Wila schmeisst eine Party fürs Tösstal – und alle helfen mit
Dorffest in Wila
Am kommenden Wochenende verwandelt sich Wila in ein Festgelände. Das erste Dorffest seit 25 Jahren soll aber nicht nur Ortsansässige anziehen. Bevor die Feierlichkeiten beginnen, gibt es aber noch einiges zu tun.
Cyril Frei erscheint etwas verspätet am vereinbarten Treffpunkt. Der Bauchef des Dorffests Wila kommt gerade von einer Besprechung mit dem Lieferanten der Stromkabel. Alles andere als «Daily Business» für den gelernten Landschaftsgärtner.
«Weil ich mich selbst nicht auskenne, ist es schwierig, bestimmte Dinge im Voraus einzuschätzen», sagt der 28-Jährige. Zum Beispiel, wie viele Meter Stromkabel man benötigt, um das ganze Festgelände mit Elektrizität zu versorgen.
«Deshalb braucht es vor Ort jeweils kurze Besprechungen mit den Lieferanten», sagt Frei. Gemeinsam mit seinem Helferteam, das vorwiegend aus Mitgliedern des TV Wila besteht, ist er für den Aufbau des Festgeländes und die Infrastruktur zuständig.
Ein Fest fürs ganze Tösstal
Der Turnverein hat am Dorffest vom kommenden Wochenende eine tragende Rolle inne: Sein 100-Jahr-Jubiläum ist der Hauptgrund, weshalb die Wilemer genau in diesem Jahr ihr Dorf und die Dorfgemeinschaft feiern.
Entsprechend war bereits an der ersten Sitzung des Organisationskomitees im Dezember 2020 klar: Am Austragungsjahr sollte nicht gerüttelt werden. Auch nicht durch eine Pandemie. Damals noch alles andere als selbstverständlich.
«Wir haben uns mit einer gesunden Portion Optimismus an die Planung gemacht», erinnert sich Frei. «Die braucht es aber auch, wenn man einen so grossen Anlass planen will.»
Und ja, ein Dorffest ist für das 2000-Seelen-Dorf Wila allemal ein Grossanlass. Mehr als 2000 Besucherinnen und Besucher erwarten die Veranstalter als Gäste am Fest, die auf das ganze Wochenende verteilt sind.
«Wie viele tatsächlich kommen, ist schwer einzuschätzen, weil es extrem wetterabhängig ist», sagt Frei. Schenkt man den aktuellen Prognosen Glauben, steht das Fest wettertechnisch unter einem guten Stern.
Das OK betont stets, man veranstalte ein Fest fürs ganze Tösstal, nicht nur für die Gemeinde. Zumal viele Wilemer bereits selbst an einem der über 60 Stände engagiert sind und nicht allzu viel Zeit fürs eigentliche Feiern haben dürften.
Die Zahl der Gäste sei für ein Fest nicht unerheblich – sie abzuschätzen, sei besonders bei der Planung eine grosse Herausforderung gewesen, etwa bei der Grösse des Festzelts. Freis Devise: «Lieber etwas kleiner, dafür gut gefüllt. Dann ist die Stimmung besser.»
Kein Dorffest ohne Freiwillige
25 mal 50 Meter misst das grosse Zelt hinter dem Heilsarmee-Brocki nun. Seit Samstag ist es in seinen vollen Dimensionen erkennbar. Gut 750 Plätze fasst das Festzelt, in dem Ex-Miss-Schweiz und Schlagersängerin Linda Fäh, Volksmusiksänger Marc Pircher und die Seerugge Feger am Freitag für Stimmung sorgen werden.
Bis die grosse Dorfparty steigt, gibt es aber noch einiges zu tun: So fertigt das Bauteam etwa die Holzelemente für den VIP-Bereich, die Garderoben sowie die Küche und den Sanitärbereich selbst an.
Hinzu kommen Holzhauben für die Küchengeräte, über die der Dampf von Fritteuse und Grill entweicht. «Holz ist im Vergleich zu Mietgeräten günstiger und einfacher zu transportieren», sagt Frei.
Parallel verlegen die Helfer die Leitungen für Strom und Wasser. Auch hier kommen nicht etwa professionelle Elektroinstallateure zum Einsatz, sondern Freiwillige. Jeder mit handwerklichem Geschick ist da mehr als willkommen.
Denn das Dorffest lebt von Fronarbeit. 550 verschiedene Schichten galt es insgesamt zu besetzen. «Das entspricht knapp 3000 Stunden Arbeit», so Frei. Entsprechend gross ist die Bereitschaft aller im Dorf, bei den Vorbereitungen zu helfen.
Jetzt noch Wohngebiet, bald Festgelände
Der Support fürs Dorffest hört auch bei den Anwohnern nicht auf. Keine Selbstverständlichkeit, zumal die Stations- und die Bahndammstrasse – vor allem Letztere ist eine typische Wohngegend – den Mittelpunkt des Festgeländes bilden. «Für die Anwohner muss alles stimmen, keine Frage», findet Frei.
«Deshalb haben wir uns auch Mühe gegeben, sie frühzeitig miteinzubeziehen.» Immerhin darf auf dem ganzen Gelände offiziell bis vier Uhr morgens gefeiert werden. Das Dorffest gänzlich auf die Wiese zu verlagern, sei nicht infrage gekommen. «Das Ambiente ist einfach besser, wenn es im Dorf ist.»
Zudem beansprucht das Fest Teile von Privatgrundstücken für Stände – auch deshalb war die Gunst der Anwohner wichtig. Die Anstrengungen haben sich gelohnt: So seien die Rückmeldungen fast ausschliesslich positiv ausgefallen.
«Es ist schön zu sehen, wie viel Unterstützung wir erhalten. Gemeinsam so etwas Grosses auf die Beine stellen zu können, macht Freude», betont Cyril Frei. «Und es zeigt: Die Leute sind nach 25 Jahren parat für ein Dorffest.»
-1.jpg?w=300&webp=1)