Nun wächst das neue Stadtquartier aus dem Boden
Neubauten in Uster
Uster streckt sich in die Höhe. Das jüngste Glied wird sich beim Bezirksgericht 47 Meter hoch erheben.
Noch ist es ein riesiges Loch, das sich zwischen dem Einkaufszentrum Illuster, dem Freizeit- und Jugendzentrum (Frjz) und dem Bezirksgerichtsgebäude breitgemacht hat. Doch nun wird dieses gefüllt. Über der Tiefgarage werden Neubauten emporwachsen – auf eine Höhe von bis zu 47 Metern.
Zuerst drei neue Hochhäuser
Was hier entsteht, bezeichnet Markus Dammann als «hochwertige Zentrumsüberbauung». Er ist Leiter des Bauprojektmanagements bei der Seewarte AG. Die Immobilienfirma, ein Teil der Ernst Göhner Stiftung, ist seit Ende 2020 neben der Stadt Uster und dem Kanton Mitbesitzerin des insgesamt 12'355 Quadratmeter grossen Areals.
Auf dieser Fläche hätten knapp zwei Fussballfelder Platz. Tatsächlich entstehen hier in einer ersten Etappe aber drei Wohngebäude, die ebenerdig mit einem Geschoss verbunden sein werden. In diesem werden unter anderem ein Ärztezentrum, eine Schule sowie ein Café Räume erhalten, wie Dammann erklärt.
Eigentlicher Kernpunkt der Überbauung soll aber ein neuer Platz werden. Mindestens an einer Seite wird dieser dann von den in Arkaden untergebrachten Geschäften gesäumt.
Ein neuer Platz für die Stadt
Sinnigerweise soll diese freie Fläche dann den Namen Gerichtsplatz erhalten. Immerhin wird das ausgebaute Gerichtsgebäude dereinst an eine Seite dieses Gevierts stossen.
Wann das sein wird, lässt sich allerdings noch nicht genau sagen. Fest steht nur, dass das historische Gerichtsgebäude aus dem Jahr 1915 erhalten bleibt.
Abgerissen und mit einem Neubau ersetzt werden sollen dagegen der in den 1970er Jahren angebaute Osttrakt sowie die Anbauten, die damals die ehemalige Gefängnishofmauer ersetzten.

Der weitere Fahrplan für die drei Wohngebäude dagegen steht fest: «Mitte 2025 sollen die 106 Mietwohnungen bezogen werden können», sagt der Projektmanager.
20 dieser Wohnungen sollen klein gehalten und besonders flexibel gestaltet werden. Die übrigen werden 2½ bis 4½ Zimmer umfassen. Insgesamt wird neuer Wohnraum auf 7300 Quadratmetern entstehen.
Teure Natursteinfassade
Auf dem Sockelgeschoss, das die drei 19, 25 und 47 Meter hohen Wohnblöcke verbindet, entsteht ein Dachgarten, der aber nicht öffentlich zugänglich ist, sondern den Mietern vorbehalten sein wird. «Eine Erschliessung dieses Dachgartens für die Öffentlichkeit wäre schwierig gewesen. Zudem wird auf dem rund 2200 Quadratmeter grossen Gerichtsplatz sehr viel für die Allgemeinheit getan», meint Dammann.
Die Seewarte AG, die rund einen Drittel der gesamten Arealfläche besitzt, wird hier 52,5 Millionen Franken investieren. Nach dem Entscheid der Stadtbildkommission, dass die Gebäudefassade in Naturstein gehalten sein muss, kommen allerdings nochmals 1,8 Millionen Franken hinzu. «Auch eine Intervention beim Bauvorstand half da nichts», meint Dammann. So werden die drei Häuser mit Travertin verkleidet, einem porösen, hellen, meist gelblichen Kalkstein.
Erste Etappe bis Mitte 2025
Der Seewarte-Manager ist überzeugt, dass es für die Wohnungen eine grosse Nachfrage geben wird. Im Gegensatz zu den Gewerbeflächen wurde deren Vermietung allerdings noch nicht ausgeschrieben. Von den 1500 Quadratmetern Gewerbefläche ist kaum mehr etwas zu haben. «Die Verträge mit dem Ärztezentrum und der Schule sind bereits unterschrieben.»
Entgegen den ursprünglichen Plänen wird kein weiterer Grossverteiler dort einziehen. «Die haben in Uster schon alle ihre Standorte», erklärt Dammann.
Auf Mitte 2025 hin soll auch der neue städtische Platz fertig sein. Laut den Architekten des Zürcher Büros Huggenbergerfries wird dessen Ausgestaltung einfach ausfallen. Der Kiesplatz soll mit einem Blätterdach von einer doppelten Baumreihe als Entrée zur Zürichstrasse hin dienen. Zudem ist ein Wasserspiel vorgesehen.
Winterthurerstrasse verschwunden
Ein Revival erlebt in kleinerem Stil auch die Winterthurerstrasse, die bis vor Kurzem noch von Illnau über Gutenswil ins Ustermer Zentrum führte. Mittlerweile ist sie aber im letzten Teil wortwörtlich vom Erdboden verschwunden.
Die Diagonale, die vorher übers Bauareal geführt hat, wird aber mindestens geometrisch wieder aufleben. Vom Bezirksgarten neben dem alten Gerichtsgebäude – dieser wird auch öffentlich zugänglich werden – vorbei führt eine Fuss- und Radwegverbindung zum neuen Gerichtsplatz. «Mit der historischen Achse erhält das Ensemble einen unverkennbaren Charakter», heisst das im Architektendeutsch.
Stadt noch ohne konkrete Pläne
Ob dieser Gerichtsplatz auch wie vorgesehen auf einer dritten Seite eine Arkade erhalten wird, steht in den Sternen. Die Stadt Uster dürfte gemäss Gestaltungsplan neben der Tiefgaragenzufahrt zum Illuster ein bis zu knapp 19 Meter hohes Gebäude erstellen. Wie Karin Reifler, Geschäftsfeldleiterin Liegenschaften, auf Anfrage erklärt, bestehen zurzeit aber noch keine konkreten Pläne.
Ziel der Überbauung des Gerichtsplatz-Areals ist eine Verdichtung im Stadtzentrum, wie sie bereits neben dem Stadtpark und im Kern Süd stattgefunden hat und an der Poststrasse und auf dem Zeughausareal noch stattfinden soll. Die Planer sehen mit der Realisierung dieses neuen Stadtquartiers auch eine Aufwertung der Fussgängerachse zwischen Illuster und Zeughausareal.