«Ich seziere Ihren Artikel dann – wenn nötig – in meiner Sendung»
Daniel Stricker im Interview
Daniel Stricker will das Pasadena zum «Hort der Freiheit» machen. Welche Rolle der umstrittene Thurgauer im Lokal einnimmt und wie er zum zweifelhaften Freedom Festival steht, erzählt er im Interview.
Herr Stricker, Sie führen im ehemaligen Tanzlokal Pasadena Veranstaltungen unter dem Namen «Strickers Freiheit» durch. Sind Sie hinter der Bar zu sehen, oder in welcher Funktion treten Sie auf?
Daniel Stricker: Ich bin dort der Winnetou. Es kann schon sein, dass ich ab und zu hinter der Bar anzutreffen bin, aber grundsätzlich bin ich nur der Veranstalter.
Profitiere ich denn als Gast von besonderen Freiheiten im Lokal?
Natürlich wird nichts erlaubt sein, was strafrechtlich verboten ist. Aber wir wollen bewusst Leute fördern, die «gegancelt» sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand in den Massenmedien einen schlechten Ruf hat oder eine Meinung vertritt, die in der Gesellschaft unbeliebt ist.
Grenzen, wer das Lokal mieten kann, setzen Sie keine?
Das kann man so pauschal nicht sagen. Im Zweifelsfall für die Freiheit.
Haben Sie Erfahrung in der Gastronomie?
Ich habe mal ein Pizzakurierunternehmen geführt. Doch hier geht es nicht um Gastronomie, sondern um Events. Und in diesem Bereich habe ich Erfahrung, weil ich etwa im letzten Jahr im Pasadena schon das «Strickerfest» durchgeführt habe.
Wieso haben Sie sich eigentlich Volketswil ausgesucht?
Es war eine Vereinbarung mit einem Verantwortlichen der Dancing Pasadena AG. Der Kontakt zu den Pächtern ist in den letzten drei Jahren entstanden. Ein Handschlag unter Männern besiegelte das Ganze, schriftlich ist nichts festgehalten. Demnach gibt es auch keine Abmachungen, wie lange ich das Pasadena nutzen kann. Ich führe dort einfach meine Events durch, und andere können «Strickers Freiheit» ebenfalls über mich buchen.
> > HIER GEHTS ZUM BERICHT ÜBER DAS FREEDOM FESTIVAL IN VOLKETSWIL
Demnächst findet dort das Freedom Festival statt. Vereinfacht gesagt, besteht das Festival aus Personen, die sich gegen das Solidaritätsprinzip der Gesundheitsversorgung oder der Altersvorsorge stellen, dem Westen die alleinige Schuld am Krieg in der Ukraine geben und generell der Meinung sind, dass die Mehrheit der Zeitungen in der Schweiz Falschmeldungen verbreitet, richtig?
Ich kann nicht für die Veranstalter des Freedom Festivals antworten, aber Ihre Fragestellung ist eine Unterstellung. Das ist das Traurige an Ihren Fragen. Sie suchen sich die Aussage raus, um wie andere Medien das vermeintlich Schlechte der Welt zu bestätigen. So pauschal und platt im Denken habe ich die Veranstalter jedenfalls nicht kennengelernt. Ich selber sehe die Hauptschuld für die Eskalation des Ukraine-Kriegs bei der Nato, und es ist intelligent, allem, was die Massenmedien in Sachen Politik und Geld schreiben, ganz grundsätzlich zu misstrauen. Da ist mehr falsch als wahr.
Ich mache keine Unterstellungen, sondern stelle hier kritische Fragen im Rahmen eines Interviews.
Ich seziere Ihren Artikel dann – wenn nötig – in meiner Sendung.
Apropos öffentlich sezieren: In Ihrer Sendung «Stricker TV» haben Sie jüngst eine Mitteilung der Juso Zürcher Oberland auseinandergenommen, die sich gegen das Festival stellt und dazu aufruft, den Anlass abzusagen. Die Jungpartei hat den Brief mittlerweile veröffentlicht und an die Medien verschickt. Erwarten Sie Störaktionen der Juso?
Das wäre absolut unnötig. Ich habe Co-Präsident Dario Vareni in meinem Video aufgefordert, doch vorbeizukommen. Er wäre sicher willkommen und könnte auch sagen, was er will.
Ich will – Stand heute – niemals in die Politik.
In die Höhle des Löwen sozusagen.
Ich würde auch an eine Veranstaltung der Juso gehen, doch die laden mich ja nicht ein. Wenn er behauptet, das Festival sei ein demokratiefeindlicher Anlass, kann er doch einfach vorbeikommen. Ich würde ihn freundschaftlich willkommen heissen und mit ihm ein eigenes Podium durchführen.
Die Podien am Freedom Festival sind alles andere als kontradiktorisch. Wenn man sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Bühne anschaut, sind alle auf einer Linie.
Wenn ein Cédric Wermuth oder ein Roger Schawinski mitreden wollten, wären sie wahrscheinlich herzlich eingeladen dazu. Wenn nicht am Freedom Festival, dann sicher bei den Anlässen, die ich veranstalte. Ich erwarte aber auch sonst einen sehr kritischen Austausch.
Erwarten Sie denn, dass jemand während des laufenden Podiums aufsteht und beispielsweise den Angriffskrieg der Russen kritisiert?
Ich kann sagen, dass in der Bewegung der Corona-Massnahmengegner keineswegs nur Fans der russischen Aktionen zu finden sind.
Anhand Ihrer bisherigen Fragen merke ich jedoch, dass Sie hier etwas Sektiererisches ableiten wollen und Lücken zu einem Artikel schliessen, den Sie schon geschrieben haben. Die Massenmedien sind einfach ein Haufen mit einer Meinung, der sich gegenseitig bestärkt in seinen abstrusen Ansichten über das Coronavirus oder die Ukraine. Darum ist es wichtig, dass alternative Ansichten Platz finden.
Welche denn?
Dass etwa der Schweizer Staat immer totalitärer agiert. Heute werden den Bürgern Rechte und Geld weggenommen, anstatt sie ihnen zurückzugeben.
Sie sind selber Teilnehmer des Podiums zum Thema «Können in einer Cancel Culture Brücken geschlagen werden?». Was erzählen Sie da?
Ich habe mir dazu noch keine Gedanken gemacht.

Und wieso sind Sie jeweils als Winnetou verkleidet?
Weil ich weiss, dass Menschen kulturelle Aneignung lieben und ich ihnen gerne eine Freude mache.
Sie wollen also provozieren.
Nur Leute, die sich über mich aufregen, weil ich als Winnetou verkleidet bin. Genau diejenigen will ich ärgern. Aber ganz ehrlich, wer liebt Winnetou nicht? Ich habe nie eine positivere Berichterstattung bekommen als in dieser Verkleidung. Selbst Politiker von ganz links wissen, dass er ein Symbol der Völkerverständigung und der Freiheit ist. Ein Mann, der mit seinen Feinden Frieden schliesst. Dass selbst Indianer den Autor der Winnetou-Bücher, Karl May, an dessen Beerdigung geehrt haben, sagt doch alles. Das entlarvt die Cancel Culture.
Wenn wir schon bei der Politik sind: Sie haben 2016 als Gemeindepräsident des thurgauischen Dorfs Tobel-Tägerschen kandidiert, gewählt wurde letztlich ein anderer. Kürzlich haben Sie eine Kandidatur als Nationalrat in Erwägung gezogen.
Ich habe nie gesagt, dass ich kandidieren will. Zwar habe ich es nicht ausgeschlossen, doch nach kurzem Überlegen bin ich zum Schluss gekommen zu verzichten. Ich will – Stand heute – niemals in die Politik. Sie ist zu «gruusig» und das Leben zu kurz.
