhaltung bei Gross und Klein.
Schlendert man über das Areal, sieht man da einen Workshop, dort einen offenen Weinkeller. In der ortsansässigen «Motorworld» gibt es Raritäten auf vier Rädern zu bestaunen, und man kann Fans beim simulierten Formel-1-Rennen beobachten. Und das alles eingebettet in ein geschichtsträchtiges Areal mit Industriecharme. Überall zeugen Wandbilder, Skulpturen und Blechtafeln von der bewegten Maggi-Vergangenheit.
Hat das Konzept versagt?
Ist das Sammelsurium an Festivalaktivitäten am Ende zu viel des Guten? Haben die Organisatoren übers Ziel hinausgeschossen? Die Reaktionen der Besucher scheinen diese Theorie nicht zu stützen: Nebst der besonderen Atmosphäre schätzen alle Befragten die Breite des Angebots. Dass für jede Altersgruppe etwas geboten wird, spricht die Gäste an.
Auch die Erschliessung des Areals mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt gut an: «Nur eine Zugstation von Winterthur entfernt», erklärt eine Dame. Die Besucher kommen vorwiegend aus den umliegenden Gemeinden, vornehmlich Paare oder kleinere Gruppen. Da und dort sind auch einige Familien auszumachen.

«Vermutlich ist es den Leuten noch zu heiss», sagt Reto Rey, mitverantwortlich für Planung und Infrastruktur des Events. «Am Freitag füllten sich die Bankreihen auch erst am Abend.» Die Tatsache, dass an diesem Wochenende so viele Veranstaltungen stattfinden – darunter die Musikfestwochen in Winterthur –, erschwere die Akzeptanz eines so jungen Anlasses zusätzlich.
Die Wahl des perfekten Datums für ein dreitägiges Festival sei schwierig: «Wichtig ist, dass sich dieser Termin in den Köpfen des Zielpublikums manifestiert.»
Rey sollte recht behalten. Tatsächlich wird es mit Einbruch der Dunkelheit zusehends schwieriger, eine Sitzgelegenheit zu finden. Beim Harassenklettern der Pfadi Winterthur herrscht grosser Betrieb: «21 Harassen konnte der Tagesbeste erklettern», freut sich einer der Verantwortlichen. Von der neunjährigen Schülerin bis zum erfahrenen Sportkletterer hätten sich die unterschiedlichsten Leute dieser sportlichen Herausforderung gestellt.
Und da ist sie doch noch, die Warteschlange, wenn man handgefertigte Momos ergattern möchte. Was an den grossen Anlässen nervt, gehört eben doch auch zum Festival-Feeling.
Vera und Oliver Christen: «Klein, aber fein»
«Wir waren letztes Jahr schon an diesem Festival. Uns gefällt die angenehme Atmosphäre, das Streetfood-Angebot, die Musik, es gibt viele Sitzgelegenheiten. Ein supergutes Quartier, direkt vor unserer Haustür. Wir essen, sitzen, verweilen und werden sicher noch einen Abstecher in die Silo-Bar machen. Ein kleines, aber feines Festival, wir werden auch im nächsten Jahr wiederkommen.»
Sabine Maetze: «Extra für die Enkelkinder»
«Meine Enkelkinder kamen auf mich zu, dass sie dieses Festival mit mir besuchen möchten. Ihr Mami eröffnet demnächst ein Yogastudio auf diesem Areal. Ich persönlich mag das Essensangebot, die Kinder fanden den Bobbycar-Parcours cool. Und wenn es den Kindern gefällt, gefällt es mir auch. Toll, dass ich aus Winterthur nur eine Station mit dem Zug fahren muss und schon mittendrin bin.»
Martha Bäbi und Beat auf der Mauer: «Anlass formt sich»
Beat auf der Mauer: «Wir sind hergekommen, um zu essen, flanieren und bei guter Musik zu verweilen. Hoffentlich kommen noch mehr Besucher, die Organisatoren haben gute Arbeit geleistet. Der Anlass formt sich jedes Jahr mehr und wird sich wohl noch etablieren müssen, uns gefällt er aber sehr.»
Martha Bäbi: «Das Angebot ist stark auf Kinder ausgerichtet, mit dem Chilbi-Betrieb. Was gut ist, wenn die Familien dann hoffentlich noch kommen.»
Karin Schätti und Sandra Schneider: «Mal was anderes»
«Wir sind begeistert vom vielfältigen Angebot hier. Es wird wirklich für jeden etwas geboten. Auch als nicht mehr ganz junge Leute fühlen wir uns hier nicht fehl am Platz. Trotz der Hitze gibt es genügend schattige Plätze. Ganz besonders gefällt uns das Ambiente des Areals – es sieht alles so schön aus. Das ist wirklich mal etwas anderes. Wir geniessen in der Motorworld-Bar unseren Apéro und werden nachher das Open-Air-Cinema besuchen.»